Condrobs stellt sein Netzwerk für suchtgefährdete Jugendliche vor

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Hans-Ulrich Pfaffmann: „Wir helfen, solange Hilfe gebraucht wird“

Interview von Gregor Kern
 
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Hans-Ulrich Pfaffmann begann seine politische Laufbahn 1990 im Münchner Stadtrat als gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. Seit 1998 ist der 55-Jährige als Abgeordneter für seine Partei im Bayerischen Landtag und verantwortlich für die Bildungspolitik. Im Jahr 2008 wurde er Vorsitzender des Ausschusses für Bildung, Jugend und Sport. Der ausgebildete Kaufmann und Krankenpfleger lebt seit 1982 in München, ist verheiratet und hat fünf Kinder.

Herr Pfaffmann, Sie sind zweiter Vorsitzender des Vereins Condrobs e. V. – Was ist das für ein Verein?
 
 Das ist einer der größten Präventions- und Suchthilfevereine in Bayern mit einem sehr großen Spektrum an Hilfsangeboten sowohl in der Prävention als auch in den begleitenden Hilfen. Die Arbeit von Condrobs zeichnet sich durch eine hohe Fachlichkeit und Qualität aus. Wir sind zum Beispiel mit dem Projekt „Inside @ School“ in den Schulen und versuchen dafür zu sorgen, dass junge Menschen mehr Aufmerksamkeit gegenüber den Süchten dieser Welt entwickeln. Da geht es nicht nur um den Konsum von Drogen.
 Genauso engagieren wir uns in der Hilfe: Wir helfen Menschen, die bereits drogenkrank sind in verschiedenen Einrichtungen – stationär, aber auch ambulant. Wir haben nachsorgende Einrichtungen. Wir unterstützen Menschen, die drogensüchtig waren, bei der Wiedereingliederung in das gesellschaftliche Leben. Wir haben Einrichtungen, die zur Integration in das Arbeitsleben vorübergehend Arbeitsplätze anbieten.
 
 Wie sind Sie zu dieser Position gekommen?
 
 Als ich vor über 20 Jahren im ehrenamtlichen Stadtrat angefangen habe, war mein Kerngebiet die Gesundheitspolitik. Darunter fiel auch die Zuständigkeit für die Drogenpolitik in München. Das hat mich schon immer sehr interessiert.
 Ich bin ein Verfechter einer liberalen Drogenpolitik, wo die Hilfe im Vordergrund steht und weniger die Ordnungsmaßnahmen. Als ich später in den Landtag eingezogen bin – da bin ich bildungspolitisch zuständig – ist mir von den früheren Zeiten die Drogenpolitik geblieben. Als dann Condrobs angefragt hat, ob ich nicht gerne mitarbeiten würde, da war das natürlich selbstverständlich.
 
 Ein Landtagsabgeordneter und Menschen mit Suchtproblemen – das ist etwas, was auf den ersten Blick nicht so leicht zusammengeht.
 
 Na ja, das ist kein Widerspruch. Ich bin ja als Abgeordneter in den Bayerischen Landtag gewählt und in der internen Verteilung für die gesamt Bildungs- und Schulpolitik zuständig. Schule und junge Menschen hat viel mit Prävention zu tun. Wenn Sie zum Beispiel betrachten, dass in diesem unseligen achtjährigen Gymnasium der Druck auf die jungen Leute immer größer wird. Je mehr der Druck, der psychische Druck, die Überlastung, der Stress, die Versagensängste zunehmen, desto höher ist die Gefahr einer Zuwendung zur Sucht. – Es gibt sehr wohl Parallelen, aber das ist nicht mein Hauptgeschäft im Landtag, aber ich finde diese Aufgabe so wichtig, dass sich Organisationen darum kümmern. Deshalb mache ich das ehrenamtlich. Das ist ja hier ein Ehrenamt, das ist ja hier keine hauptamtliche Tätigkeit.
 
 Nicht alle Jugendlichen bei Condrobs schaffen den Ausstieg beim ersten Anlauf. Wie soll eine Gesellschaft auf Leute reagieren, die es nicht auf Anhieb schaffen?
 
 Die Befreiung von Sucht ist ein steiniger Weg. Und es gibt keine Alternative! Wenn ein heroinsüchtiger junger Mensch von seiner Sucht nicht loskommt, was machen wir mit ihm dann? Lassen wir ihn auf der Straße? Entlassen wir ihn in die Obdachlosigkeit? In die geschlossene Abteilung? Sind das Lösungen für eine Drogenkrankheit?
 Drogensüchtige Menschen sind kranke Menschen. Für sie müssen dieselben gesellschaftlichen Bedingungen gelten wie für andere kranke Menschen. Es kann nicht Ziel der Gesellschaft sein, junge Menschen, die krank sind, in geschlossene Anstalten zu bringen, nur weil man nicht weiter therapieren will – oder sie ihrem Schicksal zu überlassen. Das ist nicht unser Ansatz: Wir helfen, solange Hilfe gebraucht wird.
 
 Wo begegnen Jugendlichen im Alltag Suchtgefahren?
 
 Ach, überall! Wenn man in der Schule vor lauter Stress nur noch Schokolade in sich hineinstopft, dann sind das die kleinen Süchte dieser Welt. Leider führt das dann bei Potenzierung der Probleme oftmals dazu, dass die jungen Leute auch zu stärkeren Mitteln greifen. Wenn mein Sohn abends in Facebook unterwegs ist, halte ich das für höchst problematisch. Dann müssen wir als Eltern schon drauf schauen, dass Bücher gelesen werden, dass face to face mit Menschen kommuniziert wird. Natürlich möchte ich nicht behaupten, dass mein Sohn süchtig ist. Aber das sind so die kleinen Süchte der Welt.
 
 Ist das ein gesamtgesellschaftliches Phänomen oder betrifft das nur bestimmte Schichten?
 
 Das ist ein gesamtgesellschaftliches Phänomen. Wer meint, dass suchtkranke, beziehungsweise suchtgefährdete junge Leute hauptsächlich in bildungsfernen, sozial schwachen Familien zu suchen sind, der täuscht sich gewaltig.
 Die Gesellschaft würde es sich zu einfach machen, wenn sie sagen würde: Das sind Süchtige, damit haben wir nichts zu tun. – Das Gegenteil ist der Fall. Das ist schon ein gesellschaftliches Problem. Die Bereitschaft da unvoreingenommen zu helfen, die ist halt wenig vorhanden.
 
 Warum ist Condrobs so wichtig?
 
 Es gibt ja viele Träger, die alle gute Arbeit leisten. Viele Träger der Suchthilfe oder der Prävention in Bayern. Es gibt verschiedene Philosophien in der Drogenpolitik. Es gibt eine ordnungspolitisch orientierte Philosophie und es gibt eine eher liberal orientierte Philosophie. Condrobs ist eine Organisation, die Hilfe sehr individuell betrachtet. Wir wollen nichts mit Strafe machen. Wir setzen auf Unterstützung. Wir setzen auf Therapie und Analyse. Wir wollen helfen, solange Hilfe nötig ist. Wir wollen uns den Kopf nicht einbetonieren, sondern auch mal unkonventionelle Wege gehen. Deswegen ist Condrobs wichtig, weil in dieser strategischen Linie ist Condrobs einer der wenigen Träger. Deshalb ist Condrobs wichtig.
 
 Das Geld, das Condrobs für seine Arbeit bekommt, ist also gut angelegt?
 
 Da kann es überhaupt keinen daran Zweifel geben. Wir sind einer der wenigen, die eine Zertifizierung erreicht haben. Wir haben ein Zertifikat erhalten, das besagt, wir leisten eine hochqualifizierte Arbeit. Und deswegen ist das Geld hervorragend angelegt bei Condrobs.