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„Kinder und Eltern müssen für die deutsche Schule gestärkt werden!“

Interview mit Sozialpädagogin Olga Link, Kursleiterin „Fit für die Schule“

Olga Link ist Sozialpädagogin beim „Psychologischen Dienst für Ausländer“ der Münchner Caritas. Sie spielte eine tragende Rolle bei der Konzeption und Durchführung des Kursangebots „Fit für die Schule“, das die erste Aktion „Pizza sociale“ im Jahr 2006 möglich machte. Aufgewachsen in Russland kam Olga Link 2004 nach Deutschland. Sie ist Mutter zweier Kinder im Grundschulalter.

Olga Link

Olga Link

Frau Link, Sie helfen mit dem Programm „Fit für die Schule“ Kindern mit Migrationshintergrund. Warum brauchen die Kinder Unterstützung?

Wenn ausländische Kinder nach Deutschland kommen, werden sie von der neuen Kultur überrollt und sind überfordert. Wir wollen, dass sie merken, dass es etwas Besonderes ist, zwei Kulturen zu haben. Auch wenn sie es als Nachteil empfinden. Sie sollen zum Beispiel lernen: „Es geht nicht nur um die Sprache: Ich habe auch andere Kompetenzen!“ Die Kinder haben aber nicht nur Sprachbarrieren, wenn sie hier ankommen. Sie wurden anders erzogen, haben andere Werte und Verhaltensweisen.

Zum Beispiel?

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: In Russland waren die sozialen Werte wichtig. Wir mussten uns anpassen. Das höchste Gebot war: „Sei nicht egoistisch!“ Hier in Deutschland muss ich dagegen deutlich sagen, was ich will. Jeder muss sich zeigen und behaupten: Dann gilt er als wertvolle Person. Für Kinder ist es sehr schwierig, wenn sie zu Hause etwas anderes lernen, als das, was draußen gefordert wird. Das vermittelt einem das Gefühl der Isolation.

Das heißt, es muss auch den Eltern geholfen werden?

Ja. Deshalb haben wir die Eltern in die erste Aktion „Fit für die Schule“ im Jahr 2006, die durch die „Pizza sociale“-Erlöse finanziert wurde, einbezogen. Ziel dieses Kursangebots war die Stärkung der Kinder und der Eltern, damit beide den Anforderungen der deutschen Schule besser gerecht werden können. Das Projekt bestand aus drei Teilen: Selbstsicherheitstrainings und Lerntherapien für die Kinder sowie Elterntrainings. Die Selbstsicherheitstrainings habe ich geführt.

Wie haben Sie die Selbstsicherheitstrainings aufgebaut?

Zuerst wurden die Themen festgelegt: zum Beispiel Selbstwahrnehmung, Selbstwertgefühl, Selbstbehauptung, Konfliktlösungsverhalten. Die einzelnen Sitzungen habe ich dann ganz unterschiedlich gestaltet: Rollen- und Interaktionsspiele, psychotherapeutische Märchen, Brainstorming, Plakatgestaltung oder Gruppenarbeit.

Am Kurs haben Schüler der ersten bis vierten Klassen teilgenommen. Warum richtet sich das Angebot an Grundschüler?

In der Grundschule werden die Kinder zum ersten Mal mit dem Leistungsgedanken konfrontiert. Das ist der erste Kontakt zur Schule, ihren Prinzipien und Regeln. Für die Zukunft des Kindes ist es unglaublich wichtig, in der Grundschule Erfolg zu haben. Dort entscheidet sich, ob es in die Hauptschule, Realschule oder das Gymnasium kommt.

Woran merken Sie, dass „Fit für die Schule“ erfolgreich ist?

Zunächst daran, dass die Kinder nach dem ersten Kurs mehr davon wollten. Deswegen gab es 2007 ein Fortsetzungstraining, das die Inhalte vertieft hat. Und wir haben einen dritten Kurs abgeboten, der international geöffnet war. Das war dann keine Gruppe von Gleichsprachigen mehr, sondern Kinder aus verschiedenen Ländern: Spanien, Türkei, Russland und Italien.

Bekommen Sie Rückmeldungen von den Schulen?

Normalerweise nicht. Es wird meist geheim gehalten, dass ein Kind vom psychologischen Dienst betreut wird. Das ist in unserer Gesellschaft immer gleich negativ behaftet. Aber einmal kam eine Mutter ganz glücklich mit dem Zeugnis ihres Sohnes zu uns. Ihm war ursprünglich psychotherapeutische Hilfe empfohlen worden und er hatte an den beiden ersten Kursen teilgenommen. In seinem Zeugnis stand dann, dass er seine sozialen Kompetenzen sehr verbessert hat und dass er weniger Ärger mit Mitschülern hat.

Das macht Spaß, wenn man sieht, dass die Arbeit etwas bewirkt, oder?

Mir macht die Arbeit mit Kindern generell Spaß. Es hat mich immer fasziniert, in einem Kind Ressourcen zu finden – besonders in den Kindern, die sehr unscheinbar oder anstrengend sind. Man muss nur den passenden Schlüssel finden, damit sie sich öffnen.

Gibt es einen konkreten Fall, bei dem Sie den „passenden Schlüssel“ gefunden haben?

Ja, mit einem Kind hatte ich ein ganz schönes Erlebnis. Die Mama des Jungen konnte ihn nur bis zur Tram begleiten, ich habe ihn dann immer vom Hauptbahnhof abgeholt und hierher gebracht. Jedes Mal hat er sich beschwert, dass er keine Lust auf den Kurs habe. Zum Schluss aber, als das Training zu Ende ging, war es ausgerechnet er, der sagte: „Ich möchte weitermachen! Warum treffen wir uns nicht mehr?“

Wie sieht es derzeit aus? Gibt es Anfragen nach weiteren Kursen?

Der Bedarf und das Interesse sind groß. Ich wurde auch in diesem Jahr schon mehrmals angesprochen.

Sind neue Kurse geplant?

Nein, momentan fehlen uns leider die finanziellen Mittel. Wir müssen abwarten, wie gut die Aktion „Pizza sociale“ in diesem Jahr läuft.

Wird das Angebot gegebenenfalls wieder so aussehen wie bisher oder haben Sie ein neues Konzept?

Im Groben stellt das bisherige Konzept die Basis dar. Bedarf und Interesse bestehen und es ist unser Wunsch, die Aktion fortzusetzen. Die Feinheiten können sich aber noch ändern. Wir machen uns Gedanken, damit wir die Bedürfnisse der Teilnehmer einbeziehen können.

Haben Sie weitere Ideen?

Ich würde gerne ganze Familien einladen und mit der Familie als System arbeiten. Die ganze Familie braucht Hilfe, nicht nur die Kinder! Wenn „Pizza sociale“ 2008 erfolgreich ist, können wir das vielleicht auch starten.

Interview von Claudia Wagner und Axel Malinek

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