Condrobs stellt sein Netzwerk für suchtgefährdete Jugendliche vor

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Stephan Kroll (Name geändert): „Condrobs hat mir einen Boden gegeben, wo keiner war.“

Interview von Daniel Pöhler
 
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Vor genau zehn Jahren hat Stephan Kroll auf der Straße gelebt: drogenabhängig, obdachlos, mit abgebrochener Berufsausbildung und ohne eigene Perspektive. Heute studiert der 30-Jährige in München Psychologie und sagt, er hätte nichts anders machen können - Eine Erfolgsgeschichte.

Sie sind auf eigenen Wunsch in das Condrobs Inizio-Haus gekommen. Welche Erfahrungen haben Sie dort gemacht?
 
 Ich hatte ein Bett, einen Schrank, Klamotten, ein bisschen Geld und etwas zu essen, das heißt meine primären Bedürfnisse wurden abgedeckt. Außerdem waren zum ersten Mal Menschen um mich, mit denen ich meine Situation reflektieren konnte. Mir wurde eine Struktur aufgezwungen, die man braucht, um zu funktionieren. Einerseits habe ich es gehasst - plötzlich kommt jemand und erwartet Dinge von mir, die ich vorher nicht gemacht habe. Gleichzeitig hat es mich aber total stabilisiert.
 
 Condrobs sagt, dass die Jugendlichen individuell Hilfe bekommen. Sehen Sie das genauso?
 
 Die grundlegenden Sachen, wie Aufstehen, Putzen, Essen - das sind soziale und gesellschaftliche Sachen, die an einen herangetragen werden, um überhaupt eine Stabilität herzustellen. Das ist nicht wirklich individuell, eher gruppenorientiert. Das Individuelle erfolgt dann in den Gesprächen und wenn das Therapeutische dazukommt. Da kamen dann meine Probleme raus, ich lernte, mit Konflikten umzugehen. Das ging sehr weit in den seelischen Bereich hinein.
 
 Welche Veränderungen haben Betreuung und Therapie in Ihnen ausgelöst?
 
 Ich habe in der Zeit bei Condrobs gemerkt, dass ich noch nicht so weit bin, meine Sachen ganz alleine zu regeln. Es war mir klar, dass ich nicht ewig in der Wohngemeinschaft bleiben will, aber wenn ich zu irgendeinem früheren Zeitpunkt herausgegangen wäre, dann hätte ich es einfach nicht gepackt.
 
 Sie sind auch mal aus dem Haus rausgeflogen. Wie kam es dazu?
 
 Ich war zwei mal draußen. Einmal habe ich einem Mitbewohner eine rein gehauen und das andere mal bin ich rückfällig geworden. Meine Mutter hat erstaunlicherweise zu diesem Zeitpunkt gesagt, dass ich da nicht mehr rein könne und dass es vielleicht ein Fehler gewesen sei. Mir war schon klar, dass ich weiter machen will. Danach hat sich vieles verändert: Ich habe mich mehr an die Regeln gehalten. Über die Volkshochschule habe ich die Mittlere Reife gemacht und ich fing an, mich richtig gut zu fühlen. Die Konflikte waren plötzlich weg und ich war nicht mehr so aggressiv. Aufgrund dieses Erfolgserlebnisses und der guten Noten habe ich gemerkt: es geht weiter. In dieser Zeit habe ich auch eine Freundin kennengelernt, was bis dahin kein Thema war. Und dann ging es ziemlich schnell dem Auszug entgegen und in die Nachsorge rein.
 
 Sind Sie heute noch gefährdet? Also gibt es Situationen, in denen Sie merken, dass Sie an Ihre Grenzen kommen?
 
 Nach der Nachsorge habe ich eine Psychotherapie angefangen und mich intensiv mit der Sache beschäftigt. Der wichtigste Schritt für mich war, selbst zu erkennen, dass ich keine Angst mehr vor den Drogen habe. Früher habe ich Clubs gemieden, in denen Drogen konsumiert wurden. Heute stellt das für mich kein Problem mehr da. Ich trinke jetzt auch wieder Alkohol. Da ich mich nicht mehr in einer emotionalen Krise befinde, haut mich der Alkohol auch nicht um. Ich bin da viel gelassener als früher.
 
 Rückblickend betrachtet, was hat Ihnen Condrobs ermöglicht?
 
 Condrobs hat mir einen Boden gegeben, wo keiner war. Sie haben mir geholfen, mich zu entwickeln. Fragen, die sie mir nicht beantworten konnten, habe ich versucht, selbst für mich zu beantworten: in der Philosophie, im Buddhismus und in der Therapie. Für eine Selbstfindung ist Condrobs eine große Unterstützung, sie haben mir die nötige Stabilität gegeben.
 
 Gibt es von Ihnen eine Message an drogengefährdete Jugendliche?
 
 Es ist schwierig, einen Suchtkranken von außen zu erreichen und ihm zu raten, dass er die Finger von den Drogen lassen soll. Ich vermute, dass sich Suchtkranke durch den Konsum selbst finden möchten, sich selbst heilen und psychisch gesund werden wollen. Deswegen zieht es die Leute zu den Drogen. Was sie nicht sehen, ist, dass sie damit ganz schnell auf die Nase fallen. Es ist wichtig, dass sie sich Hilfe holen. Das Problem sind nicht einmal so sehr die Drogen. Das Problem liegt in den Betroffenen selbst, die sich nicht gut fühlen und Schwierigkeiten haben. Daran müssten sie etwas ändern.
 
 Was hätten Sie in Ihrem Leben anders machen können?
 
 Nichts. Wenn ich einen bestimmten LSD-Trip nicht genommen hätte, dann würde ich heute bestimmte Dinge nicht wissen. Andererseits war es eine Gratwanderung: Ich hätte sterben oder verrückt werden können. Jede Droge wirkt unterschiedlich und es hat einen Grund, warum man welche Droge nimmt.
 
 Muss man Jugendliche von Drogen abhalten?
 
 Das geht nicht, denn wenn jemand heute wirklich konsumieren will, kann man ihn nicht davon abhalten. Das Wichtigste ist aber immer, eine Anlaufstelle anzubieten. Für mich war das mein Vater, denn ich hatte immer das Bewusstsein, dass er da ist. Oder eben Condrobs.