Verwandlung

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Superhelden

„Es könnte jeden von uns treffen“

Es ist wie verhext. Man besucht nichtsahnend eine Forschungsstation, ein Atomkraftwerk oder ein Chemielabor und kurz später hat man sich in ein Wesen mit Superkräften verwandelt. So zumindest ergeht es den Superhelden wie Spiderman oder der Green Lantern in Film und Literatur.
 Radioaktivität oder Chemie sei Dank. Die moderne Industrie hat also nicht nur Nachteile.
 

Peter Parker alias Spiderman Foto: Mit freundlicher Genehmigung Panini-Comics

Peter Parker alias Spiderman
 Foto: Mit freundlicher Genehmigung Panini-Comics
 

Meist trifft es Charaktere, die im normalen Leben eher Außenseiterrollen hatten, die gemobbt wurden oder in anderer Form soziale Probleme mit sich trugen. Sie wurden von einem zum anderen Tag plötzlich in Wesen mit Superkräften verwandelt. So auch der Teenager Peter Parker. Ein typischer Nerd mit dicker Brille und beliebtes Mobbingopfer seiner Schule. Bis ihn diese radioaktive Spinne gebissen hatte. Plötzlich verfügte er über Spinnenkräfte und Spinnensinne. Tagsüber blieb er der harmlose Nerd, abends verwandelte er sich zu Spiderman. Viele andere Charaktere aus dem Universum des Comic-Verlages Marvel haben eine ähnliche Vita. Es gibt und gab für jede soziale Schicht den passenden Superhelden oder Superheldin. Gerade diese Außenseiter bieten dem Publikum eine gute Identifikationsmöglichkeit. Sie stellen sich die Frage, ob sie nicht auch „super“ werden könnten. Der österreichisch-amerikanische Autor Oswald Wiener („Vom Geist der Superhelden“, 1970) beantwortete diese Frage positiv: „Es könnte jeden von uns treffen“.

Nach der Verwandlung beginnen die Probleme

Doch meist beginnen erst nach der Verwandlung die wirklichen Probleme. „Aus großer Kraft folgt große Verantwortung“, sagte einst Ben Parker zu seinem Neffen Spiderman. Die große Kraft – also die berühmten Superkräfte. Die Erfüllung uralter menschlicher Träume und Sehnsüchte wie Fliegen, Stärke oder einfach nur dem Röntgenblick, den sich wohl viele schon heimlich gewünscht haben. Lediglich Bob Kanes „Batman“ muss etwas falsch gemacht haben. Er hat keine Superkräfte, sondern muss hart für sein Heldendasein trainieren. Den Rest erledigt die Technik: wozu ist man Millionär? Was die Fledermaus manchmal in arge Terminschwierigkeiten bringt, wenn man gleichzeitig eine Charity-Veranstaltung leiten und die Welt retten muss.

Helden auf der Couch

Thor Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Paramount Pictures

Thor
 Foto: Mit freundlicher Genehmigung
 von Paramount Pictures
 

Der erste Held mit Doppelleben war Zorro. Mantel und Maske machten aus dem feigen Landedelmann Don Diego de la Vega den kalifornischen Robin Hood. Seitdem ist die Kostümierung Pflicht für alle Helden, die ihr Privatleben schützen wollen. Aber nicht jeder von ihnen kann mit der Verantwortung umgehen. Dies zeigt die Liste der Superhelden mit psychischen Problemen. Spiderman leidet an Depressionen, Hulk ist cholerisch und nicht wenige haben Drogenprobleme. Man denke nur an Popeye, der von Spinat abhängig ist. Superhelden sind also eigentlich auch nur Menschen mit realen Problemen. Denn wie bekommt man Privatleben, Heldendasein und Beziehung unter einen Hut? Gezwungenermaßen führen Superhelden also ein Doppelleben. Nur ihre Geheimidentität schützt sie und ihre Lieben vor den bösen Superschurken, die eine ähnliche Verwandlung wie ihre Gegenspieler durchmachen mussten – nur nicht das Problem mit dem Doppelleben haben. Schurken haben es leichter, sie dürfen einfach nur böse sein.

Von Göttern zu Superman

Als mit Jerry Siegel und Joe Shusters „Superman“ 1938 der erste Superheld ans Licht der Öffentlichkeit trat, wurde nur eine Tradition fortgesetzt. Seit Jahrtausenden begleiteten Wesen mit überirdischen Kräften die Menschen in Form von Göttern und Sagengestalten. So sind die Superheldengeschichten nur eine konsequente Fortführung der alten Mythen. Oftmals wird sich auch Vorbildern aus der griechischen und germanischen Mythologie bedient. Es verwundert also nicht, dass sich bald auch richtige Götter unter den Superhelden wiederfanden, wie Stan Lees „Thor“. Der natürlich auf der Erde eine Geheimidentität hat - als gehbehinderter Medizinstudent Don Blake.
 
 Also denken Sie immer daran: „Es könnte jeden von uns treffen“. Der skurrile Nerd von nebenan könnte in Wirklichkeit ein Superheld sein.