Condrobs stellt sein Netzwerk für suchtgefährdete Jugendliche vor

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Katrin Bahr: „Bisherige Freunde sind oft nur Konsumierende“

Interview von Isabella Mondre
 
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Katrin Bahr leitet seit 2006 gemeinsam mit Michael Ruml die therapeutische Wohngemeinschaft Inizio in München-Oberföhring. Schon während ihres Studiums engagierte sich die Diplom-Sozialpädagogin in der Condrobs-Einrichtung Prima Donna. Heute ist die 38-Jährige bei Inizio haupt-verantwortlich für die zu betreuenden Mädchen und jungen Frauen zuständig.

Mit welchen Problemen kommen Jugendliche zu Inizio?

Wir arbeiten mit Jugendlichen die Alkohol und oder illegale Drogen konsumiert haben, um ihre Probleme zu lösen. Die Eltern sind oder waren meist überfordert, die Jugendlichen haben wegen ihrer Sucht die Schule oder den Arbeitsplatz geschmissen und sind meist auch mit dem Gesetz in Konflikt geraten – sie fallen immer mehr aus der Gesellschaft heraus und verlieren eine Lebensperspektive – sie drohen, in chronische Suchtmittelabhängigkeit zu rutschen, im Gefängnis zu landen oder in der Psychiatrie.

Welche Ziele verfolgen Sie mit ihrer Arbeit?

Die Jugendlichen sollen wieder ein normales, zufriedenstellendes Leben führen. Es geht darum, sie aufzufangen, sie ernst zu nehmen und ihnen eine Nachreifung zu ermöglichen. Unser Ziel ist es, die Jugendlichen zu begleiten, damit sie stabile Erwachsene werden, um draußen in der Gesellschaft leben und bestehen zu können. Bei uns erfahren sie, dass immer jemand für sie das ist und sie nicht fallen lässt.

Welche Therapien bieten Sie den Jugendlichen an?

Bei uns gibt es eine feste Tagesstruktur und klare Regeln für den Alltag in der therapeutischen Wohngemeinschaft. Die Grundregeln sind Suchtmittelfreiheit und Gewaltfreiheit. Die ersten sechs Monate sind die Jugendlichen in ein Arbeitsprojekt eingeteilt. Auf dem Programm stehen Alltagsbewältigungen wie Aufstehen, Einkaufen, Aufräumen oder Wände streichen, um später auch eine eigene Wohnung einzurichten. Nach den sechs Monaten sind die Jugendlichen befähigt, ihren Schulabschluss nachzuholen oder eine Berufsausbildung zu beginnen. Abends wird gemeinsam gegessen, die Jugendlichen kochen das Essen selbst. Zusätzlich gibt es therapeutische Angebote, die darauf abzielen, die Persönlichkeit der Jugendlichen zu stabilisieren. Hier erarbeiten wir Themen wie Rückfall und Rückfallprävention, Auseinandersetzung mit dem Thema Sucht, aber auch Klärung von Konflikten und Themen, die in der Gruppe aktuell sind. Außerdem gibt es geschlechtsgetrennte Therapiegruppen, um über persönliche Themen wie beispielsweise Beziehungen und Freundschaften zu sprechen. Es ist uns wichtig den Jugendlichen zu zeigen, dass es darauf ankommt ein ausgeglichenes Leben zu führen. Sie sollen nicht nur arbeiten, sondern auch Hobbys finden und Freude am Leben entdecken.

Wann ist die Therapie beendet?

Beendet ist die Therapie, wenn die Jugendlichen es schaffen auf Suchtmittel zu verzichten, eine Tagesstruktur einhalten können und eine reelle berufliche Perspektive entwickelt haben. Das ist sehr schwierig, weil der Griff zu Alkohol und Drogen für sie bis dato der Weg aus ihren Problemen war. Sie müssen lernen, sich Konflikten zu stellen und Themen anzugucken, die weh tun und das aushalten. Sie müssen eine berufliche Orientierung finden. Sie müssen sich mit ihrem Freundeskreis auseinandersetzen. Oft erkennen sie, dass die bisherigen Freunde keine wahren Freunde sind, sondern nur Konsumierende.