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Interview mit Peter Waffler

Kampfmittelbeseitiger, Langenpreising

Wie wird man Kampfmittelbeseitiger?
 
 Ich habe während meiner Zeit bei der Bundeswehr eine zweieinhalbjährige Ausbildung zum Feuerwerker gemacht. Das bedeutet ich kann Blindgänger jeder Art entdecken, entfernen und unschädlich machen. Die Ausbildung ist sehr intensiv: Unter anderem muss man etwas von Physik, Chemie, Mathematik und technischen Zeichnungen verstehen.
 

Wann und wie ist die Zusammenarbeit mit Handicap International zustande gekommen?

Schon seit der Gründung von EMC Kampfmittelbeseitigung 2004 hat sich unsere Geschäftsführerin Eveline Zwehn für die Organisation begeistert. Da Handicap International zuvor die Metalldetektoren für ihre Entminungsdemonstrationen umständlich, zum Beispiel aus England einführen mussten, fingen wir an, ihnen welche zu leihen. Zum meinem Einsatz für Handicap International war es dann nur noch ein kurzer Schritt.

Sind Sie als Kampfmittelbeseitiger auch in Kriegsgebieten tätig?

Bisher nicht. Mein Arbeitgeber ist in Deutschland, Österreich und Italien tätig. Meine Einsätze konzentrieren sich auf Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz. Ich und meine Kollegen räumen Baugelände und Areale, die vom Staat veräußert wurden, wie etwa das frühere Munitionslager in Günzburg auf dem jetzt der Vergnügungspark Legoland steht.

Was schätzen Sie, wie viele Blindgänger in München noch unter der Erde lauern?

Etwa 20 bis 25 Prozent der Munition, die im Zweiten Weltkrieg über Deutschland abgeworfen wurde, sind nicht explodiert. Wie viel genau noch da ist, kann ich aber nicht sagen. Manchmal, wenn wir ein Gelände sondieren, finden wir Tonnen von altem Munitionsmaterial, manchmal gar nichts.

Verlieren Bomben über die Jahrzehnte ihre Sprengkraft?

Im Gegenteil! Der Sprengstoff fängt an, sich zu zersetzen und bildet Kristalle. Durch diese chemischen Prozesse wird die Bombe instabiler und explodiert noch leichter.

Welche Arten der explosiven Munition sind für die Zivilbevölkerung von Kriegsgebieten am gefährlichsten?

Natürlich sind alle extrem gefährlich. Besonders schlimm sind Granaten – da ihre Gefährlichkeit bedingt durch ihre Größe und Unscheinbarkeit extrem unterschätzt wird. Und Minen, die als Spielzeug oder ähnliches getarnt werden, sind besonders perfide. Aber so etwas existiert in Deutschland nicht.

Wie läuft eine Entminung ab?

Wir durchsuchen das Areal mit Metalldetektoren. Wenn was pfeift, machen wir uns ans Freilegen. Das ist ein bisschen so wie an einer archäologischen Fundstelle: da muss man sehr vorsichtig vorgehen. Je nach Munitionstyp wird dann entschieden, ob die Bombe vor Ort gesprengt, abtransportiert oder durch Herausdrehen des Zünders entschärft werden soll.

Tragen Sie dazu einen Schutzanzug?

Bei den Demonstrationen für Handicap International trage ich eine Kevlarweste und einem Helm mit Visier. In der Praxis behindert diese Schutzkleidung aber eher, weil sie die Bewegungen einschränkt, also lassen wir sie oft weg. Wenn eine Bombe explodiert, hilft ohnehin nichts.

Explosionen dieser Art enden also für die Entmunitionierer immer tödlich?

In 98 Prozent der Fälle, ja.

...wie bei den drei Kollegen in Göttingen, die im Februar beim Entfernen einer 65-jährigen Bombe ums Leben kamen. Passiert so etwas eigentlich oft?

Fälle wie diese sind eher selten. Aber ja, alle paar Jahre stirbt ein Kampfmittelbeseitiger in Deutschland bei dem Job.

Was hält eigentlich ihre Familie von ihrer Arbeit? Haben Sie Kinder?

Meine Familie ist sich der Gefahren natürlich bewusst. Meine Frau, wusste ja, worauf sie sich mit mir einlässt. Mein Sohn möchte allerdings mit der Sache nichts zu tun haben – er ist Informatiker geworden.

Wie lange möchten Sie noch als Kampfmittelbeseitiger arbeiten?

Auf jeden Fall bis zur Rente!
 
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