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Einsätze aus 100 Jahren

Im Lauf von 100 Jahren ist die Ottobrunner Feuerwehr zu Tausenden von Einsätzen ausgerückt. Viele der Brände, viele der Unfälle, viele der Hilfeleistungen sind bei der Bevölkerung längst in Vergessenheit geraten.
 
 Wer erinnert sich noch an die beiden Großbrände im Gymnasium, an die Brandstiftungsserie in der Tiefgaragenanlage unter der Ortsmitte, an die Brände auf dem so genannten „Gräsa-Gelände“ oder bei der Firma Vangerow? Und wer könnte diese Brände auch einem konkreten Zeitraum zuordnen? Eher noch in Erinnerung geblieben sein dürften die beiden Großbrände, die die Gemeinde unmittelbar betroffen haben – im Hallenbad und im Haus für Wohnungsnotfälle am Haidgraben.
 
 Nicht von ungefähr trägt das frühere Hallenbad heute den offiziellen Namen „Phoenix-Bad“ – benannt nach der mythischen Vogelgestalt, die verbrennt und aus der Asche neu entsteht. Abgesehen von spektakulären Bränden: Wer erinnert sich noch an Gefahrgut- und Verkehrsunfälle im Ortsgebiet?
 
 Wer weiß, dass die Ottobrunner Feuerwehr 1975 in Warngau bei dem bis 1998 schwersten deutschen Eisenbahnunglück mit 41 Toten stundenlang mit ihrem schweren hydraulischen Rettungsgerät im Einsatz stand? Wer hat noch den von der Presse und den älteren Feuerwehrkräften öfters genutzten Begriff der „Todeskreuzung“ und kann ihre Lage benennen?
 

Brände, die in Erinnerung bleiben

Dem Mitbürger, der von einem großen Unglück oder einem kleinem Malheur betroffen war, wird die Hilfe durch die Feuerwehr ein Leben lang in Erinnerung bleiben. Auch den Feuerwehrleuten, die zu hunderten von Einsätzen während ihre Feuerwehrkarriere ausrücken, blieben manche ein Leben lang in Erinnerung. Gerne denken sie an Situationen zurück, bei denen es ihnen gelang, bei einem heftigen Brand das Gebäude und wertvolle materielle und immaterielle Sachwerte zu erhalten oder gar ein Menschenleben aus lebensbedrohlicher Lage zu retten.
 
 Hin und wieder muss man als Einsatzkraft auch die Machtlosigkeit erleben, wenn ein Anwesen trotz langem und hartem Kampf mit dem Feuer in Schutt und Asche versinkt und trotz aller Schnelligkeit und Mühen ein Menschenleben nicht mehr zu retten war. An manche dieser Einsätze erinnert man sich minutiös – als ob sie erst gestern passiert wären. Bei anderen dieser Einsätze ist die Erinnerung verblasst oder wurde bewusst verdrängt. Denn Feuerwehrleute erleben auch immer wieder psychisch belastende Situationen.
 

Einsätze nicht nur in Ottobrunn

Der allergrößte Teil der Einsatzstellen lag und liegt in Ottobrunn. Selbstverständlich ist die gegenseitige Hilfe und Unterstützung der Nachbarwehren. Durch die Größe der Wehr, den hohen Personalbestand – insbesondere auch tagsüber -, die umfassende Ausrüstung mit speziellen Geräten und Fahrzeugen erfolgten Alarmierungen oft auch zu Einsatzstellen im südöstlichen Landkreisgebiet.
 
 Besonders die Gemeinden entlang der Rosenheimer Landstraße von Neubiberg bis Aying sowie das östlich angrenzende Putzbrunn zählten zum Ausrückgebiet, denn in Ottobrunn waren die erste Drehleiter und der erste Rettungsspreizer für diese Region stationiert. Dank dem zunehmenden technischen Ausstattungsgrad der Nachbarwehren ist dort auch schnelle Hilfe möglich.
 
 Man muss nicht mehr die Anfahrt einer Nachbarwehr abwarten, sondern kann dem Bürger schnell und kompetent helfen. Die Ottobrunner Feuerwehr merkte dieses an der Abnahme der Alarmierungen zur Nachbarschaftshilfe.
 
 Andererseits tauchen Ortsnamen im Einsatztagebuch auf, die in früheren Jahrzehnten kaum denkbar gewesen wären. Insbesondere Unwettereinsätze erfordern verstärkt den überörtlichen Einsatz der Wehren. Innerhalb von 20 Jahren kam daher die Ottobrunner Wehr innerhalb Bayerns in den Landkreisen Deggendorf, Garmisch-Partenkirchen, Miesbach, Pfaffenhofen an der Ilm sowie einmal sogar außerhalb Bayerns in Sachsen-Anhalt zum Einsatz.
 

Erinnerung an Einsätze aus 100 Jahren

Die Auswahl an Einsätzen, an die im Rahmen des Festbuches zur 100-Jahr-Feier erinnert werden soll, ist herausfordernd. Aus den ersten Jahrzehnten liegen nur sehr spärliche Überlieferungen vor. Eine fotografische Dokumentation der Arbeit der Wehren an der Einsatzstelle war mit großem Aufwand verbunden und fand sehr selten statt. Erst seit 1974 sind die ausgefüllten Einsatzberichtsvordrucke erhalten und dienen als Nachschlagewerk.
 
 Als weitere Quelle bieten sich Zeitungsartikel an – mit allen Einschränkungen, die durch die tagesaktuelle Berichterstattung bedingt sind: Gesicherte Erkenntnisse zur Brand- oder Unfallursache, zur Anzahl von Verletzten und Toten, zum Schweregrad der Verletzungen, der Anzahl der eingesetzten Wehren und ihrer konkreten Tätigkeiten lagen oft bis zu Redaktionsschluss nicht vor oder gingen in der Hektik des Einsatzes und des Zeitdrucks sowohl auf Seiten der Feuerwehr als auch auf Seiten des Zeitungsredakteurs unter. So bleiben als Basis für die Berichterstattung nur noch die Erinnerung der Einsatzkräfte, die an dem Einsatz mitgeholfen haben sowie die zeitnah erstellten Berichte.
 

Archivierung heute viel einfacher

Für die Jahre seit 2003 liegen die jährlich erstellten Infoschriften vor. Zudem achtet man im Einsatz viel mehr auf die fotografische Dokumentation. Mit dem Wandel vom Negativ- oder DIA-Film zur digitalen Fotografie mit Fotoapparat, Smartphone oder Tablet-PC ist Fotografieren und Archivieren einfacher geworden. Daher ist die Informationsdichte im letzten Jahrzehnt stark angestiegen. Das äußert sich auch daran, dass in den nachfolgenden Kapiteln unter den Titeln ‚Retten – löschen – bergen – schützen’ vor allem an Einsätze aus der zweiten Hälfte der Ottobrunner Feuerwehrgeschichte erinnert wird.
 
 Die Vielfalt der Aufgaben, die von einer Feuerwehr im Einsatz erledigt werden soll, ist unermesslich groß. Aber alle lassen sich einem dieser vier Tätigkeitsfelder ‚Retten – Löschen – Bergen – Schützen’ zuordnen.