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Birgit Echtler

Geschäftsführerin pro familia Landesverband

Was sind Ihre Aufgaben als Geschäftsführerin des Landesverbandes?
 Als Geschäftsführerin vertrete ich die Interessen des Beratungs-, Fach- und Dienstleistungs-verbandes pro familia Bayern nach außen. Meine Aufgaben sind in erster Linie die strategische Ausrichtung und Planung, die Öffentlichkeitsarbeit sowie die Koordination und Vernetzung der neun Orts- und Bezirksverbände in Bayern. Darüber hinaus ist der Landesverband die Schnittstelle zum pro familia Bundesverband und zu den zahlreichen, externen Partnern, wie etwa der Politik, dem Paritätischen Wohlfahrtsverband als unserem Dachverband oder Zuwendungsgebern und Förderern.
 Seit einigen Jahren setzen wir uns als Landesverband jährliche Schwerpunktthemen. Dabei handelt es sich um Themenfelder aus der täglichen Arbeit von pro familia, wie etwa „Neue Medien“ (2009), „Familie zwischen Anspruch und Realität“ (2010) oder „Sexualität und Behinderung“ (2012). Diese Jahresthemen dienen unter anderem dazu, unser Angebot und unsere Expertise gebündelt gegenüber der Öffentlichkeit darzustellen. Das Jahresthema 2011 war „Unerfüllter Kinderwunsch“.
 
 Was ist Ihr Resumee in Bezug auf die psychosoziale Beratung zum Thema „Unerfüllter Kinderwunsch“ für das Jahr 2011?
 pro familia hält bereits seit vielen Jahren ein breites Angebot zum Thema „Unerfüllter Kinderwunsch“ vor. In den letzten Jahren beobachten wir, dass die Beratungsanfragen vor allem an Orten mit Kinderwunschzentren und –praxen zunehmen. Gleichzeitig ist es schwierig, valide Zahlen über die Beratungen zu nennen. Denn oftmals kommen Frauen, Männer oder Paare wegen eines völlig anderen Problems in die Beratung, wie beispielsweise bei einer Störung im Sexualleben. Erst im Laufe der Beratung stellt sich heraus, dass sich dahinter aber in Wirklichkeit ein unerfüllter Kinderwunsch verbirgt. Vor diesem Hintergrund hat sich der Landesverband im Jahr 2011 intensiv mit dem Thema befasst: Neben dem regulären Beratungsangebot zum unerfüllten Kinderwunsch gab es zahlreiche Vorträge, Informationsveranstaltungen und Fortbildungen für die BeraterInnen. Zudem konnte die Vernetzung und die Zusammenarbeit mit Kinderwunschpraxen vor Ort intensiviert und ausgebaut werden. So stellen wir beispielsweise jetzt schon fest, dass Kinderwunschpraxen nun verstärkt PatientInnen zu uns schicken. Höhepunkt des Jahresthemas 2011 war das landesweite Forum Kinderwunsch im vergangenen Dezember in München. Das Forum Kinderwunsch hat aktuelle Entwicklungen aufgezeigt, sich mit den damit verbundenen Konsequenzen kritisch auseinandergesetzt und versucht, zur Orientierung für betroffene Frauen und Paare beizutragen.
 
 Die Entscheidung für oder gegen eine Schwangerschaft ist in den letzten Jahrzehnten scheinbar planbarer geworden. Frauen und Männer können entscheiden, ob und zu welchem Zeitpunkt sie Eltern werden möchten. Ob und wann Frauen und Männer Familie planen, hängt von vielen Faktoren ab, wie Arbeitsplatzsicherheit, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, finanzieller Absicherung oder einer verlässlichen Partnerschaft.
 Viele Frauen und Paare haben eine zu hohe Erwartung an die technischen Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin. Behandlungen der Kinderlosigkeit sind zeit- und kostenaufwendig und können belastend für die Paarbeziehung sein. Für den Erfolg kann niemand garantieren. 50 Prozent aller Paare bleiben trotz reproduktionsmedizinischer Behandlung kinderlos. pro familia ist es ein wichtiges Anliegen, sich dem Thema „Unerfüllter Kinderwunsch“ mit seiner Vielzahl von Aspekten zu widmen und sich für die betroffenen Frauen und Paare einzusetzen. Mit unserem Angebot unterstützen wir die Betroffenen, einen individuellen, für sie stimmigen Weg zu finden und passende Entscheidungen zu treffen – ganz im Sinne unseres Selbstverständnisses, uns für selbstbestimmte Sexualität und individuelle Familienplanung einzusetzen.
 
 Was wünschen Sie sich von der Politik für die Beratungsarbeit bei unerfülltem Kinderwunsch für pro familia?
 pro familia fordert die Enttabuisierung der medizinischen Behandlung und der psychosozialen Beratung und damit die Entstigmatisierung der betroffenen Paare. KinderwunschpatientInnen sollte der uneingeschränkte Zugang zu Information und qualifizierter und niedrigschwelliger psychosozialer Beratung möglich sein. Dabei sollte das Beratungsangebot bei unerfülltem Kinderwunsch bereits in die medizinische Kinderwunschbehandlung integriert werden. Darüber hinaus fordern wir die Verstärkung der Aufklärung über Ursachen und Hintergründe von Kinderlosigkeit.