Condrobs stellt sein Netzwerk für suchtgefährdete Jugendliche vor

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Oliver Bengl: „Es gibt keine Universallösung“

Interview von Mirjam Eggers
 
 PDF-Version des Interviews
 

Oliver Bengl ist seit 2004 hauptverantwortlicher Diplom-Psychologe im EasyContact-House. Schon während seines Studiums der angewandten Sozialpsychologie hat der 44-Jährige bei Condrobs gearbeitet und später seine Diplomarbeit darüber geschrieben. Der gebürtige Münchner hat selbst zwei Kinder im Alter von fünf und 14 Jahren. „Es ist wichtig, Mut zur eigenen Schwäche zu haben“.

Worin liegt die größte Herausforderung ihrer Arbeit?
 
 Der Jugendliche soll Vertrauen fassen und wir möchten ihm begreiflich machen, dass wir das Beste für ihn wollen. Es geht darum, Beziehungen herzustellen und Vertrauen zu gewinnen-erst dann kann man Veränderungen steuern.
 
 Welche Möglichkeiten haben sie, auf die Bedürfnisse der Einzelnen individuell einzugehen?
 
 Wir können sehr individuell arbeiten, da wir innerhalb unserer Leistungsbeschreibung und dem gesetzlichen Rahmen relativ frei entscheiden dürfen. So können wir wirklich da ansetzen, wo der Jugendliche unsere Hilfe gerade benötigt: wie sieht es in der Schule und am Arbeitsplatz aus, wie ist das Verhältnis zu den Eltern, welche gesundheitlichen Probleme gibt es?
 
 Wie sieht ihre pädagogische Arbeit konkret aus? Beschreiben sie doch mal bitte einen typischen Tagesablauf.
 
 Wenn ein Jugendlicher zu uns kommt und nicht mehr oder noch nicht in die Schule geht, wecken wir ihn morgens, wir frühstücken gemeinsam und besprechen den Tag, vereinbaren Aufgaben und Ziele – begleiten, unterstützen die Umsetzung Bei den externen Schülern telefonieren wir mit der Schule, um zu kontrollieren, ob die Jugendlichen auch tatsächlich dort angekommen sind. Nach der Schule gibt’s ein gemeinsames Essen. Der Nachmittag ist frei und wir unterstützen bei den Hausaufgaben.
 
 Gibt es ein Erlebnis, das sie in Ihrem Engagement für die Jugendlichen besonders motiviert hat?
 
 Erst vor Kurzem war eine ehemalige Bewohnerin hier. Sie hatte während ihrer Zeit im EasyContact-House eine Beziehung mit einem jungen Mann begonnen und die beiden haben uns jetzt mit ihrem gemeinsamen Baby besucht.
 
 Sie möchten, dass „keiner verloren geht“?
 
 Es gibt Jugendliche, für die reichen unsere Konzepte nicht aus, denn sie sind nicht bereit oder in der Lage, sich an Regeln oder Strukturen zu halten. Sie sind in einer gewissen Weise für die Erwachsenenwelt gar nicht erreichbar. Manchmal dauert es auch einfach ein wenig länger und der Jugendliche findet erst im zweiten oder dritten Anlauf den Weg in die Gesellschaft zurück , hier ist unsere Unterstützung gefragt – es gibt keine Universallösung für alle Betroffenen!
 
 Haben sie eine Botschaft für die suchtgefährdeten Jugendlichen auf Münchens Straßen?
 
 Die Jugendlichen sollten keine Angst haben, sich mit ihren Schwachpunkten an Erwachsene zu wenden: an ihre Eltern, an StreetworkerInnen, an das Jugendamt. Es geht darum, Ressourcen zu erkennen und die gibt es bei jedem. Also traut euch, euch anzuvertrauen.