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Kurzinterview mit Michael Meyen

Boulevardnachrichten haben Konjunktur, während wichtige Themen unter den Tisch fallen. Welche Rolle spielen die klassischen Nachrichtenfaktoren im Journalismus?

Den ersten Satz würde ich so nicht unterschreiben. Was sind Boulevardnachrichten und was sind wichtige Themen? Wer entscheidet, was 'wichtig' ist? Was die Nachrichtenfaktoren angeht: 'Klassisch' ist da so vieles, dass man damit jede Auswahl erklären kann. Nach unseren Studien sind die zentralen Punkte Konflikt und Prominenz sowie Nebenschauplätze, also weg von den Inhalten, hin zum Drumherum.

Viele Tageszeitungen machen Ihre Titelseiten mit ähnlichen Themen auf. Welche Rolle spielen bei der Nachrichtenauswahl die Agenturen?

Auch hier würde ich an der Prämisse zweifeln. An einem ganz normalen Tag, also nicht an einem 11. September oder nach dem Sieg im WM-Finale, sehen die Titelseiten der deutschen Tageszeitungen sehr unterschiedlich aus. Man will sich von der Konkurrenz abheben. Der Redakteur ist dies der Titelstory des eigenen Mediums schuldig.

Welche Themen haben es schwer, in die Schlagzeilen zu kommen? In welchen Situationen wurden Sie selbst schon mit dieser Diskrepanz konfrontiert?

Schwer haben es weniger Themen, sondern Deutungen und Interpretationen - vor allem solche, die von Minderheiten ohne gesellschaftliches Gewicht vertreten werden. Ein Beispiel: die Einordnung des DDR-Sports beim Blick auf die deutsche Medaillenbilanz von London 2012.

Welche Möglichkeiten sehen Sie, um schwierige und ungeliebte Themen in die Medien zu bringen?

Eigentlich keine. Warum sollte ich das auch tun wollen? Es gibt in Deutschland allen Medienkrisen zum Trotz sehr gute Journalisten, die die Zeit und den Ehrgeiz haben, jede nur denkbare Exklusivgeschichte druckreif vorzubereiten und das im Zweifel gegen den Druck von Lobbyisten aller Art durchzustehen. Journalisten werden dafür bezahlt, relevante Themen zu erkennen, und schauen der Konkurrenz bei diesem Job schon aus purem Eigeninteresse ganz genau auf die Finger.