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Das Kino von morgen wird das Kino von gestern sein!

Interview mit Siegfried Daiber, Betreiber des MAXIM Kinos

Steht hinter dem MAXIM Kino eine besondere Philosophie?

Das Besondere am MAXIM ist, dass mir als Intellektueller der kulturelle Filmhintergrund wichtig ist. Er muss sich abheben vom massenkompatiblen Angebot der kommerziellen Großraumkinos.

Laufen im MAXIM Kino ausschließlich alte Klassiker?

Keineswegs, die Filme können gerne auch brandneu sein. Es geht mir um die Inhalte, nicht um den Mainstream. Sie müssen auf jeden Fall außergewöhnlich sein, bloßer Durchschnitt genügt mir nicht.

Ist hier Platz für Avantgarde und Understatement?

Gerne für beides und auch Fremdländisches, das durchaus sehenswert ist, aber es nicht in die großen Kinos schafft.

Hat sich das Publikum in den 30 Jahren, seit Sie Betreiber des MAXIM Kinos sind, verändert?

Oh ja, sehr. Der Trend geht eindeutig dahin, dass die Zuschauer Großraumkinos im Stadtzentrum bevorzugen, an Stelle eines intimen Vorstadtkinos. Abgesehen davon, dass sich das Leben zusehends virtualisiert und online abspielt. YouTube macht es leicht, den Filmabend zu Hause zu verbringen. Oder man schmeißt den Beamer an und macht das Wohnzimmer zum Heimkino.

Welchen Stellenwert hat das 'Festival des gescheiterten Films'?

Es geht um Filme, die vermeintlich nicht so optimal geworden sind, wie es sich der Regisseur vorgestellt hat, oder die Finanzen gingen kurz vor Drehschluss zur Neige. Manche schafften es schlichtweg nicht ins Kino oder sind an der mangelnden Medienpräsenz und öffentlichen Wirksamkeit gescheitert. Wieder andere waren vielleicht einfach nur zu experimentell und nicht zeitgemäß oder der Zeit voraus. Jedenfalls sind es Filme, die von den Machern selbst als ‚gescheitert‘ bezeichnet werden.

Erinnern Sie sich an die ersten Filme, die Sie gesehen haben?

Da war ich etwa zehn. Ich erinnere mich an ‚Sindbad‘. Dieser Film hat mich beeindruckt, ebenso die alten Disneyfilme. Ich komme ja aus dem Schwäbischen und in unserem Dorf gab es kein großes Filmangebot. Jungendfreie Westernfilme fand ich damals auch gut. Ich habe dann immer geschaut, dass ich die 50 Pfennig zusammenkriege, um die vergünstigte Sonntagnachmittag-Vorstellung anzusehen. Fernsehen gab es damals nicht. Zumindest nicht bei uns Zuhause.

Entspringt dieser Zeit Ihre Liebe zum Film?

Filme anzusehen war damals eine sehr willkommene Abwechslung, bei der ich quasi hängengeblieben bin. Es war etwas Besonderes. Bis ich mit dem Abitur fertig war, habe ich dann als Vorführer gearbeitet. In den 50er Jahren brauchte man dafür noch ein ganz anderes Hintergrundwissen als heute. Das war eine verantwortungsvolle Angelegenheit, man durfte den Kohlebogen der sich drehenden Filmrolle nicht aus den Augen lassen. Jederzeit konnte der Kohlebogen anfangen zu brennen. Auch musste man einen Filmriss schnell richten können.

Als Berufs-Cineast haben Sie sicherlich einen Lieblingsfilm?

Einen? – Eine ganze Menge! ‚Im Lauf der Zeit‘ gehört definitiv dazu. Die meisten liefen und laufen natürlich auch hier. Gerne zeigt das MAXIM Kontroverses wie den legendären Dokumentarfilm ‚Züri brännt‘, der die revolutionäre Bewegung Zürichs 1980 wiedergibt. Den Befreiungsschlag einer ganzen Generation, mit Straßenschlachten, Nacktdemonstrationen, gelebter Autonomie und so weiter. Ebenso lief ‚Der längere Atem‘ von Christoph Boekel im MAXIM, ein Film über die antimilitärische Opposition und Wiederaufrüstung in Westdeutschland der 40er bis 50er Jahre. Es war Boekels Abschlussarbeit an der Münchener Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) und hieß ursprünglich ‚Der lange Atem‘. Die Hochschule zensierte den Film. Er wurde verboten. Gegen diese politisch motivierte Zensurmaßnahme rebellierte Boekel, indem er ihn aus eigener Tasche, exakt wie beim ersten Dreh, neu produzierte und als ‚Der längere Atem‘ veröffentlichte. Auch den umstrittenen Film ‚Beruf Neonazi‘ von Winfried Bonengel zeigte das MAXIM. Ebenso diskussionsfähig war der Film ‚Bedingungsloses Grundeinkommen‘.

Sie wollen zum Nachdenken anregen?

In der heutigen Zeit ist das nicht verkehrt. Um das Nachdenken zu erleichtern, bietet das MAXIM dazu Snacks, Riegel, Chips sowie Bier, Wein, Sekt und Kaffee an. Gerne kann auch privater Proviant mitgebracht werden, wenn die Überreste davon auch wieder mitgenommen werden. Da bin ich kulant.

Wie viele Personen passen in den Zuschauerraum?

Im Moment 80 Leute. Nach der flächendeckenden Stuhlerneuerung 94.

Was wünschen Sie sich für das MAXIM Kino?

Außer einer modernen Technik wünsche ich mir, dass die Nostalgie erhalten bleibt. Und dass die Menschen der schnelllebigen, konsumorientierten Zeit wieder zur Besinnung kommen, zurück zum Wesentlichen finden und die verloren gegangenen Werte wieder relativieren. Ein bisserl mehr Tiefgang und Muse.

Wann zieht sich der Rentner Daiber aus dem MAXIM Kino zurück?

Niemals nicht! Wenn’s nach mir geht, mach ich das hier bis zum letzten Atemzug.