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Wim Wenders 'Im Lauf der Zeit': Kino im Kino

Internationaler Filmkritikerpreis Filmfestspiele Cannes 1976

Robert setzt seinen Käfer mit Vollgas in die Elbe. Eine Sandbank vereitelt seinen halbherzigen Selbstmordversuch. Bei Bruno findet Robert trockene Kleider. Es beginnt eine Freundschaft, die beiden einen Neubeginn ermöglicht. Am Ende ihrer Reise in einem alten Möbelwagen werden sie sich trennen, weil sie sich zu nahe sind.
 
 Im Mittelpunkt des Films steht die Beziehung zwischen zwei Männern. Der eine, Bruno, zieht durch die Lande und repariert Kinoprojektoren, der andere, der suizidgefährdete Robert, hat sich soeben von seiner Frau getrennt. Sie lernen sich kennen und begeben sich mit Brunos umgebauten, altem Möbelwagen auf eine lange Reise über die staubigen Straßen entlang der damaligen deutsch-deutschen Grenze. Beide, einsam und introvertiert, sehnen sich nach weiblicher Gesellschaft, können jedoch weder mit noch ohne Frauen leben.
 
 Doch ist dies nicht das einzige Thema des Films, es geht hier auch um das generelle Problem, miteinander zu kommunizieren, und um die Amerikanisierung des deutschen Lebens. Nicht zufällig antwortet Robert auf Brunos Anekdote, dass er einmal während eines Streits mit einer Frau die Melodie des Elvis Presley Songs Mean Woman Blues im Ohr hatte: „Die Amerikaner haben unser Unterbewusstsein kolonialisiert“.
 
 Im „Lauf der Zeit“ gibt es eine Art Theater auf dem Theater, oder besser gesagt: Kino im Kino. Wenders liegt der Zustand dieser Kunstform natürlich ganz besonders am Herzen. Dass viele Lichtspieltheater auf dem Lande schließen müssen, wenn sie nicht irgendwelchen Verleih-Schrott zeigen, tut ihm weh. Er lässt eine Kinobesitzerin vom alten Schlage philosophieren über den Film als „Kunst des Sehens“. Sie sagt: „So wie es jetzt ist, ist es besser, es gibt kein Kino mehr, als dass es ein Kino gibt, wie es jetzt ist.“ Von der Neonschrift eines Lichtspieltheaters mit dem Namen „Weiße Wand“ funktionieren nur noch die Buchstaben „ww - e, n, d.“ wie wim wenders end.
 
  „Wim Wenders Film mischt Elemente des amerikanischen Road Movies mit den Stilmitteln deutscher Erzählkunst im Film und findet dabei zu einer eigenen Ausdrucksweise, die von Kritikern gefeiert und in Cannes mit dem Preis der Filmkritik belohnt wird. Zugleich verschafft „Im Lauf der Zeit“ Wenders den Durchbruch als Regisseur mit internationaler Anerkennung“ (Chronik des Films 1996, S. 434).
 
  Regie und Buch: Wim Wenders, Kamera: Robbie Müller, Martin Schäfer, Darsteller: Rüdiger Vogler, Hanns Zischler, Lisa Kreuzer, Marquardt Bohm, Preis: Internationaler Filmkritikerpreis Filmfestspiele Cannes 1976 für Film