Graphik des alternativen medienpreises

Digitale Pressemappe

Alternativer Medienpreis 2009 – Laudatio Audio/Radio: Ene mene meck und du bist weg

Zum zehnten Mal wird in diesem Jahr der alternative Medienpreis verliehen. Für mich ist das etwas Besonderes. Ich bin dieses Jahr das erste Mal dabei. Da hat die Gewinnerin des Medienpreises in der
 Kategorie Hörfunk deutlich mehr Erfahrung als ich. Ich weiß noch wie das war, als ich meinen ersten längeren Beitrag zusammenzimmerte. Da arbeitete ich bei einer Radioagentur von RTL.
 
 Ich flog nach Riga, und ein Kunde von uns wollte ein Feature von ungefähr einer Viertelstunde Länge haben. Das war vor elf Jahren, da ging das noch hier und da. Ein Kollege sagte mir damals: „Sorge dafür, dass du richtig viel Geräusche mitbringst, damit Kino im Kopf entsteht.“ Kino im Kopf: Für viele bedeutet das, Ein Beitrag muss rumsen und knallen. Dabei machen aber viele Produzenten entscheidende Fehler. Es gibt Geräusche-CDs, und da gibt es oft ein Geräusch, das heißt „Outdoor-Atmo“. Das ist eigentlich nicht mehr als ein lautes Grundrauschen. Das wird immer wieder rangenommen, wenn eine Szene im Freien spielt. Ein guter Tontechniker kann Ihnen sogar sagen, von welcher CD gerade dieses Rauschen kommt, weil es nur ungefähr ein halbes Dutzend davon gibt. Das ist kein Kino im Kopf, das ist wie früher nach dem Sendeschluss im Fernsehen, ein lästiges Geflimmer.
 
 Die Preisträgerin macht es anders. Sie verzichtet auf Geräusche, bis auf eine Stelle. Und trotzdem erzeugt sie Kino im Kopf. Sie benutzt ihre Sprache dazu, sowie eine bedrückende Musik und ein Kind, das Abzählreime aufsagt. Dadurch gelingt es ihr, den Zuhörer in ihren Bann zu ziehen. Ich habe mal gelernt, der Anfang eines Beitrags ist das wichtigste, da muss ein Earcatcher sein. Bei dem Gewinnerbeitrag ist das anders: Da ist der ganze Beitrag ein Earcatcher. Das ist bei diesem Thema auch wichtig, zumal es für einen Sender umgesetzt wurde, in dem viel gesprochen wird.
 
 Es geht um Kindesmisshandlung. Eine Psychologin kommt zu Wort, und ein Kind, das misshandelt wurde und nun in einem Heim lebt. Es ist ein Beitrag für Erwachsene, und doch gelingt es der Autorin, mit der Sprache des
 Kindes zu fesseln. Sie hat sich diesem Thema mit unglaublich viel Mut und Fingerspitzengefühl genähert. Und so ist die Geschichte eines gequälten Kindes entstanden, eines Kindes, das sich seine Familie zurück wünscht – nur anders. Ich wünsche mir mehr solcher Beiträge im Radio, engagiert, spannend, interessant, intelligent. Ich wünsche mir mehr Sender wie WDR 5 oder Bayern 2, die dafür Platz bieten. Und ich wünsche mir mehr Kollegen, die dazu beizutragen versuchen, dass das Radio nicht ausschließlich die größten Hits aller Zeiten, den schnellsten Verkehrsservice, die grellsten Blitzer und die lustigste Comedy abspult.
 
 Je länger ich beim Privatfunk arbeite, desto mehr weiß ich die Qualität des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu schätzen. Darum freue ich mich, dass ich den Medienpreis in der Kategorie Hörfunk einer Kollegin
 übergeben kann, die für den Westdeutschen Rundfunk arbeitet. Der Medienpreis in der Kategorie Hörfunk geht an Monika Hanewinkel.
 
 Marko Schlichting
 
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