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München fährt auf Dackel ab

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Der Dackel ist kein Modehund

Interview mit Dr. Carolin Raffelsbauer, Kulturwissenschaftlerin

Frau Dr. Raffelsbauer, wie sind Sie auf das Thema München und der Dackel gestoßen?

Für mich als gebürtige Münchnerin gehört der Dackel ganz einfach zum Münchner Erscheinungsbild. Außerdem bin ich mit Dackeln groß geworden. Dadurch sind mir bei meiner Arbeit als Kulturwissenschaftlerin die Dackelbilder des Malers und Illustrators August Roeseler (1866-1934) aufgefallen.

Ein Maler hat dem Dackel zu seiner Beliebtheit verholfen?

Kurz nachdem der gebürtige Hamburger August Roeseler 1886 nach München gekommen war, veröffentlichte er bei den „Fliegenden Blättern“ des Verlags Braun & Schneider seine Dackel-Illustrationen („O diese Dackel! Allerlei Lustiges aus dem Leben unserer kleinen krummbeinigen Freunde“). Dadurch wurde der Dackel einem breiten Publikum bekannt. Roeseler hat sich mit der Mentalität des Dackels beschäftigt und Ähnlichkeiten mit den Bayern festgestellt – die in seine bekannten Dackeldarstellungen eingeflossen sind.

Ähnlichkeiten mit den Bayern – wie meinen Sie das?

Der Dackel hat viel von der Mentalität, die dem Bayern gern zugesprochen wird, dieses „Wadlbeißerische“, dieses leicht Größenwahnsinnige. Ein Dackel hat seinen eigenen Kopf. Er lässt sich nicht viel sagen, geht seinen eigenen Weg und zwickt auch mal. Aber auch die Klugheit dieses Hundes sollte man nicht unterschätzen. Das kommt auch in den Bildern von Roeseler zum Ausdruck: Der Hund, der die Schubladen der Kommode aufzieht und zur Treppe macht, um so an die oben liegende Wurst zu kommen; der Hund, der das Kleinkind aus dem Kinderwagen drängt, damit er sich selbst reinlegen kann.

Warum steht der Dackel für München?

Der Dackel ist in den 70ern durch die Olympiade zum Münchner Symbol geworden. Unvergessen sind Gustl Bayerhammer als Tatortkommissar Veigl mit seinem Dackel, der bekannte Hirnbeiß und natürlich auch der beliebte Walter Sedlmayer und sein Paulaner-Dackel. Damals hätten die Münchner den Dackel am liebsten in ihr Stadtwappen neben das Münchner Kindl gestellt.

Warum wird der Dackel so gerne karikiert?

Das Bild des dicken, behäbigen Mannes mit dem kleinen niedlichen Dackel daneben, dieser Kontrast bietet sich an und lässt Spaß und Witzigkeit zu. Besonders witzig finde ich das Bild des großen, etwas bierbäuchigen, mächtigen Bayern mit seinem Wirtshausbegleiter. Die Engländer nennen den Dackel wegen seines Körperbaus übrigens sausage-dog, also Wursthund.

Warum sieht man heute weniger Dackel als früher?

Um 1900 gab es nur wenige Hunderassen wie den Spitz, den Pudel, den Schäferhund, den Pinscher und natürlich den schwarzen Kurzhaardackel mit seiner braunen Schnauze. Heute können Hundeliebhaber aus einem großen Angebot verschiedener Hunderassen auswählen. Leider kommt es dadurch in der Hundewelt immer wieder zu Modeerscheinungen, die meist nicht lange anhalten. Heute ist es der Golden Retriever und morgen der Mops. Nur der Dackel ist und bleibt als Traditionshund von solchem Modedenken verschont. Er steht für München und ist und bleibt das Maskottchen der Landeshauptstadt. Dieses Denken werden sich die Münchner zum Glück niemals nehmen lassen, das wird aus den Köpfen nicht rausgehen.

Auch junge Münchner zeigen sich heute gern wieder mit Dackeln?

Das hängt wohl mit der Rückbesinnung auf die Tradition zusammen, auf dieses „wie war es früher“. Man ist stolz auf die Tradition und pflegt sie. Ich kenne tatsächlich mehrere junge Frauen, die speziell Dackel haben, weil sie bayernbewusst sind. Das sind Leute, die bayerisch sprechen, die gern zeigen, woher sie kommen, und die das auch durch die Wahl der Hunderasse zum Ausdruck bringen möchten. Wer sich für einen Dackel entscheidet, demonstriert damit eine bestimmte traditionelle Lebenshaltung.

Was könnte den Dackel bei jungen Menschen noch populärer machen?

Ganz klar, Werbung. Dass der Dackel wieder in eine Werbung miteinbezogen wird, wie bei der Paulanerwerbung mit Walter Sedlmayer, oder dass er bei einer großen Veranstaltung wieder zum Maskottchen gekürt wird.

Zur Person

Dr. Carolin Raffelsbauers Leidenschaft ist die Bayerische Literatur, Kunst- und Kulturgeschichte. Die 1971 geborene Münchnerin setzt sich intensiv mit der Landesgeschichte und mit bayerischer Kunst und Kultur auseinander. Mit dem Thema München und der Dackel ist sie bestens vertraut. An der Ludwig-Maximilians-Universität magistrierte sie mit einer Studie über den Künstler Wilhelm Busch in seiner Münchner Zeit und promovierte anschließend mit einer Arbeit über den Maler und Illustrator Paul Hey. Heute gibt sie in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Dietz-Rüdiger Moser die Zeitschrift „Literatur in Bayern“ heraus. Hier veröffentlichte sie u.a. einen Artikel über den Münchner Dackel-Maler August Roeseler.