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Datenjournalismus: Was kann er leisten?

Beim Datenjournalismus stehen die Daten im Mittelpunkt der Berichterstattung. Lorenz Matzat, einer der führenden Datenjournalisten in Deutschland, versteht den Begriff als Schnittmenge dreier Bereiche:
 
 „(…) erstens visueller Journalismus oder Infografiken, zweitens multimediales und interaktives Storytelling und drittens investigativer Journalismus.“ *

 
 Einfach ausgedrückt bedeutet das: Jede Wetterkarte und jeder Börsenkurs im Fernsehen ist eine Form von Datenjournalismus. Die Stärken des Datenjournalismus liegen zum einen darin, dass Journalisten damit ihre Geschichten untermauern und Infos strukturieren können, wodurch sie für das Publikum besser verständlich werden. Ein weiterer Vorteil: Mit Datenjournalismus machen sich Journalisten unabhängig von PR-gesteuerten Zahlen.
 
 Datenjournalismus birgt aber auch Risiken, denn alleinstehende Daten sind oft missverständlich. Erst im Zusammenhang mit anderen Daten gewinnen Zahlen an Bedeutung: Die Aufgabe des Journalisten ist es also Beziehungen zu geografischen Angaben, Zeiträumen oder Beziehungen zwischen Menschen herzustellen. Somit umfasst Datenjournalismus neben der Recherche in Datenbanken eine aktive Auseinandersetzung mit Daten. Dazu gehört auch die Validierung: Der Journalist muss die Informationen und Quellen sorgfältig gegenchecken und sich fragen, woher sie kommen. Für die Darstellung der Daten gilt das Motto: Je einfacher, desto besser. Besonders gut eignen sich Infografiken, die der Leser mit wenigen Blicken interpretieren kann.
 
 Datensammlungen findet man mittlerweile auf vielen Webseiten öffentlicher Einrichtungen, wie Ministerien, Ämter und Behörden. Besonders aufschlussreich ist beispielsweise die Seite des Statistischen Bundesamt www.destatis.de. Der Datenjournalismus hat eine lange Geschichte. Bereits 1821 veröffentlichte der Guardian eine Tabelle, in der die Kosten pro Schüler an den Schulen von Manchester dokumentiert wurden. In den letzten Jahren erfuhr der Datenjournalismus eine neue ungeahnte Popularität: 2010 durch die Veröffentlichung tausender Datensätze des US-Militärs durch Wikileaks sowie 2013 durch die Offshore-Leaks.
 
 Quelle: „Innovation in den Medien“ (Datenjournalismus / Bernd Oswald)
 
 * www.datenjournalist.de