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Kurzinterview mit Dr. Ulrike Wagner

Was bedeutet der Begriff Medienkompetenz?

Ein medienkompetenter Mensch verfügt über Fähigkeiten, das eigene Leben souverän mit Medien zu gestalten. Dies umfasst Kenntnisse darüber, wie die verschiedenen Medien in Gebrauch genommen werden können und Wissen dazu, wie Medien und ihre Strukturen funktionieren. Es bedeutet aber vor allem mediale Inhalte und Quellen einschätzen und bewerten zu können. In Bezug auf aktuelle mediale und gesellschaftliche Bedingungen bezogen impliziert dies aber auch die Forderung als Bürgerin und Bürger zu artikulieren, selbstbestimmt über die eigenen Daten verfügen zu können, frei darüber entscheiden zu können, wo und in welcher Form eigene Werke und Informationen zugänglich gemacht werden. Dies wird den Menschen gerade extrem erschwert und liegt leider nicht allein in ihrer Hand.

Sie sind Expertin in der Medienkompetenzarbeit. Was haben Sie bisher erreicht?

Die Geschichte der Förderung von Medienkompetenz und der aktiven Medienarbeit kann mittlerweile schon über ein paar Jahrzehnte fortgeschrieben werden. Der Erfolg dieser Arbeit wird sichtbar in den Jugendfilmfestivals, die in allen bayerischen Regierungsbezirken und alle zwei Jahre als bayernweite Veranstaltung durchgeführt werden. In München findet am 12. und 13. Februar 2014 in der Muffathalle das 31. Jugendfilmfestival statt – mit einem Rekord an über 100 Einreichungen und 60 Filmen im Programm (www.jufinale.de/flimmern). Dies ist ein Zeichen dafür, dass es Jugendlichen großen Spaß macht, ihre eigenen Werke zu erstellen und diese zu präsentieren. Aktive Medienarbeit, so wie sie am JFF durchgeführt wird, setzt genau da an: Über die Eigenproduktionen der Jugendlichen, seien es Filme, Computerspiele, Blogs oder ähnliches, Reflexion über das eigene Handeln anzuregen und das Wissen um Medienstrukturen zu erweitern.

Ihr Institut hat soeben eine Studie über Jugend und die Aneignung politischer Information online abgeschlossen. Was haben Sie herausgefunden?

Ein erstes zentrales Ergebnis ist, dass massenmediale Inhalte für Jugendliche nach wie vor als wichtige Orientierungspunkte in Bezug auf die Aneignung von Information gelten können. Sie werden aber ergänzt und erweitert durch Inhalte in Social-Media-Angebote. Zweitens zeigt sich eine enge Verzahnung von Rezeption von Information und kommunikativer Auseinandersetzung vor allem in den Sozialen Netzwerkdiensten wie Facebook. D.h. für Jugendliche heißt „Sich Informieren“ ganz selbstverständlich, anderen eine Frage zu stellen und andere über eben diese medialen Kanäle zu informieren. Drittens ist es für viele Jugendliche Teil ihres alltäglichen Medienhandelns Beteiligungsformen im weiteren Sinn zu realisieren, z.B. sich einer Gruppe online anzuschließen oder online mitzudiskutieren. So erweitern sie für sich ihre Möglichkeiten teilzuhaben, in dem Aktivitäten des Sich Informierens und des Sich Beteiligens eng miteinander in Verbindung gebracht werden. (Mehr zur Studie unter: )

Für wie wichtig halten Sie Interaktion durch Computerspiele in der pädagogischen Arbeit?

Computerspiele sind ein Bestandteil von Kinder- und Jugendkultur und gehören für viele Heranwachsende zu ihrem medialen Alltag. Vielen pädagogischen Fachkräften und Eltern fällt es allerdings noch immer schwer, dieser Beschäftigung etwas Positives abzugewinnen. Für die pädagogische Arbeit und auch für die Medienerziehung ist es sehr wichtig, auf die Interessen der Heranwachsenden einzugehen. Wie die pädagogische Arbeit rund um das Computerspielen aussehen kann, zeigt unser Projekt GamesLab, wo Jugendliche in Werkstätten die Möglichkeit haben, eigene Computerspiele zu kreieren, sich über Computerspiele und deren Faszination aber auch über Schwierigkeiten mit einem möglichen „Zuviel spielen“ auseinandersetzen können (www.jff.de/games/gameslab).

Haben Heranwachsende in soziaschwachen und bildungsbenachteiligten Milieus noch Chancen, gesellschaftlich akzeptiert zu werden? Was kann Medienpädagogik hier leisten?

In unserer Studie „Medienhandeln in Hauptschulmilieus“ konnten wir herausarbeiten, dass diese Heranwachsenden vor allem über die Schule nur sehr selten Anerkennung erhalten und ihnen ist bewusst, dass sie nur in bestimmten Berufsfeldern überhaupt Chancen haben, eine Ausbildung zu machen. Die aktive Medienarbeit ist ein Zugang, um mit diesen Heranwachsenden zusammen ihre Ressourcen zu entdecken und im kreativ-schöpferischen Gestalten von Medien Potenziale freizusetzen, die wiederum ihre Handlungs- und Sozialkompetenzen in anderen Bereichen stärken können. Aber bei vielen Heranwachsenden, die in problembelasteten oder/und benachteiligenden Verhältnissen aufwachsen, dominieren andere Dinge den Alltag (etwa Arbeitslosigkeit der Eltern, Armut oder Gewalterfahrungen), sodass hier insgesamt unterstützende Strukturen gefragt sind, die diese Jugendlichen stärken, um ihr Leben zu bewältigen.
 
 Das Interview führte Evelyn Kohler
 
 
 Kurzporträt Dr. Ulrike Wagner