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Interview mit Ekkehard Mutschler

Vorsitzender des Deutschen Kinderschutzbundes Landesverband Bayern

Der Kinderschutzbund (KSB) bietet bereits das Kursangebot „Starke Eltern – Starke Kinder“. Warum jetzt noch das Angebot der Medienkompetenzkurse?

Das Kursangebot „Starke Eltern – Starke Kinder“ geht mehr in die allgemein pädagogische Erziehung. Hilfe für die Eltern. Medien müssen speziell vermittelt werden. Die Vielfalt der Medien ist neu auf die Eltern zugekommen. Da ist etwas über uns hereingebrochen, was wir uns vor 20 Jahren noch überhaupt nicht vorstellen konnten. Kinder und Jugendliche beherrschen die Medien technisch perfekt. Aber was sie nicht können, ist mit der Masse der Inhalte und den Informationen umzugehen. Sie brauchen die Unterstützung der Erwachsenen. Bloß, wenn die Erwachsenen es selber nicht können, wie sollen sie es dann an die Kinder weitergeben?

Was ist gefährlicher, Internet, Fernsehen oder Handy?

Es gibt keine hauptsächlichen Gefahrenquellen. Kinder müssen lernen, mit den Gefahren umzugehen. Die Gefahren dort sind genauso groß wie im Straßenverkehr. Es gibt Gefahren beim Handy, es gibt sie im Internet, beim Fernsehen und genauso beim Kino.

Die Kinder und Jugendlichen nutzen aber doch überwiegend das Internet als Medium?

Das Internet ist für die Jugendlichen etwas Selbstständiges geworden. Wenn Sie heute einem Kind den Zugang zum Netz verwehren, ist das so, als wenn Sie vor 20 Jahren einem Kind Hausarrest gegeben hätten. Die Kinder und Jugendlichen haben ihre festen Freunde im Netz. Man kann da nicht immer von Gefahren sprechen.
 
 Radikale politische Gruppierungen nutzen das Internet für ihre Zwecke. Vom bayerischen Innenminister Hermann sind Gegenmaßnahmen angekündigt worden.
 
 Mit ordnungspolitischen Maßnahmen kann man relativ wenig ändern. Wir sehen das gerade bei dem zunehmenden Rechtsradikalismus. Das ist ein gesamtgesellschaftliches Problem. Wir müssen den Kindern wirklich zeigen, was unter den Nationalsozialisten passiert ist.
 

Immer häufiger gibt es Fälle von Online-Mobbing, also Bloßstellungen übers Netz. Der Kinderschutzbund arbeitet auch mit dem Landeskriminalamt (LKA) eng zusammen. Vielen Jugendlichen sind die strafrechtliche Relevanz und die Folgen ihres Handelns gar nicht bewusst. Wie sieht die Zusammenarbeit mit dem LKA aus, und wie lässt sich hier besser aufklären?

Es gibt Grenzen. Auch Kinder müssen das lernen. Gerade was das Online-Mobbing betrifft. Den Kindern und den Erwachsenen müssen die Folgen klar sein. Was da im Netz abgeht, ist strafrechtlich relevant. Eltern müssen ihre Kinder in der Erziehung entsprechend darauf hinweisen.

Vor kurzem gab es eine Entscheidung vom Oberlandesgericht München, wonach Eltern ihre Kinder nicht ständig im Netz überwachen müssen. Laut den Richtern können Strafrechts- und Urheberrechtsfragen nicht von den Eltern beurteilt werden. Ist das nicht kontraproduktiv?

Nein. Die Eltern können Kinder auch nicht ständig begleiten. Wenn sie über die Straße gehen oder in der Stadt spazieren gehen. Auch Kinder haben eine gewisse Verantwortung. Aber die Eltern müssen ihren Kindern auch vertrauen können. Das ist eine gegenseitige Basis, die aufgebaut werden muss.

Bei einem Medium wie dem Internet macht der Kinder- und Jugendschutz nicht Halt vor deutschen Grenzen. Gibt es Bestrebungen auf europäischer Ebene?

Das ganz große Problem im Netz sind die im Ausland gehosteten Seiten. Auf die haben wir keinen rechtlichen Einfluss. Deswegen ist es schon seit langem eine Forderung des Kinderschutzbundes und anderer Organisationen, dass Seiten, die nicht dem deutschen Recht entsprechen, von den Providern herausgefiltert werden müssen. Beispielsweise dass pornografische Seiten nur mit einer Altersverifikation aufgerufen werden können. Das ist technisch möglich, aber politisch noch nicht durchsetzbar.

Ihre Bemühungen für den Jugendschutz gibt es nicht umsonst. Wie erfolgt die Finanzierung des Kinderschutzbundes?

Ein Großteil der finanziellen Unterstützung kommt von klicksafe.de, das sind EU-Mittel. Vom bayerischen Kulturfonds aus dem Kultusministerium, der uns sehr stark unterstützt, kommen Gelder. Dann kriegen wir natürlich auch Unterstützung über Dachorganisationen, wie zum Beispiel dem Bundesverband der interaktiven Unterhaltungsindustrie und von Privatpersonen.


 
 Das Interview führten Stefan Weigl und Marion Dondelinger.