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Agnes Streber, Diplom- Ökotrophologin, Familientherapeutin, Bayerische Meisterköchin

Agnes Streber, 1962 in Aichach geboren, ist diplomierte Ökotrophologin, Familientherapeutin und gelernte Köchin aus Leidenschaft. Seit über 20 Jahren beschäftigt sie sich beruflich mit dem Bereich Ernährung. 1999 rief Agnes Streber das Trainingsprogramm KinderLeicht für übergewichtige Kinder ins Leben und leitet es seither erfolgreich. Der ganzheitliche Ansatz beinhaltet Bewegung, Ernährung und eine familientherapeutische Betreuung. KinderLeicht hat 2007 den Präventionspreis bekommen und wurde 2008 bei der BZgA-Studie (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) als erfolgreichstes Programm für Kinder ausgezeichnet, mit dem sie Gewicht reduzieren können.
 
 Da gerade Kinder aus sozial schwachen Familien nicht so leicht den Weg in eine Beratungsstelle finden, suchte Agnes Streber nach neuen Zugangsmöglichkeiten. So kam ihr die Idee, Kinder und Eltern aus sozial benachteiligten Familien über die Schule zu erreichen. Im Sommer 2008 startete Agnes Streber das Projekt DAIDALOS, welches vom Bundesministerium für Gesundheit ausgeschrieben wurde. Das Modellprojekt will die Themen Bewegung und gesundes Essen verstärkt in den Schulen verankern. Im Januar 2010 erscheint ihr Buch „KinderLeicht: Wie Kinder abnehmen und an Lebensfreude gewinnen“.
 
 
 
 Interview mit Agnes Streber:
 

„Wir wollen mit den Kochkursen die Eltern stärken“

DAIDALOS. Was ist das?
 
 DAIDALOS ist ein ganzheitliches Gesundheits-Projekt. Ein Modell-Projekt, mit den Bereichen Bewegung, Ernährung und Stressabbau. Mit diesen drei Bausteinen wird zur Verbesserung der gesundheitsförderlichen Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen beigetragen.
 
 Was ist die Idee die hinter DAIDALOS steckt? Und für wen ist DAIDALOS?
 
 Im Gesundheitsprojekt DAIDALOS engagieren wir uns für die Entwicklung einer gesundheitsförderlichen Schulkultur. Eine gute Schulverpflegung gehört da an erste Stelle. Gut genährte Kinder können sich auch gut konzentrieren. Aus Studien wissen wir, dass Kinder von sozialbenachteiligten Familien stärker von Übergewicht und Bewegungsmangel betroffen sind. Die Zielgruppe von DAIDALOS sind Kinder aus einer Hauptschule im Münchner Norden, einem sozialen Brennpunkt. Wir haben das Setting Schule gewählt, da hier der Zugang zu den Kindern und Jugendlichen aber auch zu den Eltern besonders gut gelingt.
 
 Wieso haben Sie sich für ihr Projekt die Bernays-Hauptschule ausgesucht? Gab es erst die Idee und dann die Schule oder erst die Schule und dann die Idee?
 
 Durch die Ausschreibung des Wettbewerbs „Gesunde Lebensstile und Lebenswelten“ war von Anfang an klar: Das Gesundheitsprojekt wird an einer Hauptschule mit Förderbedarf durchgeführt. Aus Untersuchungen wissen wir, dass Armut auf die Gesundheit von Kindern einen großen Einfluss hat. Frau von Blomberg als Co-Projektleitung ist Schulärztin an der Bernays-Hauptschule und somit gab es schon eine langjährige Kooperation mit dem Schulteam. Das Schulteam der Bernays-Hauptschule ist sehr innovativ und war von Anfang offen für das Gesundheitsprojekt DAIDALOS.
 
 Ganz konkret, was bietet DAIDALOS dort an?
 
 Wir haben als erstes für alle Schüler und Schülerinnen der 5.Klassen ein Bio-Frühstück eingeführt und seit September 2009 gibt es ein Bio-Mittagessen. Erste Erfolge sind schon wahrnehmbar. Die Lehrer berichten, dass die Schüler seit dem Frühstücksangebot konzentrierter sind. Und die Kinder freuen sich über das soziale Miteinander beim Frühstücken und Mittagessen. Dann haben die Schüler und Schülerinnen einen Sinnes-Parcours erlebt und die ersten Klettererfahrungen gemacht. Das Kennenlernen von verschiedenen Sportarten führte bereits dazu, dass sich Kinder in Sportvereinen angemeldet haben und seit dieser Zeit aktiv sind. Seit Schuljahresbeginn wird Sozialtraining zur Gewaltprävention angeboten.
 Die Fortbildung für das Lehrerteam „Bewegter Unterricht“ wurde sehr gut angenommen und die Ergebnisse bereits in den Unterricht integriert. Als nächstes werden wir für die Eltern der Bernays-Hauptschule Ernährungsschulungen mit Kochkurse anbieten.
 
 Und jetzt wollen Sie mit ihrem neuen Projekt verstärkt auch die Eltern einbeziehen?
 
 Unsere Zielgruppen sind Kinder und deren Eltern. Studien zeigen, dass 40 Prozent der Schüler keinen Familientisch mehr erleben. Auf Grund gesellschaftlicher Entwicklung verändert sich unsere Esskultur und damit das Essverhalten und der Gesundheitszustand unserer Kinder. Wir wollen mit Ernährungsschulungen und Kochkursen die Eltern stärken, eine gesunderhaltende Esskultur zu pflegen. Unter Berücksichtigung der eigenen traditionellen Esskultur geht es darum, einfach, gut und günstig zu kochen und gemeinsam zu essen.
 Ein wichtiger Aspekt ist dabei, dass die Kinder in der Schule eine gute Schulverpflegung erleben, sich mit Esskultur auseinandersetzen und ihre Erfahrungen mit nach Hause bringen. Parallel dazu werden die Eltern geschult, um eine Veränderung der Ernährungsgewohnheiten in den Familien zu erreichen.
 
 Es gibt ja an der Schule auch viele Familien mit Migrations-Hintergrund. Wie kann man diese Eltern für die Kochkurse interessieren, ohne dass sie sich bevormundet oder gekränkt fühlen?
 
 An erster Stelle steht da die Wertschätzung der jeweiligen traditionellen Esskultur. Die Ernährungsgewohnheiten wie sie beispielsweise in der Türkei praktiziert werden, sind ziemlich gesund. Der Verbrauch von Obst und Gemüse ist dort weit höher als bei uns. Das verändert sich sehr stark, wenn die Menschen hier her kommen.
 In den Kochkursen werden gemeinsam kostengünstige und leckere Gerichte für die ganze Familie gekocht. Unsere traditionelle und die ausländische Küche können voneinander lernen. Es geht uns bei den Eltern-Kochkursen um die Ausbildung von Eltern zu Ernährungsexperten.
 
 Das heißt sie hoffen auch, dass sich das Wissen über die Eltern vervielfältigt?
 
 Ja, wir wollen, dass das Ernährungswissen wie in einem Schneeballsystem von Familie zu Familie weitergeben wird. Schön wäre, wenn ganz neue Gerichte gekocht werden, vielleicht ein bayerisch-türkisches DAIDALOS – Rezept.
 
 Was strebt DAIDALOS langfristig an?
 
 Unsere DAIDALOS-Vision ist, dass die Bernays-Hauptschule die gesündeste und die beweglichste Hauptschule Deutschlands wird. Das gesunde Schulklima soll von allen, Lehrern, Schülern und Eltern, positiv erlebt werden.
 
 Und DAIDALOS soll über die Bernays-Hauptschule hinaus zum Vorbild werden?
 
 Das DAIDALOS Gesundheitsprojekt ist ein Modell-und Forschungsprojekt. Wir werden über zwei Jahre evaluieren und an Hand der Ergebnisse aufzeigen, welche Maßnahmen zur Verbesserung der physischen und psychischen Gesunderhaltung der Schulkinder beitragen. Vielleicht wird bald an allen Schulen gute Schulverpflegung, bewegte Pause beziehungsweise Unterricht und Lebenskompetenztraining selbstverständlich werden. DAIDALOS ist so ausgerichtet, dass die Maßnahmen, die wir durchführen auch auf andere Hauptschulen übertragbar sind. DAIDALOS möchte eine Leuchtturmfunktion haben. Wir hoffen, dass auch andere Schulen sagen: „Wir wollen auch eine DAIDALOS Schule sein.“