Graphik des alternativen medienpreises

Digitale Pressemappe

Laudatio Video Alternativer Medienpreis 2009 – „Ferien im Führerbunker“

Gutes Fernsehen und damit heute vor allem auch gute Videoberichte erzählen Geschichten in bewegten Bildern. Ferien im Führerbunker erzählt die Geschichte von faktisch zum bundesrepublikanischen Alltag gehörenden „Zeltlagern“, in denen sich junge Menschen in der schulfreien Zeit aufhalten. Die Besonderheit der hier beschriebenen Einrichtungen besteht darin, dass sie von rechtsextremen Jugendorganisationen erdacht und veranstaltet werden, die sich bemühen eine möglichst große Ähnlichkeit von Zeltlagern des „Bund deutscher Mädchen“ und der „Hitlerjugend“ zur Zeit des Nationalsozialismus herzustellen.
 
 Es versteht sich von selbst, dass es einem Fernsehteam praktisch unmöglich ist, dort unter normalen Bedingungen zu „drehen“, denn die Veranstalter scheuen die Öffentlichkeit, weil sie wissen, dass sie den Bereich des Legalen und – so ist zu hoffen – gesellschaftlichen akzeptierten längst verlassen haben. Normale „bewegte Bilder“, wie wir sie aus Magazinsendungen, Dokumentationen und Reportagen kennen, lassen sich bei einem solchen Thema demnach kaum produzieren. Die Filmemacher nutzen deshalb eine Technik, die dem Zuschauer aus anderen journalistischen Formaten bekannt ist: Es wird „technisch minderwertiges“ Material eingesetzt, was beim Zuschauer – so lässt sich vermuten – Akzeptanz findet, ihn sogar eine besondere Authentizität vermuten lässt, da hier offensichtlich investigativ gearbeitet wurde. Den gesellschaftspolitisch Interessierten überrascht die grundsätzliche Existenz von rechtsextremen Jugendzeltlagern nicht mehr, hat man doch immer wieder davon gehört, ebenso von diversen perfiden Nachwuchsanwerbemaßnahmen rechtsradikaler Parteien für Aufmärsche und andere Veranstaltungen, wie sie z.B. direkt vor der Nürnberger Haustür – in Gräfenberg – regelmäßig stattfinden und von den dortigen Bürgern mit großer Ausdauer bekämpft werden.
 
 Das überraschende im vorgelegten Beitrag ist zudem, dass Organisatoren der rechtsradikalen Jugendarbeit gezeigt werden, die ansonsten vollkommen unauffällig, gesellschaftlich Akzeptiert aus scheinbar ganz normalen Familien kommen, die mit jedem von uns Tür an Tür wohnen könnten. Fürs Fernsehen grundsätzlich unzureichendes Bildmaterial (detailarm, unscharf und unbewegt) so einzusetzen, dass die Geschichte trotzdem erzählt wird, verlangt ein gutes journalistisches Handwerk: Insbesondere in puncto Text und Bildschnitt, dass bei „Ferien im Führerbunker“ zweifelsfrei Anwendung gefunden hat. Mehr noch, es ist eine Zutat zu erkennen, die im marktabhängigen „Medien-Content“ immer weniger selbstverständlich ist: Herzblut! Das Brennen für ein Thema, das man transportieren will. Die Gefahr ist groß, dass Journalisten hier gegen den Friedrichsschen Grundsatz verstoßen, sich mit keiner noch so guten Sache gemein zu machen, sonder immer dabei zu sein und nicht dazu zu gehören. Aktionen gegen Rechts hochzujubeln ist richtig, aber für Journalisten nicht ausreichend. Rechtsextremismus zu verteufeln ist einfach, saubere Fakten zu liefern, die den Medienrezipienten die Möglichkeit geben, sich selbst ein Urteil zu bilden, wesentlich aufwendiger aber auch effektiver. Die digitale Videotechnik in Kombination mit den unter dem Schlagwort „Web 2.0“ zusammengefassten Technologien ermöglichen es fast jedem Themen zu behandeln und weltweit zugänglich zu machen. Nur sauberes Handwerk schafft jedoch eine realistische Chance aus der Themenvielfalt heraus Gehör zu finden – Ein Videoschnittprogramm kaufen können alle, die 50 Euro zur Verfügung haben, es als journalistisches Werkzeug funktionierend einsetzen vergleichsweise wenige.
 
 Besondere Ankerkennung verdienen die Produzenten von Ferien im Führerbunker aber nicht nur für ihr handwerkliches Können, sondern für die Bereitschaft, das Risiko einzugehen, sich mit einem Thema zu beschäftigen, das Gefahren für sie selbst birgt. Wer heute Photos bei einer rechtsextremen Veranstaltung macht und darüber berichtet, kann das Bild seiner selbst, seinen Namen und seine Adresse schnell auf virtuellen „Abschusslisten“ finden, die auf Servern lagern, die nicht einmal von den Schäubles dieser Republik ausfindig und unschädlich zu machen sind.
 
 Danke für den Mut, das Können und die Leidenschaft ein wichtiges Thema zu einem medialen Thema zu machen und herzlichen Glückwunsch zum Preis!
 
 Malte Burdekat
 
 zurück zur Übersicht
 

Kontakt:
Peter Lokk
Stiftung
Journalistenakademie Dr. Hooffacker
GmbH & Co. KG
Arnulfstr. 111-113
80634 München
Telefon:
+49 89 1675106
Telefax:
+49 89 131406

E-Mail: info@journalistenakademie.de

Weitere Informationen finden Sie unter: www.journalistenakademie.de
www.alternativer-medienpreis.de