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Isabelle von Blomberg, Kinderärztin, DAIDALOS-Mitinitiatorin

Isabelle von Blomberg, Jahrgang 1962, verheiratet, drei Kinder, hat nach ihrer Krankenpflegeausbildung Erfahrung als Krankenschwester im Kinderhospital in Buenos Aires, Argentinien, und auf einer chirurgischen Intensivstation in München gesammelt. Nach ihrem Medizinstudium und der Facharztausbildung zur Kinderärztin arbeitete sie ein halbes Jahr in Bolivien, baute dort eine Station für Kinder und Frühchen auf und kümmerte sich in einem Ambulanzwagen um Straßenkinder.
 
 2004 kam sie nach München und ist seither als Kinderärztin in der Landeshauptstadt tätig. In der Gesundheitsberatungsstelle Hasenbergl des Referats für Gesundheit und Umwelt arbeitet sie seit 2006. Seit nunmehr zwei Jahren betreut Isabelle von Blomberg als Schulärztin die Kinder der Bernaysschule am Harthof. Die Gesundheit der Kinder in diesen Münchner Stadtteilen liegt ihr sehr am Herzen. Sie hat deshalb als Mitinitiatorin und Assistentin das Gesundheits-Projekt DAIDALOS zusammen mit Agnes Streber ins Leben
 
 
 
 Interview mit Isabelle von Blomberg:
 

„Die Kinder müssen erleben, dass gesund nicht gleich scheußlich schmeckt“

Woher kommt Ihr soziales Engagement?
 
 Es ist immer schwierig, so etwas festzumachen im eigenen Leben. Ein konkretes Ereignis kann ich nicht benennen. Mein Berufswunsch war aber schon immer im medizinischen Bereich angesiedelt, und ich habe mich dann über die Krankenschwesterei zur Medizin durchgehangelt. Ich denke, der Weg über das Pflegerische hat mir einen anderen Aspekt der Medizin eröffnet. Mir ist dadurch der sozialmedizinische Ansatz wichtig geworden. Ich habe im pflegerischen Bereich auch Grenzen gesehen und mir überlegt, ob es das ist, was mich für die nächsten 30 bis 40 Jahre erfüllen würde. Nach langen Mühen ergab sich die Möglichkeit, noch Medizin zu studieren.
 
 Wie kamen Sie auf die Projektidee von Daidalos?
 
 Ich arbeite als Kinderärztin in der Gesundheitsberatungsstelle der Stadt München (Referat für Gesundheit und Umwelt) im Norden von München. Dort begegnen uns zum einen häufig übergewichtige Kinder. Zum anderen sehen wir, dass es für viele Familien schwer ist, ihre Kinder einer guten und nachhaltigen Therapie gegen massives Übergewicht zuzuführen. Es gibt im Norden keine Angebote dafür. Im Rahmen des Projektes wollen wir einerseits präventiv arbeiten und das Thema Essen positiv belegen. Andererseits wollen wir den von Übergewicht betroffenen Kindern ganz konkret eine professionelle Behandlung anbieten.
 
 Was kann das Ernährungsverhalten dauerhaft verändern?
 
 Wir denken, dass Beratung allein zu wenig ist, um bleibende Veränderungen zu erreichen. Man muss intensiver in das Lebenssetting eingreifen, muss an die Eltern ran und an die Kinder. Die Kinder müssen erleben, dass gesund nicht gleich scheußlich ist. Die Vorstellung, etwas ist grün und hart, da muss man kauen und da ist kein Ketchup dran, ist nicht so reizvoll. Deshalb muss Essen mit einem positiven Erlebnis verknüpft werden.
 
 Hat München oder der Stadtteil Harthof einen besonderen Stellenwert für das Projekt?
 
 Wir haben uns mit dem DAIDALOS-Projekt an der Bernays-Schule im Harthof angesiedelt, weil wir dort bereits Kontakte zu anderen Einrichtungen geknüpft haben. Wenn man weiß, wie und mit welcher Haltung jemand an seine Arbeit geht, wird eine Zusammenarbeit erleichtert.
 
 Hätte das DAIDALOS-Projekt auch in jeder anderen Stadt eine Chance gehabt?
 
 Der Stadtteil Harthof ist ein sozialer Brennpunkt, wie es ihn auch in Bochum, Berlin, Stuttgart und anderswo gibt. Das DAIDALOS-Projekt könnte genauso gut in anderen Städten oder in einem anderen Stadtteil von München realisiert werden wie zum Beispiel in Riem oder Neuaubing.
 
 Wie begleiten Sie als Ärztin dieses Projekt?
 
 Als Kinderärztin kümmere ich mich um die medizinische Seite des Projekts. Das heißt, ich entscheide, welche medizinisch relevanten Daten wichtig sind und wie sie erhoben werden können. Zusammen mit dem schulärztlichen Team werden die nötigen Untersuchungen in den verschiedenen Phasen des Projektes gemacht. Dadurch sehen wir die Kinder regelmäßig und können Erkrankungen erkennen und die Kinder und Eltern zu weiterer Diagnostik und Behandlung auffordern. Zusätzlich biete ich außerhalb meiner Tätigkeit als Schulärztin noch eine Gesundheitssprechstunde am Nachmittag an, damit die Eltern zusammen mit ihren Kindern kommen können. Sie bietet die Möglichkeit, gesundheitliche Themen mit einzelnen Eltern anzusprechen und gemeinsam die richtigen weiteren Schritte für das Kind zu finden. Ich unterstütze Frau Streber auch in der Projektbegleitung. Sie ist mehr für das operative Geschäft zuständig, aber wir legen gemeinsam fest, wo der Weg hingehen soll und sind dabei in engem Austausch und viel im Gespräch.
 
 Gibt es schon spürbare Veränderungen bei den Kindern oder Eltern?
 
 Es gibt noch nichts, was signifikant oder beweisbar wäre, aber wir spüren kleine Veränderungen. Wir merken, dass wir Interesse wecken, Spaß an der Bewegung und an anderem Essen schaffen. Bei den Eltern wird eine gewisse Offenheit spürbar. Viele Eltern nehmen das Frühstücks- und Mittagsangebot an. Mittlerweile sind 35 Kinder beim Mittagessen und 20 beim Frühstück. Die Zahl steigt, und das ist ein gutes Zeichen.
 
 Was sind Ziele des Projekts und der Eltern-Kochkurse?
 
 Wir erhoffen uns, dass wir die Lebensgewohnheiten bis zu einem gewissen Grad beeinflussen können und zwar in der ganzen Familie. Deswegen legen wir so großen Wert auf die Elternarbeit und die neuen Eltern-Kochkurse. Dort hat man viele Möglichkeiten, gesunde Inhalte zu transportieren. Insgesamt möchten wir die Lebensführung positiv beeinflussen. In unserem DAIDALOS-Projekt sind viele einzelne Maßnahmen vereint, das ist etwas Besonderes. Durch das Zusammenwirken der verschiedenen Maßnahmen ergibt sich ein positiver Synergieeffekt. Es wird aber auch schwierig, die Erfolge des Projektes an harten Daten wie beispielsweise dem BMI (Body-Mass-Index) festzumachen, weil so viele Einflussgrößen auch außerhalb des Projektes einwirken können. Über Fragebögen werden wir aber zumindest Tendenzen nachvollziehen können.
 
 Wie könnte sich das DAIDALOS-Projekt als Modellprojekt über die beiden geplanten Jahre hinaus weiterentwickeln?
 
 Ideal wäre, wenn sich viele Teile des Projektes verselbständigen und von der Schule weitergeführt würden. Deswegen gibt es auch für die Lehrer Weiterbildungsangebote. Wenn die Lehrer positive Effekte im Lernverhalten nachvollziehen, dann engagieren sie sich auch weiterhin und integrieren langfristig in den Unterricht zum Beispiel mehr körperliche Bewegung der Kinder. Wir möchten gemeinsam mit der Schule geeignete Strukturen schaffen, die nachhaltige Veränderungen ermöglichen. Jede einzelne Maßnahme ist wie ein Tropfen, und viele Tropfen sollen zusammen kommen und weiterfließen.
 Die Essenz der Maßnahmen und Angebote, die sich bewährt haben, sollten nach Ablauf des Modellprojektes herausgefiltert in einem neuen Gesamtkonzept zusammengefasst werden, damit andere Schulen und Projekte auf unsere Erkenntnisse zurückgreifen können.
 
 Was ist Ihr größter Wunsch für das Daidalos-Projekt?
 
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