Logo der Münchner Mediengespräche

Digitale Pressemappe zum 40. Münchner Mediengespräch

Pressemitteilung Fachleute Interviews Weitere Informationen Pressefotos Pressespiegel Kontakt Impressum
Logo des FES-Bayernforums
Link zur Website der Stiftung Journalistenakademie Dr. Hooffacker GmbH und Co. KG

Drei Fragen an Robert Andreasch

Sie engagieren sich sehr stark im Kampf gegen die rechte Szene. Aus welchen persönlichen Beweggründen sind Sie zu diesem nicht immer ganz ungefährlichen Engagement und Beruf gekommen?

Robert Andreasch: Mein politisches Engagement gegen die extreme Rechte war immer schon sehr groß. Seit 1992 ist aus diesem Engagement nach und nach ein Beruf geworden. Durch meine Veröffentlichungen, nicht zuletzt über Martin Wiese, habe ich mediales Interesse geweckt und dadurch sehr schnell Kontakte zu verschiedenen Medien auf- und ausgebaut. Ein Überfall von Neonazis in den 90er Jahren, bei dem ich schwer verletzt wurde, hat meinen Beschluss, mich in diesem Bereich zu engagieren, noch verstärkt.

Wo sehen Sie beim Thema Rechtsradikalismus und Internet den größten Handlungsbedarf?

Robert Andreasch: Es muss stärker wahrgenommen werden, wie professionell die rechte Szene im Internet arbeitet. Für alle möglichen Zielgruppen, egal welchen Alters, welcher Interessengruppe und Ausrichtung des Spektrums, ist sowohl legal als auch illegal ein Angebot von Seiten der Rechten vorhanden. Jenseits von Verbotsdebatten und rechtlichen Möglichkeiten muss zunächst einmal diskutiert werden, was eine antirassistische Öffentlichkeit dem Treiben der extremen Rechten im Netz entgegensetzen kann.

Mit Blick auf die Zukunft: Welche neuen Möglichkeiten zeichnen sich ab oder welche Möglichkeiten müsste es geben, um sich gegen die subtile Einflussnahme der „Neuen Rechten“ zur Wehr zu setzen?

Robert Andreasch: Neonazistische Hetze sowie die Teilnahme der extremen Rechten an Online-Communitys und deren Vernetzung im Internet dürfen kein Normalzustand werden. Dafür müssen wir ein Bewusstsein schaffen. Für viele Menschen gelten extrem Rechte allenfalls als politisch missliebig, nicht aber als antidemokratisches Problem.
 Zum anderen wünsche ich mir ein entschiedeneres staatliches Vorgehen gegen Rufmord, Diffamierung und Morddrohungen, die im Internet kursieren und weltweit abrufbar sind. Für so genannte Outings von Journalisten durch die rechte Szene bin ich ein gutes Beispiel: Seit Jahren werde ich auf nicht einmal anonymen neonazistischen Internetseiten diffamiert, Morddrohungen werden formuliert, meine Adresse bekannt gegeben usw. Ich habe mehrmals vergeblich Strafanzeige erstattet; die Staatsanwaltschaft verweist hier gerne auf den Zivilklageweg. Unterstützung gibt es wenig bis gar nicht. Das muss sich zwingend ändern, bereits bestehende Straftatbestände müssen geahndet werden, bevor man über neue Wege und Gesetzesänderungen nachdenkt. Antifaschistisch engagierte Menschen müssen wissen, dass sie geschützt sind und geschützt werden.
 

Von Claudia Stolz