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Münchener Nacht des Menschenrechts-Films

Pressemitteilung
Ablauf
Gesprächspartner
Der Menschenrechtsfilmpreis
Preisträger und Jurybegründung Downloads Pressespiegel

Petra Müller
 Evangelische Theologin; wissenschaftliche Untersuchungen zu Gewaltdarstellungen im Fernsehen am Lehrstuhl für systematische Theologie in Heidelberg; 1993 bis 1999 Ständige Vertreterin der Obersten Landesjugendbehörden bei der FSK in Wiesbaden und als Leiterin von jugendschutz.net in Mainz; seit 2000 Redakteurin im FWU Medieninstitut der Länder; Programmbereichsleiterin Geistes- und Sozialwissenschaften und Berufliche Bildung.
 
 
 
 
 
 

Sie haben als Mitglied der Bildungsjury den Preis vergeben für den Film: „Rückkehr ins Elend. Abschiebung der Roma ins Kosovo“. Was hat Sie bewogen, den Film auszuzeichnen?
 
 Dieser Film von Martina Morawietz ist ein engagiertes Plädoyer für Menschenrechte, das aufgrund des Themas und der Machart gute Einsatz- und Anknüpfungsmöglichkeiten für den Unterricht bietet. Schülerinnen und Schüler werden hier mit Kindern und Jugendlichen konfrontiert, die ihre Sprache sprechen, ihre Interessen teilen, noch vor Kurzem in eine deutsche Schule gingen. Diese Nähe erleichtert die Identifikation und ermöglicht einen mitfühlenden Blick auf das Schicksal von Flüchtlingen, den man im Unterricht sonst nur schwer erreichen kann. Auch das Interesse, die rechtlichen, politischen und ethischen Fragestellungen, die mit dem Thema verknüpft sind, zu erarbeiten, dürfte damit bei Schülerinnen und Schülern größer sein. Information und Motivation für den Unterricht und eine Diskussion, die Schülerinnen und Schüler in die Lage versetzt, eine eigene Position zu beziehen, sind Ziele des didaktischen Mediums, das das FWU auf der Basis des Films von Martina Morawietz mit der Filmemacherin gemeinsam produzieren wird.
 
 Wie kommt das Thema in der Öffentlichkeit an?
 
 Migration und Integration sind wichtige Themen in der Öffentlichkeit aber auch in der Schule. Hier wie dort sind dies jedoch kontroverse Themen, die einerseits Vorurteile und Ängste und andererseits Mitgefühl und Solidarität hervorrufen. Schule sollte hier ein Ort sein, der zu einer echten Auseinandersetzung mit dem Thema und zur Versachlichung beiträgt. Kinder und Jugendliche, die bei uns voll integriert sind und dennoch abgeschoben werden, entsprechen nicht den gängigen Vorurteilen und sind daher besonders geeignet, eine Diskussion zu provozieren.
 
 Was sollte die Politik tun, um solche Abschiebungen in Zukunft zu verhindern?
 
 Das didaktische Medium, das vom FWU produziert wird, soll einige Ansätze möglicher Veränderungen zur Diskussion stellen. Zum Beispiel sollte das Duldungs- und Staatsbürgerrecht in manchen Punkten überdacht und überarbeitet werden. Auch über den Zeitpunkt ihrer Abschiebung hinaus sollte man Verantwortung für die Abgeschobenen übernehmen. Man sollte Zustände und Perspektiven im Rückführungsland genau untersuchen und abwägen, inwiefern eine Abschiebung Menschenrechtskonventionen verletzen würde. Jugendliche, die bereits voll integriert sind, deren Sprache deutsch ist und die hier eine schulische oder berufliche Ausbildung erhalten, dürfen nicht abgeschoben werden.