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Im Kampf mit den Elementen – 100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Ottobrunn

Vom überschaubaren Brand einer Landgaststätte im Münchner Vorort zum bundesweiten Großeinsatz: Ein kurzer Einblick in die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Ottobrunn (FFO)

Was hat König Otto von Griechenland mit der Freiwilligen Feuerwehr Ottobrunn zu tun? Ganz einfach: In der Nähe der 12 km vor München platzierten Ottosäule war die Keimzelle der FFO: 1832 wurde dort der jugendliche Wittelsbacher nach Griechenland verabschiedet, um seine Herrschaft als erster König von Griechenland anzutreten.
 
 Die Erinnerungs-Säule markierte den Mittelpunkt dreier in der Nähe gelegener Waldsiedlungen. Und in einer davon stand das Waldschlösschen, eine Gaststätte mit Kegelbahn, in der eines Tages im Jahr 1914 ein Brand ausbrach. Die folgenden Löschbemühungen legten den Grundstein der FFO, damals Freiwillige Kolonistenfeuerwehr genannt. Über 40 Jahre lang war die Freiwillige Feuerwehr also aktiv, als sich 1955 die drei Siedlungen zur Gemeinde Ottobrunn zusammenschlossen.
 
 Schwarzbauten für den wachsenden Fuhrpark
 
 1926 konnten die Feuerwehrler ein eigenes Gerätehaus in der Ecke Rosenheimer Landstraße beziehen, das eher einer Scheune glich. Dass diese wegen der zunehmenden Rettungseinsätze und durch Technik und Material irgendwann aus allen Nähten platzte, ist nicht verwunderlich. Anbauten entstanden zunächst immer mehr als Schwarzbauten – damals sah man das noch nicht so streng. Und die Notwendigkeit hat es schließlich gerechtfertigt.
 
 Aber immer noch war die Feuerwehr die Arbeit von wenigen Engagierten: Improvisation war alltäglich, alle verfügbaren Mittel wurden einfallsreich eingesetzt: zum Beispiel 1929 beim Umbau eines alten Postautos zum Feuerwehrauto. Gleichzeitig kam erstmals eine tragbare Motorspritze zum Einsatz.
 
 Die 30er-Jahre und die Kriegszeit
 
 Rettung verlangt viel Herzblut und Opfer. Leicht war es nicht, einsatzbereite und -fähige Mithelfer zu finden. So kam es 1934 zur Einführung einer Pflichtfeuerwehr, die immerhin aus 12 Männern bestand, die im gleichen Jahr der allgemeinen Feuerschutzpolizei eingliedert wurde und in der Folgezeit in blauer Uniform zu den Einsätzen fuhr.
 Aus der Kriegszeit sind keine Unterlagen erhalten. Es gibt Berichte über zahlreiche Einsätze nach Bombardierungen. Vereinzelt bildete die Bevölkerung auch eigene Löschgruppen aus Jugendlichen und Rentnern da die kräftigsten Männer im Krieg waren.
 
 Und die Frauen?
 
 Inwieweit direkt oder indirekt schon damals, vor allem in Kriegszeiten, auch Frauen an Einsätzen der Feuerwehr beteiligt waren, darüber kann man nur spekulieren. Mit Sicherheit werden sie bei Notlage tatkräftig mitgeholfen haben. Offiziell nahm die Feuerwehr erst 1996 die erste Frau in ihre Reihen auf. Mit wachsendem Zuspruch: 2011 sind bereits 20 Prozent der gesamten „Mannschaft“ weiblich.
 
 Die Zeit des Wiederaufbaus
 
 Nach dem Krieg war die Gemeinde wieder für den Feuerschutz zuständig und stellte 35 abrufbereite Männer. Die Techniken wurden komplizierter, die Schulung der Mitarbeiter gewann in der Folgezeit an Bedeutung. Damit war es an der Zeit, sich um den Nachwuchs zu kümmern und diesen frühzeitig für die Einsätze zu begeistern und professionell mit den Rettungsmaßnahmen vertraut zu machen.
 
 1958 entstand eine eigene Jugendfeuerwehr. Zur selben Zeit wurde das erste Löschfahrzeug der neuen Generation für den Fuhrpark geschaffen: Der „legendäre“ TLF 16 – damit ist die Truppe in der Lage, die häufigen Wiesen- und Waldbrände wirksam in Schach zu halten.
 
 Mehr Industrialisierung – mehr Gefahren – mehr Einsätze – mehr Technik
 
 Im gleichen Jahr siedelte sich das Luftfahrtunternehmen MBB in Ottobrunn an und die Region entwickelte sich in der Folgezeit zu einem Industriestandort. Technische Neuerungen hielten auch Einzug bei der Feuerwehr: So wurden Atemschutzmasken zur Pflicht, und seit 1962 waren die Fahrzeuge mit Sprechfunkgeräten ausgestattet. Das Einsatzgebiet der Vorort-Feuerwehr weitete sich aus: Wohnhausbrände wurden auch in der Innenstadt gelöscht, nachweislich zum Beispiel in den 60er Jahren bei einem Brand in der Kaulbachstraße.
 
 Allzeit bereite Allroundprofis
 
 Durch vermehrte Chemieunfälle ab den 70ern gewinnen Chemie- und Strahlenschutzmaßnahmen an Bedeutung. Entsprechende Schutzausrüstung muss bereitstehen, Fachkenntnisse sind zu vermitteln. Heute werden Ottobrunner, die sich für die ehrenamtliche Arbeit interessieren und körperlich wie auch psychisch geeignet sind, umfassend geschult und mit den verschiedensten Einsatzgeräten vertraut gemacht. Jugendliche dürfen ab 14 Jahren mitmachen: Dann durchlaufen sie einen zwei Jahre dauernden Kurs, bis sie das erste Mal mit den „Großen“ zum Einsatz ausrücken dürfen.
 
 Heute begeistern sich Jungen wie Mädchen für den faszinierenden, ungemein lehrreichen und abenteuerlichen Job, der nicht nur wichtige Fachkenntnisse wie den richtigen Umgang mit Löschwerkzeug, den fachgerechten Einsatz von Schaum, das Vorgehen bei der Bergung von Verkehrsopfern vermittelt, sondern durch regelmäßige Veranstaltungen wie Besichtigungen, Ausflüge und den Austausch mit Partnergemeinden das Gemeinschafts- und Verantwortungsgefühl stärkt: Softskills, die in der unübersichtlichen Welt von heute immer stärker gefragt sind.
 
 Heute – ein perfekt durchgetaktetes „Unternehmen“
 
 Das Gerätehaus befindet sich seit 1971 in der Ottostraße. Hier gibt es viel Platz für Material und Fahrzeuge, die von einem Gerätewart in Schuss gehalten werden. Jeder im Team hat seine Aufgabe und trägt mit seiner Fachkompetenz zur gut aufgestellten Mannschaft bei.
 
 Im Vorfeld der Olympischen Spiele 1972 bezieht man die bewährte Mannschaft vorsorglich in die Alarmplanung ein. Heute wird die Profitruppe, die auf einsatztolerante Arbeitgeber angewiesen ist, bis über die Grenzen Münchens hinaus rekrutiert. Es gibt bei Notfällen kaum ein Einsatzfeld, das sie nicht bewältigen könnte: ob Zugunglücke, Brände, Orkanstürme, Überflutungen, Chemie- oder Verkehrsunfälle. Manchmal hilft die Feuerwehr auch in entfernten Gebieten Deutschlands, zum Beispiel beim Hochwasser von 2002 in Dessau. Mit zwölf Stunden brach die FFO dabei auch den Anfahrtszeitrekord.
 
 Durch die neue Schutzkleidung sind die Rettungsleute seit 1996 im grellorangeroten Outfit mit gelben Reflexstreifen besonders gut erkennbar. Und da die technische Entwicklung auch heute nicht stehenbleibt, Fuhrpark und Personal wachsen und alle durch spezielle Kurse geschult werden müssen, werden Fuhrpark und auch die Verwaltung, die Werkstätten und die sozialen Einrichtungen laufend umgebaut. 2010 wurde das umgebaute Gerätehaus bei einer Feier eingeweiht.
 
 Mittlerweile hat sich die Art der Einsätze erweitert: Die Mannschaft rückt nicht nur zu Feuerwehreinsätzen aus, sondern übernimmt durch ihre Abrufbereitschaft rund um die Uhr heute auch einen Erste-Hilfe-Dienst, den aus den USA übernommenen „First Responder“: eine fachgerechte Erstversorgung bei Unfällen, bis der Notarzt eintrifft. Von den etwa 700 Einsätzen pro Jahr machen diese Fahrten bereits rund 40 Prozent aus.
 
 Die Faszination der Elemente: Ehrenamtliche brennen für ihre Sache
 
 Die FFO, die heute etwa 170 Ehrenamtliche zählt, hält die Leidenschaft für die Sache zusammen; die Freude an der Gemeinschaft und am Zusammenhalt; die Erfahrung, sämtliche Bedrohungen durch Wasser, Wind, Feuer, Natur- oder Verkehrskatastrophen im gemeinschaftlichen Einsatz mit bewährter und ständig eingeübter Disziplin bezwingen zu können; das Bemühen um stetige Verbesserung und Perfektionierung der technischen und personalen Mittel; die Bereitschaft, für eine gute Sache persönliche Opfer zu bringen.
 
 Alles wertvolle Eigenschaften, durch die eine Organisation erst funktionieren kann. Solange sich die „Helden des Alltags“ für diese Arbeit begeistern lassen und begeistern können, wird die Erfolgsgeschichte der Freiwilligen Feuerwehr Ottobrunn weitergehen.