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Interview Claudia Franke

Kinderwunschpatientin und Kinderwunsch-Coach

Wie ging es Ihnen, als Sie 2004 mit dem Thema unerfüllter Kinderwunsch konfrontiert wurden?
 Besonders belastend für mich und meinen Partner war zunächst, dass wir nicht wie andere Paare auf natürlichem Wege schwanger werden konnten, sondern uns dabei helfen lassen mussten. Bereits die zweite reproduktionsmedizinische Behandlung war erfolgreich, jedoch hatte ich in der zehnten Schwangerschaftswoche eine Fehlgeburt. Daraufhin klappte es einige Zeit trotz guter Versuche nicht mehr. Die Jahre bis 2008 waren sehr anstrengend und belastend, bis ich endlich wieder schwanger wurde und unsere Tochter gesund zur Welt kam.
 Aktuell wünschen wir uns ein zweites Kind. Jedoch sorgen wir uns derzeit vor allem darüber, dass mit einer erneuten langen Therapiephase unser mittlerweile eingependeltes Familienleben wieder durcheinander gebracht werden könnte. Die Angst vor der Behandlungsphase hat aber insgesamt heute einen anderen Charakter für uns – keinen so verzweifelten mehr, sondern eher einen pragmatischen. Man scheut das Geld und die verlorene Zeit sowie die Nerven, aber man hat keine Panik, kinderlos zu bleiben.
 
 Welchen physischen und psychischen Belastungen waren Sie bei den reproduktions-medizinischen Eingriffen ausgesetzt?
 Körperlich habe ich die Behandlungen relativ gut vertragen. Ich hatte aber drei Mal ein Über-stimulationssyndrom, einmal war ich deshalb auch im Krankenhaus. Die psychische Belastung war bis zur Fehlgeburt und den zwei Folgeversuchen auch noch moderat. Erst dann schlichen sich Zweifel ein, ob wir überhaupt jemals wieder schwanger werden könnten. Wir machten mit Prof. Dr. Dr. Würfels Hilfe eine ganze Reihe an Tests, die sicherstellten, dass wir „nur“ auf die richtige Eizelle warten zu brauchen. Aber es war trotzdem zermürbend.
 Ansonsten war es vor allem eine finanzielle Belastung. Bei meinem Mann in der privaten Krankenversicherung sind reproduktionsmedizinische Behandlungen komplett ausgeschlossen. Meine damals private Krankenversicherung hat nichts übernommen, da es in der privaten Krankenversicherung um das „Verursacherprinzip“ geht, wo die Krankenkasse des Verursachers komplett bezahlen muss.
 
 Haben Sie sich auf Grund Ihres unerfüllten Kinderwunsches in der Gesellschaft, bei Freunden und Kollegen ausgegrenzt gefühlt?
 Nicht direkt. Wir waren am Anfang zurückhaltend, aber im engsten Freundeskreis und in der Familie sind wir durchaus offen mit dem Thema umgegangen. Da bekamen wir keine negative Rückmeldung. Erstaunt war ich über eine gewisses Desinteresse bei manchen Freunden.
 Mittlerweile weiß ich, dass dies Hilflosigkeit derer war, die mit Krankheiten anderer nicht umgehen können. Dies ist nicht nur bei unerfülltem Kinderwunsch, sondern auch bei anderen Erkrankungen so, und wird dort ebenso aus der Selbsthilfegruppe berichtet. Besonders erstaunt war ich über ärztliche Kollegen, die teilweise der Reproduktionsmedizin komplett ablehnend gegenüber standen, ohne über die technischen Details überhaupt informiert zu sein. Nach anfänglichem Verletztsein durch unsensible Tipps von ärztlicher und nichtärztlicher Seite war ich dann zunächst in der virtuellen, später auch in der persönlichen Gemeinschaft der Kinderwünschler gut aufgehoben.
 
 Wie kamen Sie zu der Tätigkeit als Kinderwunsch-Coach?
 Nach meiner klassischen Laufbahn im medizinischen Bereich kam ich per Zufall in eine Firma, die als Dienstleister für Krankenversicherungen arbeitet und deren Services, zum Beispiel als Gesundheitshotline abwickelt. Dort beriet ich einige Jahre als Ärztin Patienten am Telefon. Da ich mittlerweile aus eigener Erfahrung sowie aus meiner mehrjährigen Tätigkeit als Moderatorin und medizinischen Beraterin im Forum www.wunschkinder.net mit der Beratung bei unerfülltem Kinderwunsch vertraut war, avancierte ich schnell innerhalb des Ärzteteams am Gesundheitstelefon zur Spezialistin für Kinderwunschfragen. 2010 kam es zum Bruch mit dieser Firma und ich saß als Freiberuflerin und mittlerweile Mutter auf der Straße. So entschloss ich mich im Oktober 2010, das Kinderwunsch-Coaching auf eigene Beine zu stellen und hatte zum Glück wegen meiner Moderatorentätigkeit keine Akquiseprobleme, sondern einen guten Projekteinstieg.
 
 Was können Sie aus Ihrer persönlichen und beruflichen Erfahrung Betroffenen raten?
 Es gibt viele Entscheidungsmöglichkeiten bei unerfülltem Kinderwunsch. Niemand ist gezwungen, den allzu offen suggerierten Weg der Reproduktionsmedizin zu gehen. Aber er ist für viele Familien die einzige Möglichkeit auf diesem Weg zu einem genetisch gemeinsamen Kind oder überhaupt zu einer Schwangerschaft zu kommen. Aber natürlich gibt es auch Alternativen, die einem zu Anfang überhaupt nicht bekannt oder vorstellbar sind. Mein Rat: Vernetzen Sie sich, wenn Sie ungewollt kinderlos sind. Es gibt unglaublich viele ungewollt kinderlose Paare und in der Gemeinschaft, egal ob online oder in der realen Welt, lässt es sich ohne Vorbehalte und mit der entsprechenden Empathie reden. Die Informationsmöglichkeiten sind unglaublich vielfältig, sollten aber einer kritischen Bewertung unterzogen werden. Der gesunde Menschenverstand ist manchmal schwierig einzusetzen bei einem Thema, das derart belastend für die eigenen Nerven ist. Damit fällt die objektive Bewertung häufig schwer. Hier können professionelle Berater helfen – in jedem Stadium der Behandlung.