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„Einen Tag mal wieder lachen“

Mit kreativen Angeboten hilft die Nicolaidis Stiftung Halb- und Vollwaisen, mit ihrer Trauer umzugehen und wieder Freude am Leben zu erfahren
 
 „Kurz

  • Kritisch
  • Komisch“: Unter diesem Motto veranstaltet die Nicolaidis Stiftung im März dieses Jahres erstmals ein bundesweites Kurzfilmprojekt für Halb- und Vollwaisen zwischen 12 und 18 Jahren. Initiatorin des Wettbewerbs ist Stiftungs-Gründerin und Geschäftsführerin Martina Münch-Nicolaidis. Sie will den Kindern und Jugendlichen damit Gelegenheit geben, „in einem kreativen Umfeld Phantasiewelten aufzubauen, außergewöhnliche Erfahrungen zu sammeln und im Kontakt mit den anderen Teilnehmern das Gefühl zu erleben: Ich bin nicht allein“.
     

Wie kamen Sie auf die Idee, ein Kurzfilmprojekt ins Leben zu rufen?
 
 Wir arbeiten mit Jugendlichen generell gerne im kreativen Bereich. Damit haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht. Das Medium Film bietet viele Lernpotenziale: Wie filme ich? Wie schreibe ich ein Drehbuch? Was kann ich mit Musik im Film erreichen? Es ist ein spannendes Sammelsurium von kreativen Ansätzen.
 
 Durch das Projekt geben wir den Teilnehmern Selbstvertrauen: Weil wir ihnen einiges zutrauen, sie ausprobieren lassen, aber keine zu hohen Anforderungen stellen. Denn oft ist es bei den Jugendlichen so, dass sie nach dem Tod eines Elternteils eine große Verantwortung innerhalb der Familie übernehmen. Sie fühlen sich dadurch überfordert, können das aber nicht gezielt äußern. Durch den kreativen Ansatz schaffen wir es, dass sie wieder einen Bezug zu sich selbst aufbauen. Wir lassen sie wieder ein Stück weit Kind sein.
 
 Filme sind Fantasiewelten, die den Jugendlichen die Möglichkeit geben, auch mal abzuschalten. Kontakte zu anderen Jugendlichen mit den gleichen Erfahrungen und zu Jugendleitern zu sammeln ist ebenfalls ein wichtiger Aspekt.
 
 
 Das Thema für die Beiträge lautet „Kontraste“. Was steckt dahinter?
 
 Im Motto des Projektes „Kurz

  • Kritisch
  • Komisch“ bilden die Begriffe „kritisch – komisch“ bereits einen Kontrast: Man kann etwas kritisch, aber auch gleichzeitig komisch darstellen. Kontraste begleiten unsere Arbeit kontinuierlich: Wir erleben die Schwere der Trauer, aber auch die Fröhlichkeit, die sich – zum Glück – trotz allem immer wieder Bahn bricht. Die konkreten Inhalte der Filme erarbeiten die Jugendlichen in den Workshops mit den Coaches selbst. Sie müssen nicht mit Tod und Trauer zu tun haben – erlaubt ist alles, was die jungen Teilnehmer bewegt, gerne auch fröhliche Themen!
     
     
     Lachende Kinder auf der Homepage der Stiftung, viele Spaß-, Erlebnis- und Actionveranstaltungen – auf den ersten Blick steht dies im Widerspruch zum Thema Trauer. Oder ist es Absicht?
     
     Ich halte nicht viel davon, mit traurigen Kinderbildern zu arbeiten. Sie sind nicht immer traurig – das sind Momentaufnahmen. Was die Kinder selbst wollen, ist ein normales Leben. Der Schmerz ist da, aber jeder braucht dazu einen Ausgleich, zum Beispiel durch Humor. Das heißt nicht, etwas zu verdrängen, sondern dem Schmerz etwas Lebensbejahendes entgegenzusetzen. Wir wollen vermitteln: Das eigene Leben hört nicht auf.
     
     
     Wird das Thema „Verlust“ im Rahmen ihrer Veranstaltungen offen thematisiert oder stehen Spaß und Erleben im Vordergrund?
     
     Generell möchten wir bei unseren Veranstaltungen einen geschützten Rahmen schaffen, der es den Kindern und Jugendlichen ermöglicht, sich kennenzulernen und sich auszutauschen. Unsere Jugendleiter sind speziell ausgebildet und stehen, wenn die Teilnehmer es möchten, für Gespräche zur Verfügung. Aber niemand muss etwas erzählen, wenn er das nicht möchte. Allein die Erfahrung, dass es andere gibt, die ähnliches erlebt haben, kann sehr hilfreich sein. Und natürlich, es ist uns sehr wichtig, dass die Kinder Spaß und Freude haben. Wir wollen sie ja in ihren verschiedenen Bedürfnissen ernst nehmen!
     
     
     Tod und Trauer – Bereiche, in denen es viele Berührungsängste gibt. Was tun Sie, um diese abzubauen?
     
     Uns ist wichtig, dass die Events Spaß machen. Um sich mit einem Thema auseinander zu setzen, muss man erst einmal Barrieren abbauen. Wir schaffen bei unseren öffentlichen Projekten einen attraktiven Rahmen, damit die Besucher sich wohl fühlen. Die Events müssen Spaß machen. Damit erhalten wir immer ein gutes Feedback. Das Thema betrifft mehr Leute als gedacht. Wie sehr Kinder aber unter dem Tod eines oder beider Elternteile leiden, ist in der Gesellschaft noch nicht präsent. Dies gilt es zu ändern.
     
     
     Sie bieten Kindern und Jugendlichen Rat, Hilfe und neue Perspektiven. Was können Sie von den Kindern lernen?
     
     Die Arbeit mit den Kindern ist mein Herzblut. Sie tragen mich durch die schweren Zeiten, in denen es nicht so gut läuft. Sie geben mir Kraft. Die Kinder leben im Hier und Jetzt: Sie können jetzt unheimlich traurig sein und sich im nächsten Moment über etwas freuen. Sie holen sich das Leben immer wieder ein Stück weit zurück, das können sie viel besser als wir Erwachsene. Die Kinder haben auch den Antrieb, das Thema nach außen zu tragen, sie sind sehr aktiv. Aber auch die Arbeit mit Erwachsenen berührt mich immer wieder, wenn ich sehe, dass die Betroffenen langsam Fuß fassen und wieder positive Dinge sehen können.
     
     
     Sie haben 2007 und 2008 bereits das Projekt „Digitales Geschichtenerzählen“ realisiert. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Apple?
     
     Apple engagiert sich schon sehr lange im Bereich Education. Die Zusammenarbeit kam durch den persönlichen Kontakt zu einem Apple- Mitarbeiter zustande, der meine Arbeit privat kannte und unterstützte. Imponiert hat Apple sicherlich auch unsere solide unternehmerische Herangehensweise an unterschiedliche Projekte. Das Unternehmen unterstützt uns und arbeitet dabei viel im Hintergrund.
     
     
     Wo sehen sie das Kurzfilmprojekt in ein paar Jahren?
     
     Unser Ziel ist es, das Projekt langfristig wachsen zu lassen und von Jahr zu Jahr auszubauen. Es ist eine wunderbare Möglichkeit, mit Kindern und vor allem Jugendlichen ins Gespräch zu kommen und sie zu motivieren. Vor Jahren hat mir ein Jugendleiter einmal die Frage gestellt: „Was erwarten Sie eigentlich von der Arbeit mit Jugendlichen?“ Diese Frage fand ich sehr gut – man wird so auf die Basis zurückgeworfen. Meine Antwort war: „Ich möchte es schaffen, dass die Jugendlichen einen Tag mal wieder lachen.“
     
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