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Münchener Nacht des Menschenrechts-Films

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Der Menschenrechtsfilmpreis
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Martina Morawietz
 
 1958 in Idar-Oberstein geboren, studiert Martina Morawietz Germanistik, Soziologie und Politik in Frankfurt und Mainz. Seit Ende der 1980er Jahre ist sie als Redakteurin in den verschiedensten Bereichen beim ZDF tätig. Von 1998 an ist sie Reporterin beim Frauenmagazin „Mona Lisa“, produziert aber auch andere Reportagen und Dokumentationen für den Sender. 1997 erhält sie den Robert Geisendörfer Preis für „Atemnot – der Mann mit der eisernen Lunge“.
 Ihre Dokumentation „Leben in Fesseln“ gewinnt 1999 den Fernsehpreis der deutschen Gesellschaft für Zwangserkrankungen. Im Jahr 2000 wird die Journalistin mit dem Publizistikpreis der Glaxo-SmithKline-Stiftung geehrt. Für ihre Reportage „Rückkehr ins Elend“ erhält sie 2010 den Menschenrechtsfilmpreis in der Kategorie Bildungspreis. Darin beleuchtet Morawietz das Schicksal von drei in den Kosovo abgeschobenen Roma-Familien.
 

Wie haben Sie die im Film portraitierten Familien ausfindig gemacht? Und wie geht es den Familien heute?
 
 Ich habe 1999 unmittelbar nach dem Natokrieg angefangen, über die Minderheiten im Kosovo zu berichten. Roma und Ashkali waren sehr gefährdet im Kosovo, weil die internationale Gemeinschaft sie nicht schützen konnte und sie als Kollaborateure der Serben galten. Einige der Familien habe ich bei Dreharbeiten im Kosovo zufällig kennengelernt und den Kontakt so weit wie möglich aufrecht erhalten. Andere Familien sind mir unter anderem vom Flüchtlingsrat Niedersachsen oder von deutschen Anwälten genannt worden.
 Es sind alles Familien, denen die Abschiebung aus Deutschland drohte und dann auch vollzogen worden ist. Ein Teil der Familien lebt unter erbärmlichen Bedingungen schon seit Jahren im Kosovo, mit ein bisschen Unterstützung aus Deutschland. Eine junge Frau, die mit ihren kleinen Kindern abgeschoben wurde, durfte zurück nach Deutschland, weil sich die Grünen und ein starker Unterstützerkreis für sie einsetzten. Andere Familien habe ich aus den Augen verloren, sie haben auf meine Mails irgendwann nicht mehr geantwortet.
 
 Wie lange liefen die Dreharbeiten? Gab es während des Aufenthalts im Kosovo Probleme?
 
 Die Dreharbeiten im Kosovo sind nie ganz einfach und die Infrastruktur nicht unproblematisch. Es gibt immer noch Auseinandersetzungen zwischen Kosovoalbanern und den wenigen verbliebenen Serben. Und es kann brenzlig werden, wenn die Verzweiflung aufflackert. Es sind viele Waffen im Land. Wirklich gefährlich war es für den Kameramann, den Producer und mich nur in den Anfangsjahren ein paar Mal. Die Roma sind eine der ungeliebten Minderheiten im Land. Die Stadt Mitrovica zum Beispiel teilt sich in Nord und Süd, man muss wissen, wie man dort hinein kommt und sich auf der einen und der anderen Seite verhält. Auch in den Romalagern herrscht eine große Aggressivität. Man kann dort nicht einfach mal mit der Filmkamera drehen. Ich komme seit 1999 jedes Jahr ein, zweimal in verschiedene Romalager und kenne meine Helfer und Kontakte. Ohne die wäre es schwierig.
 
 Welche Bedeutung hat die Auszeichnung mit dem Bildungspreis für Sie?
 
 Ich habe mich sehr über die Auszeichnung gefreut, weil sie eine Arbeit würdigt, die schon seit so vielen Jahren läuft. Das Thema Kosovo ist für die Medien nach dem Krieg eigentlich abgehakt, obwohl es in meinen Augen alles andere als eine Erfolgsgeschichte ist. Nachdem all das Elend und das Vegetieren auch durch die UN nicht beendet wurde, kamen nach ein paar Jahren, bedingt durch zunächst vereinzelte Abschiebungen aus Deutschland, andere deutschsprechende Roma-Familien hinzu, mit Kindern die in Deutschland geboren wurden und den Kosovo nicht kannten. Zu all jenen, denen man nicht helfen konnte, kamen nun neue Ankömmlinge hinzu. Ich fand und finde das skandalös, und dies hat mein Engagement für das Thema bis heute wachgehalten.
 Nun versucht man sich in Deutschland auch der Tausenden von Flüchtlingen aus dem Kosovo zu entledigen und schickt die Menschen in ein Desaster. Es freut mich, dass so ein Thema an den Schulen hierzulande Eingang findet. Denn ich denke, dass es wichtig ist, Hintergründe klarzumachen: dass es Schüler gibt, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind und buchstäblich über Nacht verschwinden - ins Nichts, ohne Aussicht auf ein menschenwürdiges Dasein.