Condrobs stellt sein Netzwerk für suchtgefährdete Jugendliche vor

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Max von Thun: „ Die Erlebnisse waren so intensiv, dass ich sie immer auch mit nach Hause genommen habe.“

Interview von Evelyn Gorgos
 
 PDF-Version des Interviews
 

Zwei Wochen lang hat sich der Schauspieler Max von Thun im Münchner Condrobs-Kontaktladen limit auf seine Rolle vorbereitet: in Hans W. Geissendörfers Kinofilm „In der Welt habt ihr Angst“ spielt er den heroinsüchtigen und abgemagerten Musiker Jo. Dafür hat der 34-Jährige zwölf Kilo abgenommen und selbst das Fixen gelernt.

Herr von Thun, was hat Sie dazu bewogen, so eine Rolle anzunehmen?
 
 Als Schauspieler sucht man immer die Herausforderung - wenn eine Rolle so eine intensive Vorbereitung und Recherchen mit sich bringt, ist das ein besonderes Glück. Außerdem war sofort ein Bedürfnis da, Betroffene so real wie möglich dazustellen und sich vielleicht auch ein kleines bisschen in ein Tabu-Thema hinein zu bewegen.
 
 Wie muss man sich Ihre Vorbereitungszeit im „limit“ vorstellen – was haben Sie im Kontaktladen erlebt?
 
 Anfangs wollte ich niemandem zu nahe treten, es war mir wichtig, Teil des Teams zu sein. Mein Platz war an der Kaffeetheke: dort habe ich weit mehr erfahren und erlebt, als für meine Rolle relevant war und sehr schnell gemerkt, dass ich die Begegnungen und Ereignisse immer auch mit nach Hause und in den Schlaf mitnehme - so intensiv waren sie meist.
 
 Wie haben Sie sich in ihrer „neuen“ Haut gefühlt?
 
 Ich musste für meine Rolle auch das Fixen lernen - so saß ich also jeden Abend zu Hause, habe Spritze um Spritze aufgezogen und mir bewusst gemacht, was für ein Glück ich im Leben bisher hatte. Nachdem ich schon fast 10 Kilo abgenommen hatte, wurde ich mehrfach besorgt angesprochen und habe auch erlebt, wie sich meine Eltern langsam anfingen, Sorgen zu machen.
 
 Was hat die Rolle bei Ihnen bewirkt? Haben Sie nun eher mehr oder weniger Verständnis für junge Menschen mit einer Drogenproblematik?
 
 Es geht darum, wie man solchen Schicksalen entgegenwirken kann, wie man helfen kann. Das war für mich einer von vielen beeindruckenden Einblicken, die ich in dem Drogenkontaktladen erhalten durfte.
 
 Wieder in ihrem „alten Leben“ zurück – wie sehen Sie heute die Zeit im Kontaktladen und während der Dreharbeiten?
 
 Bei meinem letzten Besuch vor zwei Monaten im Limit ist mir sofort wieder bewusst geworden, wie gegenwärtig der Tot hier ist: drei der Betroffenen, die ich kennen gelernt hatte, die mich beeindruckt und gerührt hatten, sind mittlerweile verstorben. Diese Zeit, verbunden mit den extremen Dreharbeiten, ist mir unvergesslich und hat mich zu tiefst bewegt. Tief bewegt haben mich neben den Menschen, die ich kennen gelernt habe, auch die Mitarbeiter von Limit, vor denen ich mich tief verneige.
 
 Was wollen Sie Jugendlichen mit suchtgefährdetem Hintergrund mitgeben?
 
 Ich bin weit davon entfernt perfekt zu sein, daher will ich niemanden belehren. Was ich jedem wünsche ist, dass er im Leben etwas findet, das ihm Mut und Hoffnung, Freude und Kraft gibt, sodass er gar nicht erst in gefährliche Grenzsituationen gerät. Wem dieses Glück verwehrt ist, wünsche ich den nötigen Mut, sich jemandem anzuvertrauen und Hilfe an Orten wie dem Limit zu suchen.