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Interview mit Dr. Martin Mahner

„Die Wissenschaft verhält sich viel zu feige“

Martin Mahner, Leiter des Zentrums für Wissenschaft und kritisches Denken der GWUP, kämpft für Aufklärung und gegen Esoterik. Jedes Jahr führt er Tests durch, in denen Kandidaten ihre angeblich übersinnlichen Fähigkeiten unter Beweis stellen können. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert – gewonnen hat ihn noch niemand.

Herr Dr. Mahner, was ist das Ziel und die Aufgabe Ihres Zentrums?
 Das Zentrum ist die erste Anlaufstelle für alle GWUP-relevanten Themen. Wir beantworten Anfragen, wir haben eine Bibliothek und wir vermitteln Experten oder Referenten.
 

Mit welchen Anliegen richten sich die Menschen an Sie?
 Die Themen gehen von Astrologie bis Zelltherapie. Etwa: Soll ich den Wünschelrutengeher in mein Haus bestellen, in dem ich so schlecht schlafe? Oder: Mein Partner ist einem „Heiler“ erlegen, welches Behandlungskonzept steht da eigentlich dahinter? Wir können den Anfragenden Sachinformationen anbieten, jedoch keine psychologische Beratung. Wenn jemand in Gefahr ist, in Abhängigkeit von einer Psychogruppe zu geraten, verweisen wir an Sektenberatungsstellen; bei juristischen Fragen an den Deutschen Konsumentenbund.
 

Wo sehen Sie den größten Aufklärungsbedarf bei den sogenannten Parawissenschaften?
 Die Alternativmedizin ist sicher der gefährlichste Bereich, weil damit die Gesundheit und teilweise sogar das Leben von Menschen gefährdet werden. Schlimm ist, dass Alternativmediziner mittlerweile versuchen, sich über Stiftungsprofessuren und andere Tricks in die Unis einzuschleichen. Hokuspokus wie Homöopathie wird sogar schon im Pharmaziestudium gelehrt. Die Politik macht diesen Unfug mit, und die Universitäten verhalten sich viel zu feige. Wir würden uns mehr Unterstützung von den Hochschulen wünschen.
 

Die GWUP veranstaltet einmal im Jahr Tests, bei denen Leute ihre angeblich übersinnlichen Fähigkeiten unter Beweis stellen können. Wie läuft das ab?
 Es handelt sich um simple Doppelblind-Tests. Ein Kandidat behauptet zum Beispiel, er könne mit einem Pendel einen Goldring orten. In diesem Fall nehmen wir zehn kleine Schächtelchen, in eines kommt ein Goldring. Der Kandidat geht dann mit seinem Pendel darüber und sagt beispielsweise, der Ring liege in Schachtel Nummer drei. Der Test wird aus statistischen Gründen mehrmals wiederholt. Es ist niemand im Raum, der weiß, wo der Ring ist, und der, vielleicht unbewusst, durch kleinste Zeichen etwas signalisieren könnte.
 

Hat schon einmal jemand den Test gewonnen?
 Nein, seit 2004, seitdem wir die Tests durchführen, hat noch niemand die 10.000 Euro Preisgeld gewonnen. Die Trefferquoten bewegten sich immer im Bereich der Ratewahrscheinlichkeit.
 

Was für Menschen sind das, die sich magische Kräfte zusprechen oder esoterische Produkte anbieten? Betrüger, Geschäftemacher, Leichtgläubige oder Dumme?
 Mit dem Begriff Betrug muss man sehr vorsichtig sein, denn Betrug setzt eine Absicht voraus. Die allermeisten Vertreter von Parawissenschaften und esoterischen Heilmitteln glauben aber selbst fest an den Unfug, den sie verbreiten. Das heißt, sie erliegen zuerst einer Selbsttäuschung und mit der Überzeugungskraft des eigenen Glaubens täuschen sie andere – in wohlwollender Absicht. Nur ganz wenige verkaufen bewusst und wissentlich Quatsch, nur um Geld zu machen.