Digitale Pressemappe der Deutschen Stalking-Opferhilfe (DSOH) e.V.

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Drei Fragen an Andrea Titz

Oberstaatsanwältin, Abteilungsleiterin Staatsanwaltschaft München II

Seit drei Jahren gibt es §238 StGB Nachstellung. Kommt es zu mehr Verfahren wegen Stalking?
 
 Seit 2007 sind nur wenige Verfahren wegen Nachstellung eingeleitet worden. In der Staatsanwaltschaft München II werden etwa 160 Fälle gegen namentlich bekannte Beschuldigte pro Jahr erfasst. Eine Auswertung dieser Zahlen ist schwierig, weil viele Fälle von Stalking mit schwerwiegenderen Delikten einhergehen, zum Beispiel Körperverletzung. Da grundsätzlich nur der schwerste Tatvorwurf statistisch erfasst wird, werden viele Nachstellungen nicht als solche in der Statistik ausgewiesen.
 
 Wem hat die Einführung von §238 StGB dann konkret geholfen?
 
 Die Vorschrift schließt eine Lücke im Strafgesetzbuch. Sie hilft Stalkingopfern, die sich bedroht oder verfolgt fühlen, ohne dass es bereits zu schweren Delikten wie Bedrohungen oder Körperverletzung gekommen wäre.
 
 Wenn es zu einer Verurteilung kommt, welches Strafmaß wird normalerweise angelegt?
 
 Jeder Fall muss individuell bewertet werden. Tendenziell werden Vergehen bei Ersttätern mit Geldstrafen geahndet. Bei besonders massiven Vorgehensweisen oder bei Wiederholungstätern kann es durchaus zur Verhängung einer Freiheitsstrafe kommen.