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Interview mit John Oliver Haugg

Kursteilnehmer und Mitarbeiter des Deutschen Kinderschutzbundes Landesverband Bayern

Der 42-jährige Sozialpädagoge ist Trainer in der Erwachsenenbildung und zuständig für den Fachbereich „Begleiteter Umgang“ beim Deutschen Kinderschutzbund Landesverband Bayern. Er lebt in Poing bei München. Seine Tochter ist 13 Jahre alt. Er hat bereits an einem Medienkompetenztraining des Kinderschutzbundes (KSB) teilgenommen.

Herr Haugg, Ihre Tochter ist 13 Jahre alt. Welche Medien benutzt sie?

Sie nutzt gerne das Internet und besucht dort oft die Lokalisten, das Freundesnetzwerk. Dort chattet sie mit ihren Freundinnen und Freunden. Sie hat ein Handy. Wenn meine Tochter Freunde mitbringt, lass ich sie manchmal mit meinem Beamer eine DVD auf der Leinwand ansehen.

Durch wen hat Ihr Kind Zugang zu diesen Medien?

Meine Tochter darf meinen privaten PC mitbenutzen. Sie kann in einem Nebenraum Fernsehen schauen, hat aber keinen eigenen Apparat in ihrem Zimmer. In der Schule wird teilweise mit dem PC gearbeitet. Bei Freunden geht sie auch ins Netz.

Regeln Sie den Zugang?

Wir sprechen den Zugang zum PC ab. So weiß ich ganz gut, wie lange sie im Netz ist. Ich bin nicht immer dabei. Sie hat die Freiheit, überall im Netz unterwegs zu sein. Ich verbiete ihr nichts. Ich weiß aber, was sie ungefähr tut, weil wir einen guten Kontakt haben und sie auch von sich aus davon erzählt. Insofern habe ich den Eindruck, ich muss nicht sehr kontrollieren.
 
 Wir sprechen immer recht bewusst über ihre Erlebnisse. Wenn sie mir eine Internetseite zeigen will, die nicht so toll ist, nehme ich mir Zeit, mit ihr darüber zu sprechen. Dann sage ich nicht: „Um Gottes Willen, was ist denn das?“ Wir unterhalten uns darüber. Ich frage sie, was sie davon hält und sage, dass ich die Seite nicht toll finde. Dann stimmt sie mir zu.
 

Welche Rolle spielt nach Ihrer Erfahrung das Alter, wenn es um die nötige Begleitung der Kinder im Umgang mit PC und Internet geht?

Meine Tochter ist jetzt in der Pubertät. Da ist es mir wichtig, dass sie sich eine eigene Meinung bildet und zu entscheiden lernt. Dafür braucht sie ihren Freiraum. Aber ich will wissen, was so läuft. Sie kann mir heute vieles erklären. Mit vielen Anwendungen sind die Kinder besser vertraut als wir Eltern, etwa mit der Internetsprache. Zum Beispiel hat sie mir ein Profil, bei den Lokalisten eingerichtet. Das macht dann auch mir Spaß.
 
 Als sie im Kindergartenalter war, habe ich sie mehr begleitet. Damals hat sie noch die Anleitung gebraucht. Anhand von Computerlernspielen, die ich für sinnvoll halte, etwa „Löwenzahn“, habe ich ihr gezeigt, wie man eine Maus bedient.
 

Wo sehen Sie als Vater im Alltag allgemein Gefahren durch die neuen Medien?

Es ist für mich überraschend, welche Internetseiten unter den Kindern weitergeben werden können. Die Schwelle, dass Kinder und Jugendliche an solche Seiten herankommen, ist niedriger geworden. Früher kamen Kinder durch einen Seitenaufruf nicht so leicht zu derartigem Bildmaterial. Der Spot („Klaus“) von klicksafe.de, der auch im Kurs gezeigt wird, gibt die Gefahren gut wieder.
 
 Meine Tochter kam einmal mit einer sexistischen Seite mit Bildern, wo auch Namen eingeben werden konnten, die mit Schimpfworten verbunden werden können. Sie sucht so was nicht von sich aus, weil sie es nicht darf, sondern kommt eher zufällig darauf oder bekommt so einen Link in der Schule von Freunden. So etwas läuft in unserer heutigen Zeit. Deshalb ist es mir wichtig, bei meiner Tochter den bewussten Umgang mit Medien dadurch zu fördern, dass man darüber spricht und das nicht nur ablehnt oder verbietet.
 

… und bei anderen Eltern und Kindern?

Ich sehe das Problem, dass die Kinder beim Spielen im Internet am PC regelrecht versinken. Und dass das so viel Raum einnimmt, dass die Schule und die Beziehungen leiden. Es war erschreckend, im Kurs zu hören, wie sehr Kinder und Jugendliche bei interaktiven Computerspielen regelrecht in einen Loyalitätskonflikt kommen, wenn sie sich entscheiden, auszuschalten oder abzubrechen. Man kann da manchmal nicht aufhören, ohne das Spiel der anderen zu unterbrechen, zu beeinträchtigen oder Spielverderber zu sein.

Wo bräuchten Sie für Ihre Erziehungsarbeit Hilfe von anderer Seite?

Spamfilter finde ich gut. Individuelle Filter reichen aber nicht. Viele Eltern sind hilflos, wie sie die auf ihrem PC installieren sollen. Hier fehlt ein allgemeiner Filter, etwa gegen Kinderpornografie, wie es ihn in Skandinavien gibt.
 
 Wichtig ist es für Eltern eine Stelle zu haben, wo man sich melden kann, wenn man Fragen hat oder eine Gefahr sieht, wie es im Kurs vermittelt wird.
 Eine Gefahr sehe ich auch bei Handys: Hilfreich wären Flatrates der Netzanbieter mit Begrenzungen, eine Art Kindertarif als Schutz vor Schulden. Außerdem sollte gewährleistet sein, dass Kinder immer einen Notruf an die Eltern „frei“ haben.
 

Was ist für Sie an den Kursen des Kinderschutzbundes besonders hilfreich?

Gut gefallen hat mir, dass man nicht belehrt wird, was richtig und falsch ist. Die Eltern wurden aufgefordert, sich Gedanken zu machen, was sie früher toll gefunden haben. Der Austausch unter den Eltern wird angestoßen: Wie machen wir es? Wie machen die es? Man bekommt viele Anregungen, auch Bestätigung, was man gut macht oder wie man es besser machen kann. Man sieht, dass es keine Patentrezepte gibt. Gut ist die Orientierungshilfe durch die Leitung der Kurse, wenn Eltern persönlich keine Lösung finden.

Waren die Inhalte für die Altersgruppe Ihrer Tochter angemessen?

Der Internetteil war für mich besonders hilfreich und sehr praxisnah. Wir haben im Internet ausprobiert, wie man einen Zugang bekommt, wie Profile in Freundesnetzwerken aussehen. Und welche Gefahren da sind: Wie man Informationen bekommt, welche Informationen über die Kinder im Netz stehen. Und was Kinder überhaupt im Netz schreiben. Ich kann den Kurs rundum weiterempfehlen.

Erreichen die Kurse die Eltern, die es besonders nötig hätten?

Mehr Eltern erreicht man sicher, wenn der Kurs gezielt im Kindergarten oder über die Schule angeboten wird.

Wird der Kurs Ihr Verhalten ändern?

Ja, ich werde bewusster hinschauen und mit meiner Tochter darüber reden, was sie über das Internet in der Schule, im Freundeskreis noch so mitbekommt. Ich will mit ihr auch noch mal besprechen, dass sie im Internet vorsichtig ist, ihre Daten und Bilder zu hinterlegen und diese vor allem Fremden nicht zugänglich zu machen.

Wie lautet Ihr abschließendes Urteil zu den Medienkompetenzkursen?

Es ist gut, dass durch den Kurs Orientierungshilfen vermittelt werden und dabei kein richtiges oder falsches Verhalten vorgegeben wird. Gerade diese Haltung hilft Eltern im Umgang mit ihren Kindern.


 
 
 Das Interview führte Susann Mayer-Höcht.