Link zur Startseite

GWUP - Digitale Pressemappe

Pressemitteilung Kurzporträts Interviews Hintergrund Downloads Pressespiegel Pressekontakt Impressum Logo der Stiftung Journalistenakademie Dr. Hooffacker GmbH und Co. KG

Interview mit Amardeo Sarma

„Wir wollen die Menschen vor unseriösen Angeboten schützen“

Über 1.300 Mitglieder sind in der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften GWUP organisiert. Für das Engagement gegen pseudowissenschaftliche „Forschungsansätze“, die Alternativmedizin und Fälschungen wie das Turiner Grabtuch steht auch ihr Vorsitzender Amardeo Sarma.

Herr Sarma, Sie haben die GWUP mitbegründet. Was war Ihre Motivation?
 Mitte der Achtziger Jahre hat die Bundesregierung ein Forschungsprojekt zu den „Einflüssen von Erdstrahlen, Erdmagnetismus und kosmischen Einwirkungen auf die Gesundheit des Menschen“ aufgelegt. Ich fand das zutiefst unwissenschaftlich und wollte nicht länger hinnehmen, dass solche „Forschungsansätze’ unwidersprochen bleiben. Daher habe ich mich 1987 mit einigen Mitstreitern organisiert. Vorbild war die große US-amerikanische Skeptikerorganisation, die heute Committee for Skeptical Inquiry (CSI) heißt.
 
 Wie viele Mitglieder hat die GWUP, woher kommen sie und wie sind sie organisiert?
 Wir haben über 1.300 Mitglieder aus den verschiedensten Berufen. Darunter viele Akademiker, aber auch ganz andere Gruppen. Für manchen mag es kurios klingen: Es sind viele Zauberkünstler dabei. Aufgrund ihres Berufs durchschauen gerade sie Täuschungen sehr schnell. Regelmäßig gibt es Regionaltreffen. Einmal im Jahr kommen alle aus dem deutschsprachigen Raum bei der SkepKon zusammen.
 
 Das SkepKon-Programm ist breit gefächert. Welche Schwerpunkte setzen Sie in der GWUP?
 Aktuell beschäftigen uns besonders die Alternativmedizin und fragwürdige Psychoangebote für den beruflichen Erfolg. Die jeweiligen Fachverbände und Hochschulfakultäten äußern sich unserer Ansicht nach nicht klar genug dagegen. Wir wollen die Menschen vor unseriösen Angeboten schützen. Die traditionellen Verbraucherschutzorganisationen decken das nicht ab.
 
 Sind die Skeptiker eine weltweite Bewegung?
 Seit den Achtzigern schon. 1996 fand die erste globale Skeptikerkonferenz in den USA statt. Am stärksten sind die Verbände in Westeuropa, Nordamerika und Australien.
 
 Was beschäftigt die Skeptiker in den Länderorganisationen?
 Das ist sehr unterschiedlich. Die italienische CICAP engagiert sich gegen PSI – also etwa Hellsehen oder Telepathie – und angebliche Wunder und Reliquien wie das Grabtuch von Turin. In den USA und Australien wehren sich die Skeptiker gegen den Kreationismus, die Ablehnung von Darwins Evo-lutionstheorie vor dem Hintergrund der Schöpfungsgeschichte. In den Niederlanden und in Schweden sind PSI und Astrologie wichtige Themen. Prozentual gesehen gibt es die meisten Vertreter unserer Bewegung in Schweden, absolut gesehen in den USA.
 
 Gibt es auch Skeptiker in Asien und Afrika?
 Die Skeptiker dort sind weniger organisiert als wir, aber es gibt sie. In Indien wächst der Widerstand gegen Gurus, die ungebildeten Menschen das Geld aus der Tasche ziehen. Bei der Weltskeptiker-Konferenz 2012 in Berlin hat der nigerianische Menschenrechtsaktivist Leo Igwe eine Präsentation über afrikanische Hexenkulte, die bis zur rituellen Tötung gehen können, gehalten. In seiner Heimat wurde Igwe mehrfach bedroht und inhaftiert. Nicht überall verlaufen die Debatten also so friedlich wie bei uns.