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Interview Prof. Dr. Dr. Wolfgang Würfel

Reproduktionsmediziner und Mitbegründer des Kinderwunsch Centrums München

Wie hat sich die Reproduktionsmedizin in den letzten Jahren in Deutschland entwickelt?
 Die Nachfrage an reproduktionsmedizinischen Eingriffen ist in den letzten Jahren gestiegen. Das hat damit zu tun, dass es sicherlich eine erhöhte Sensibilität der Bevölkerung für Fragen der Fortpflanzungsfähigkeit gibt, aber auch damit, dass die Methoden effektiver geworden sind. Ein weiterer Grund ist, dass viele Zentren - wie auch das Kinderwunsch Centrum München - sich nicht mehr als reine Zentren für künstliche Befruchtung verstehen, sondern für ganzheitliche Konzepte unter Einschluss operativer Verfahren stehen. So werden mittlerweile auch konservative Verfahren, wie zum Beispiel das Naturheilverfahren, mit in die Behandlung einbezogen.
 
 Welchen physischen Belastungen sind die Betroffenen dabei ausgesetzt?
 Die unerwünschten Nebenwirkungen einer künstlichen Befruchtung sind deutlich seltener geworden, wie etwa das sehr unangenehme Überstimulationssyndrom, welches durch die Hormongabe von einer leichten Störung des Wohlbefindens bis hin zu einem schweren Krankheitsbild reichen kann. Man hat gelernt, mit diesen Problemen besser umzugehen, so dass vieles seinen Schrecken verloren hat. Dazu trägt sicherlich auch bei, zum Beispiel bei hormonellen Stimulationsbehandlungen zu individualisieren. Auch erlebt der natürliche Zyklus bei künstlichen Befruchtungen eine Renaissance.
 
 Nehmen Sie als Mediziner auch psychische Belastungen und Veränderungen bei den Patientinnen und Partnern wahr?
 Kinderwunschpaare sind oft sehr diszipliniert, so dass sie sich ihre psychischen Belastungen nicht anmerken lassen. Fragt man aber gezielt nach, dann unterliegen viele Paare einem chronischen Disstress (negativen Stress). Dieser wird sicherlich nicht besser, wenn sich erfolglose Behandlungszyklen aneinanderreihen. Insofern liegt es bei den betreuenden Ärzten, aktiv auf diese Problematik einzugehen und begleitende Angebote zu empfehlen.
 
 Welche Vorteile sehen Sie in einer Zusammenarbeit mit psychosozialen Beratungsstellen?
 Es hat sich gezeigt, dass Patientenpaare in einer Sterilitätssituation auf den verschiedensten Ebenen anzusprechen sind. Ein Arzt kann nicht in einer Hand alles glaubwürdig leisten. So erwarten viele Paare von den Reproduktionsmedizinern eine möglichst perfekte Umsetzung bestimmter technischer Verfahren. Die meisten würden es aber kaum akzeptieren, wenn ein- und derselbe Arzt gleichzeitig Naturheilverfahren oder Homöopathie anbietet, geschweige denn eine psychosoziale Begleitung. Dies alles muss – wenn es glaubhaft sein soll – von anderer Seite kommen. Insofern ist die Zusammenarbeit mit psychosozialen Beratungsstellen sehr hilfreich.
 
 Wie könnte Ihrer Meinung nach eine künftige Kooperation von Reproduktionsmedizin und psychosozialer Beratung aussehen?
 Kooperationsmodelle gibt es bereits. Ich denke, dass man den Angebotscharakter aber noch stärker herausstellen sollte. Interessanterweise beobachtet man grob zwei Gruppen von Paaren: die einen, die eine psychosoziale Beratung und Begleitung wünschen und nachfragen, ja sogar voraussetzen. Und die andere Gruppe, die daran überhaupt nicht interessiert ist, sozusagen die „technophilen“ Paare. Insofern wird man den Patientenpaaren nur Angebote machen können, wobei die Informationen aber umfassend und aufklärend sein sollten. Denn gelegentlich gibt es bei den Paaren falsche Vorstellungen darüber, was eine psychosoziale Beratung und Begleitung ist.
 
 Weitere Informationen unter: www.kup.at/kup/pdf/8348.pdf