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Zehn Jahre Münchner Mediengespräche – Ein Interview mit Gabriele Hooffacker

Welche Idee stand vor zehn Jahren bei der Gründung der Münchner Mediengespräche Pate?

Gabriele Hooffacker: München ist ein zentraler Medienstandort mit einer Menge Medienevents, auf denen sich die Branche gern selbst feiert. Ich wollte kein Stichwortgeber für Selbstdarstellungen sein, sondern einen Rahmen schaffen, in dem Medienfragen aus der Sicht der Mediennutzer beleuchtet und für sie transparent gemacht werden. Zu Wort kamen von Anfang an Experten und Kollegen aus den Medien.

Um welche Themen geht es Ihnen schwerpunktmäßig?

Gabriele Hooffacker: Ein Schwerpunkt ist die Journalistenausbildung, ein zweiter ist die Berücksichtigung der verschiedenen Medien. Drittens ziehen sich bestimmte Themen durch die Mediengespräche. Eines davon ist der Umgang der Medien mit dem Rechtsextremismus.

Wie schätzen Sie als Online-Spezialistin die Strategien der „Neuen Rechten“ im Internet ein?

Gabriele Hooffacker: Diese Strategien sind gar nicht so sehr internettypisch, sie spiegeln sich in allen Medien wieder: Die „Neuen Rechten“ versuchen, die Medien für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. In Bezug auf das Internet gibt es den wesentlichen Unterschied, dass die „Neuen Rechten“ das Netz nicht nur für ihre Medien-, sondern auch direkt für ihre Öffentlichkeitsarbeit nutzen.

Sie begleiten das Thema der „Neuen Rechten“ ja schon sehr lange. Wie ordnen Sie das Thema momentan ein?

Gabriele Hooffacker: Wir befinden uns in einer Wirtschaftskrise, soziale Folgen sind abzusehen. Die Strategiediskussionen der „Neuen Rechten“ zeigen, dass sie ihr Geschichtsbuch gelesen und ihre Drehbücher geschrieben haben. Sie werden sich im Laufe des Wahlkampfes verstärkt mit Positionen zu Wort melden, die man ihnen auf Anhieb gar nicht zuordnen würde: Sie besetzen typisch linke Themen und drehen die dann im richtigen Moment in ihre Richtung. Das lässt sich zurzeit sowohl in Online-Communitys als auch in Wikipedia beobachten.
 Da es jetzt verstärkt auf den Wahlkampf zugeht, wollen wir mit dem Thema der Mediengespräche auch die Kollegen in den Medien warnen: Passt mal auf, dass wir hier nicht Öffentlichkeitsarbeit für die „Neuen Rechten“ machen.
 

Wo sehen Sie die Mediengespräche in zehn Jahren?

Gabriele Hooffacker: Kritisches Begleiten der Medienöffentlichkeit und ihrer Veränderungen ist heute genauso aktuell wie vor zehn Jahren. Durch die zunehmende Medialisierung der Gesellschaft wird die Funktion solcher Mediengespräche eher noch wichtiger. Verbessern wollen wir die Dokumentation. Da könnte ich mir in Zukunft beispielsweise vorstellen, die Gespräche zu streamen oder einen Audiomitschnitt anzubieten.

Von Claudia Stolz