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Interview mit Alexandra Klauck

Fachberaterin Medienkompetenzkurse des Deutschen Kinderschutzbundes Landesverband Bayern

Der Landesverband Bayern des Kinderschutzbundes (KSB) bietet seit dem Frühjahr 2008 Medienkompetenzkurse für Eltern an. Wie kam es zu dieser Idee?

Durch die Brisanz des Themas in der Öffentlichkeit, aber auch durch Fragen der Eltern in unseren Kursen „Starke Eltern – Starke Kinder“. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Eltern im familiären Alltag im Umgang mit den Medien häufig unsicher sind und deshalb Hilfe und Unterstützung brauchen.

Das Konzept für die Medienkompetenzkurse wurde in Zusammenarbeit mit dem Kooperationspartner klicksafe.de entwickelt. Gab es Konzepte anderer Anbieter, an denen Sie sich orientiert haben?

Soweit ich weiß, gibt es keine vergleichbaren Kurse zu diesem Thema. Es gibt viele Angebote mit unterschiedlichen Inhalten, aber einen Elternkurs zum Thema „Medien“ gibt oder gab es in dieser Form noch nicht.

Können Sie kurz den Aufbau des Kurses skizzieren?

Ja, an vier Abenden werden die Themen: „Fernsehen, Internet, Computerspiele und Handy“ behandelt. Das Besondere an unseren Kursen ist, dass wir keine Regeln in Bezug auf den Umgang mit Medien vorgeben, sondern die Eltern selbst erarbeiten, was ihnen sinnvoll erscheint. Auf diese Weise fällt es ihnen leichter, Regeln anzunehmen und umzusetzen. Wichtig ist unter anderem die gemeinsame Diskussion. Die Eltern tauschen sich aus, wie sie in der Familie mit dem Thema „Medien“ umgehen. Schwerpunkt ist also die Reflexion des eigenen Verhaltens und nicht nur die bloße Weitergabe von Informationen.

Wie erfahren interessierte Eltern von den Kursen?

Das ist ganz unterschiedlich. Zum einen über unsere Homepage und zum anderen über die regionale Presse. Darüber hinaus werden die Kurse von Kindergärten und Schulen ausgeschrieben. Eltern haben dann die Möglichkeit, sich anzumelden. Die Kurse werden beispielsweise auch in Programmheften von Familienbildungsstätten veröffentlicht. Auch die Medienkompetenzkursleitungen vor Ort sprechen Institutionen an, die Interesse an dem Kurs haben könnten.

Wie erreichen Sie Eltern, die noch kein Bewusstsein für das Thema entwickelt haben?

Zunächst über öffentliche Institutionen wie Kindergärten oder Schulen. Ganz wichtig ist in diesem Zusammenhang auch Mundpropaganda. Damit waren wir schon bei den Elternkursen „Starke Eltern – Starke Kinder“ erfolgreich.

Wer genau kann Kursleiter werden?

Die Schulung zur Medienkompetenzkursleitung baut als weiterbildende Maßnahme auf der Elternkursleitung auf. Grundvoraussetzung dafür ist eine pädagogische Ausbildung. Da das Interesse an der Trainerausbildung sehr groß ist, werden wir dieses Jahr weitere Schulungen anbieten.

Sollen die Medienkompetenzkurse bundesweit durchgeführt werden?

Wir, der Landesverband Bayern, sind vom Bundesverband beauftragt, das Projekt in allen Bundesländern durchzuführen. Es wird natürlich eine Weile dauern, bis genügend Kursleitungen geschult sind. Bisher haben wir in jedem Bundesland eine bestimmte Anzahl an Elternkursleitungen, auf die wir zurückgreifen können.
 
 Es ist unsere Wunschvorstellung, die Kurse möglichst schnell flächendeckend einzuführen. Dieses Jahr starten wir in Hessen, Sachsen-Anhalt und Sachsen. Danach wollen wir jedes Jahr vier zusätzliche Bundesländer ins Boot holen, bis die Kurse in allen Bundesländern stattfinden.
 

Wie sieht die Finanzierung des Projektes aus? Haben Sie schon genügend Kooperationspartner?

Wir sind ständig auf der Suche nach neuen Kooperationspartnern. Derzeit arbeiten wir eng mit klicksafe.de zusammen, die uns auch weiterhin bei den Trainerschulungen unterstützen. Darüber hinaus finanzieren wir das bayernweite Projekt mit Geldern aus dem bayerischen Kulturfonds.
 
 Für das bundesweite Projekt haben wir uns an die Wirtschaft gewandt. Seit diesem Jahr erhalten wir unter anderem Unterstützung vom Bundesverband für interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) und vom Informationszentrum Mobilfunk (IZFM).
 

Medienkompetenz wird oft mit Medienkritik gleichgesetzt. Was sagen Sie dazu?

Medien sind aus unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Wir können Kinder und Jugendliche davon nicht mehr ausschließen, zumal es viele positive Seiten gibt, die sie nutzen können. Demgegenüber stehen die damit verbundenen Gefahren und Risiken. Man kann Kinder und Jugendliche aber nicht davor schützen, indem man ihnen den Zugang verwehrt. Es geht vielmehr darum, dass sie lernen, die Inhalte kritisch wahrzunehmen.


 
 Das Interview führten Marion Dondelinger und Rudolf Schmid.