Pressekonferenz am 22. Juli 2014

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Interview mit Gabriele Lerch-Wolfrum

„Wir bauen die Jugendsozialarbeit aus“

Gabriele Lerch-Wolfrum, Referentin für Jugendhilfe und stellvertretende Referatsleiterin im Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration, weiß genau, was gute Beratungsarbeit ausmacht.

Frau Lerch-Wolfrum, welche Entwicklung gibt es zurzeit in der Jugendsozialarbeit?
 
 Wir bauen die Anzahl der Stellen für sozialpädagogische Fachkräfte an Schulen weiter aus. Jugendsozialarbeit hat in Bayern Tradition. Die soziale Herkunft junger Menschen darf nicht über deren Zukunft entscheiden. Deshalb ist von größter Bedeutung, dass sozial benachteiligte junge Menschen frühzeitig und ganzheitlich unterstützt werden. In Bayern gibt es beispielsweise seit 2003 die Jugendsozialarbeit an Schulen: Dort arbeiten sozialpädagogische Fachkräfte gewissermaßen als die „Filiale“ des Jugendamtes. Sie kümmern sich gezielt um einzelne junge Menschen. Bei Konflikten im familiären oder schulischen Umfeld können sie frühzeitig riskante Entwicklungen verhindern. Heuer bauen wir die Anzahl der Fachkräfte bis auf 720 aus, bis 2019 sind 1.000 Vollzeitstellen unser Ziel.
 
 Haben Sie sich schon einmal überlegt, in einen anderen Fachbereich zu wechseln?
 
 Der Jugendhilfe bin ich immer treu geblieben. Wenn Sie so wollen, habe ich in meinem Arbeitsleben Binnendifferenzierung betrieben: Ich war Gruppenleiterin und stellvertretende Sachgebietsleiterin im Stadtjugendamt der Landeshauptstadt München, bin dann Leiterin des Amtes für Jugend und Familie im Landkreis Freising geworden und nun seit siebzehn Jahren im Sozialministerium tätig. Alle drei Stationen waren zwar in der Jugendhilfe, die Arbeit und die Herausforderungen haben sich jedoch erheblich unterschieden. Insgesamt ist die Jugendhilfe ein hochspannendes und niemals in Routine abgleitendes Arbeitsfeld.
 
 Sind die Sorgen der Jugendlichen über die Jahre die gleichen geblieben?
 
 Im Grunde ja. Es geht darum, sich und die Familie so zu entwickeln, dass das Leben aller möglichst gut gelingt. Und dass Überforderungen vermieden werden. Die Herausforderungen aufgrund gesellschaftlicher Entwicklungen sind größer geworden: Die Doppelbelastung durch Familie und Arbeit und die Bedeutung der Medien beschäftigen alle sehr.
 
 Einmal angenommen, Personal und Budget wären gegeben. Welche Veränderung würden Sie am liebsten angehen?
 
 Aufgrund meiner Erfahrung halte ich nur etwas von nachhaltiger Entwicklung. Für mich ist es am wichtigsten, dass aufgebaute Strukturen verlässlich und belastbar sind. So wäre ein wichtiger Bereich, die Träger der öffentlichen Jugendhilfe so zu unterstützen, dass die aufsuchende Arbeit, also die „Street work“, mit dem Besuch von Jugendlichen und ihren Familien ausgebaut werden könnte. Dies wäre auch höchst sinnvoll im Hinblick auf den Kinderschutz.
 

Ein Interview von Christine Basner