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Interview mit Petra Pfeiffelmann

Medienkompetenzkursleiterin des Deutschen Kinderschutzbundes Landesverband Bayern

Frau Pfeiffelmann, wie sind Sie auf die Medienkompetenzkurse des Kinderschutzbundes (KSB) aufmerksam geworden?

Der Landesverband Bayern hat die Fortbildung zur Medienkompetenzkursleitung für alle Kreisverbände ausgeschrieben. Daraufhin habe ich mich angemeldet.

Was waren Ihre Gründe für eine Kursteilnahme?

Zum einen, weil das Thema hochaktuell ist. Zum anderen, weil es immer wichtiger wird, Eltern in Medienkompetenz zu schulen. Viele Eltern sind unsicher, da sie sich mit PCSpielen und dem Internet nicht auskennen. Durch die Kurse bekommen sie Unterstützung und können dadurch ihre Kinder im Umgang mit den neuen Medien begleiten.

Was hat Sie anschließend dazu bewogen, diese Kurse zu leiten?

Weil es Spaß macht. Ich leite gerne Kurse. Es ist immer wieder interessant mit Menschen zusammen zu arbeiten, zu hören, wo sie Unterstützung brauchen, wo man ihnen Anleitungen an die Hand geben kann. Das ist sehr spannend und macht mir einfach Freude.

Waren dafür bestimmte Qualifikationen nötig?

Ja, man muss einen pädagogischen Beruf haben, also Erzieherin oder Sozialpädagogin sein. Voraussetzung für die Kursleitung ist, dass man zuvor als Elternkursleiterin oder Elternkursleiter tätig war. Das Prinzip des „anleitenden Erziehungsstils“ aus dem Kurs „Starke Eltern – Starke Kinder“ soll auch im Medienkompetenzkurs gelten. Das bedeutet, dass Eltern ihre Rolle und Verantwortung als Erziehende wahrnehmen und ihre Kinder anleiten und begleiten – in diesem Fall im Umgang mit Medien.

Wie sieht die Kursleiterausbildung aus?

An zwei Wochenenden werden alle Themen, die der Kurs beinhaltet, ausführlich vorgestellt und behandelt. Man hat die Gelegenheit vieles auszuprobieren, zum Beispiel Computerspiele und Handyfunktionen zu testen oder ins Internet zu gehen – einfach, um zu üben und einen Einblick in die Materie zu bekommen. Darüber hinaus werden der jugendschutzrechtliche Hintergrund zu den Medien und Hintergrundwissen zu Medienerziehung und Medienpädagogik vermittelt sowie Forschungsergebnisse zur Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen gezeigt.

Zurück zu den Medienkompetenzkursen. Welche Schwerpunkte werden dort behandelt?

Es geht um die Schwerpunkte Fernsehen, Internet, PC-Spiele und Handy. Beim Fernsehen geht es darum, hinzuschauen, warum Kinder manche Sendungen besonders gerne ansehen. Was gefällt Kindern zum Beispiel an „Spongebob“ so gut? Im Prinzip ist diese Figur Blödsinn. Für Erwachsene ist oft nicht nachvollziehbar, warum Kinder bestimmte Helden gut finden oder was sie mit ihnen verbinden. Um Anknüpfungspunkte zu bekommen, führen wir Eltern an ihre eigenen Kindheitserinnerungen heran. Wir fragen sie zum Beispiel, an welche Helden sie sich erinnern und wie ihre Eltern darauf reagiert haben.
 
 Beim Thema Internet geht es darum, die Vor- und Nachteile aufzuzeigen. Wie kann ich die Kinder hinsichtlich der Gefahren des Internets aufklären? Das ist ähnlich wie im Straßenverkehr, da lasse ich mein Kind anfangs auch nicht alleine losgehen, sondern übe mit ihm. Kinder brauchen Hilfestellungen und Anregungen. Zum Beispiel: Welche Seiten sind gut, wie komme ich da hin? Für die Eltern ist es wichtig, etwas über die Möglichkeiten der technischen Einstellungen zu erfahren, damit Kinder nicht auf Internetseiten geraten, die nicht für sie gemacht sind.
 
 Bei den Computerspielen geht es darum, herauszufinden, welche verschiedenen Genres es gibt. Durch die Medien ist der Eindruck entstanden, dass nur Ballerspiele auf dem Markt sind. Es existieren jedoch verschiedenartige Spielgenres mit unterschiedlichen Anforderungen. Auch hier gilt es zu überlegen, wie man Kinder am besten an die geeigneten Spiele heranführt. Eltern sollten beobachten, welche Spiele die Kinder spielen. Sie sollten prüfen, ob diese Spiele dem Alter ihres Kindes entsprechen und welches Zeitlimit für welches Spiel angemessen ist.
 
 Beim Handy geht es darum, die verschiedenen Funktionen auszutesten. Ich denke, die meisten Eltern nutzen das Handy als reines Kommunikationsmittel und kennen viele Funktionen nicht. Es wird deshalb gezeigt, was das Handy alles kann und wie es dazu kommen kann, dass zum Beispiel gewalttätige Videoszenen an Schulen auf den Handys der Kinder oder auf Internetportalen wie „YouTube“ kursieren.
 

Welche Eltern kommen in Ihre Kurse und wie alt sind deren Kinder?

Die meisten Eltern kommen aus der Mittelschicht. Sie kommen, weil sie sich für das Thema interessieren und Aufklärungsbedarf haben. Die Kinder sind unterschiedlich alt.

Mit welchen Fragen von Seiten der Eltern werden Sie konfrontiert?

Häufige Fragen sind: Wie kann ich es schaffen, dass mir meine Kinder glauben, was ich sage? Wie kann ich Verbote aushandeln? Es gibt auch Fragen zu bestimmten Anime-Figuren: Die sehen für mich so scheußlich aus, aber meine Kinder finden die total attraktiv. Warum ist das so?

Welche Voraussetzungen sind für einen erfolgreichen Medienkompetenzkurs notwendig?

Dass die Eltern Gelegenheit haben, sich in den Kursen untereinander auszutauschen und sehen, wie andere Eltern mit Medienerziehung umgehen. Eltern sollen sich Anregungen für den eigenen familiären Medienalltag holen.

Was liegt Ihnen bei den Kursen am meisten am Herzen?

Wichtig ist, nicht nur auf die Gefahren der Medien hinzuweisen, sondern alle Facetten des Themas zu beleuchten. Das bedeutet, nicht nur auf den schlimmen Sachen herumzureiten, wie zum Beispiel dem Suchtpotential von Computerspielen und Internet, sondern auch die positiven Seiten aufzuzeigen. Computerspiele können Spaß machen und entspannen. Das Internet kann als Informationsquelle zu den unterschiedlichsten Themen des täglichen Lebens genutzt werden. Außerdem bietet sich die Möglichkeit, mit Freunden in Kontakt zu bleiben oder mit anderen Menschen Kontakt aufzunehmen.


 
 Dieses Interview führten Bernd Niklas Stingl und Nadia Zakaryan.