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Interview mit Hans-Peter Breuner

Sozialpädagoge bei pro familia Würzburg-Aschaffenburg

1. Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere am sexualpädagogischen Ansatz von pro familia?

Ich möchte vorausschicken, dass Sexualpädagogik als Prävention vor sexuellem Missbrauch kein exklusiver pro familia- Ansatz ist. Vielmehr hat professionelle Sexualpädagogik generell immer auch den Anspruch Prävention gegen sexuelle Gewalt zu sein. In sexualpädagogischen Veranstaltungen geht es immer auch um sexuelle Gewalt, indem man Grenzen aufgezeigt, diese benennt und mit den Kindern und Jugendlichen diese reflektiert. Anspruch in der Sexualpädagogik ist es auch für Grenzverletzungen zu sensibilisieren und das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung als Ethos zu vermitteln.
 Umgekehrt gibt es jedoch Präventionsangebote gegen sexuellen Missbrauch, in denen mit den Kindern nicht oder kaum im Vorfeld über Sexualität gesprochen wird, sondern generell über Gewalt.
 Ich denke man sollte auch bei der Prävention den Unterschied zwischen körperlicher Gewalt und sexueller Gewalt berücksichtigen und benennen. Sexualpädagogik schafft dazu sowohl die Grundlagen als den Rahmen, um mit Kindern und Jugendlichen auch über das Spezifische von sexueller Gewalt zu sprechen.
 Das besondere an pro familia ist, dass dieser Verband als der bedeutendste nicht-staatliche Dienstleister für Sexualpädagogik auf viele Jahrzehnte sexualpädagogische Praxiserfahrung und somit Präventionsarbeit zurückblicken kann und diese Erfahrung sich natürlich in der Professionalität der sexualpädagogischen Arbeit niederschlägt.
 

2. Wo stoßen Sie in der Präventionsarbeit an Grenzen?

Immer da, wo wir aufgrund nicht ausreichender zeitlicher oder personeller Ressourcen gezwungen sind, Anfragen absagen und Angebote einschränken zu müssen. Also eine Frage der Finanzierung!

3. Warum arbeiten Sie in Ihren Angeboten hauptsächlich mit geschlechtshomogenen Gruppen?

Als Genderpädagoge und sexualpädagogischer Jungenarbeiter sehe ich eine meiner pädagogischen Aufgaben darin, bei der Arbeit mit Jungs geschlechtsspezifische Rollenklischees aufzubrechen und den Horizont der Gestaltungsmöglichkeiten von 'Junge-sein' oder 'Mann-sein' zu erweitern. Jungs und Mädchen werden aber in ihr Rollenverhalten sozialisiert. Sie orientieren und identifizieren sich mit diesen Rollenerwartungen, die an sie herangetragen werden, gerade mit Beginn der Pubertät nochmals sehr stark.
 Das heißt, man muss als Sexualpädagoge in der praktischen Arbeit diese zugeschriebenen Identitätserfahrungen der Mädchen und Jungen als Tatsache berücksichtigen, auch wenn man auf theoretischer Ebene sich dem Genderansatz verpflichtet fühlt. Unsere praktische Erfahrung zeigt, dass die Jungs und Mädchen entspannter sind, wenn man Jungs und Mädchen in zwei Gruppen trennt und ein männlicher Sexualpädagoge mit den Jungs und eine weibliche Sexualpädagogin mit den Mädchen arbeiten.
 Jungs und Mädchen erleben natürlich auch unterschiedliche geschlechtsspezifische Körpererfahrungen. In einer Jungengruppe gibt es daher andere Themenschwerpunkte als in einer Mädchengruppe. Ich als männlicher Sexualpädagoge bin authentischer, wenn es etwa um das Thema Erektionen geht, wie man sich fühlt oder wie man dadurch in peinliche Situationen geraten kann.
 Ich habe einmal in einer Jungengruppe die Jungen gefragt, ob es einen Unterschied machen würde, wenn ich jetzt eine Frau wäre? Darauf sofort ein Junge: 'Das wär ja voll peinlich, da würde ich ja einen Steifen bekommen.'
 Nach Geschlecht getrennte Gruppen bieten für die Kinder und Jugendlichen somit offensichtlich auch einen Schutzraum.