Lange Nacht des Menschenrechts-Films in München
ARRI-Kino 28. Januar 2015 19 Uhr
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Kurzportraits der Podiumsgäste und Interviews

Christian Baudissin

Biografie
 
 Christian Baudissin, geboren 1956, ist in Frankreich und Äthiopien aufgewachsen. Er studierte an der renommierten Hochschule für Film und Fernsehen in München im Bereich Dokumentarfilm und TV-Journalismus und schloss diese 1984 ab. Danach arbeitete er an verschiedenen Kino- und TV-Produktionen mit und war als Produzent und Regisseur für ZDF, WDR, SWF und BR tätig. Christian Baudissin ist Redakteur für Dokumentarfilme beim Bayerischen Fernsehen. Bei dem prämierten Film „Camp 14 – Total Control Zone“ fungierte er als Co-Produzent (mit Arte/WDR und Axel Engstfeld Film GmbH in Köln).
 
 Wie ist die Idee zu dem Dokumentarfilm „Camp 14 – Total Control Zone“ entstanden?
 
 Die Idee kam dem Regisseur Marc Wiese und mir bei der Veröffentlichung eines Artikels über den Protagonisten des Films, Shin Dong-hyuk 2008, in der Washington Post. Die Konkurrenz war groß, aber Marc Wiese bekam damals den Zuschlag für den Film weil er im Gegensatz zur Konkurrenz kein Geld geboten hat und sich außerdem schon vorher mit der Nordkorea-Thematik beschäftigt hatte und bereits in Verbindung mit Menschenrechts-organisationen in Südkorea war.
 
 Wie haben Sie es geschafft, auch Täter aus dem Lager vor die Kamera zu holen?
 
 Die Menschenrechtsorganisationen in Südkorea haben für uns den Kontakt zu den Tätern, die aus dem Lager fliehen konnten, hergestellt.
 
 Wie war die internationale Resonanz auf Ihren Film? Weiß man, ob der Film für die nordkoreanische Bevölkerung zu sehen ist?
 
 Die internationale Reaktion auf den Film war wirklich sehr gut, was auch daran zu sehen ist, dass der Film einige internationale Preise gewonnen hat. In Nordkorea war der Film allerdings nicht zu sehen.
 

Hubert Heinhold

Biografie
 
 Hubert Heinhold hat an der LMU München Jura studiert. Nach seinem Staatsexamen und seiner Zulassung als Rechtsanwalt im Jahr 1977 wurde er Sozietätsmitglied in der Kanzlei Wächtler und Kollegen. Der Jurist ist auf Ausländer- und Asylrecht sowie Einbürgerungs- und Staatsangehörigkeitsrecht spezialisiert. Er ist im Auftrag des Caritas Verbandes e. V. für die Deutsche Rechtsberaterkonferenz der mit dem UNHCR und den Wohlfahrtsverbänden zur Beratung und Vertretung von Asylbewerbern und ausländischen Flüchtlingen zusammenarbeitenden Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte tätig.
 
 Wie genau sieht die Arbeit des Anwaltvereins aus?
 
 Als Anwaltverein hat der MAV zunächst die Aufgabe, die Mitglieder – also die Rechtsanwälte zu informieren. Hierzu werden zu aktuellen Rechtsfragen und Themen Veranstaltungen durchgeführt. Bei sogenannten Themenstammtischen erfolgt ein Gedanken- und Informationsaustausch. Die monatlich erscheinende Zeitschrift „MAV-Mitteilungen' enthält ebenso Hinweise auf aktuelle, auch Münchner, Entscheidungen und Entwicklungen. Die Homepage informiert darüber hinaus auch die Bevölkerung.
 
 Inwiefern trägt der Anwaltverein zur Verbesserung der Flüchtlingssituation bei?
 
 Der MAV verfolgt nicht nur berufsständige Interessen sondern hat sich – wie auch der Dachverband, der Deutsche Anwaltverein (DAV) – stets für praxistaugliche und gerechte Gesetze eingesetzt. Die Beachtung der Grundrechte und der Menschenrechte und der Einsatz für sie – wann immer sie in Frage gestellt oder gering geachtet wurden – war stets ein Hauptanliegen der Anwaltschaft, die der DAV in vielen Stellungnahmen und Gesetzesvorschägen – auch zum Flüchtlingsrecht – geäußert hat. Viele Kolleginnen und Kollegen stehen alltäglich den Schutzsuchenden mit Rat und Tat gegenüber den Behörden und Gerichten zur Seite. Der MAV organisiert eine anwaltliche Vertretung für Flüchtlinge, die am Münchener Flughafen ankommen und dem sog. „Flughafenverfahren' unterfallen.
 
 Zurzeit ist eine vehemente Diskussion zur Wahrung der Menschenrechte im Gange. Was ist die Forderung des Münchner Anwaltvereins zur aktuellen Situation?
 Der MAV fordert die strikte Einhaltung der Grund- und Menschenrechte.
 

Werner Steinmetz

Biografie
 
 Werner Steinmetz wurde 1957 geboren. Er ist diplomierter Informatiker und Mathematiker und arbeitet als Software-Entwickler in München. Seit 1981 ist Werner Steinmetz bei Amnesty International aktiv. Der Leiter des Arbeitskreises Asyl, Amnesty International München, verfügt über mehr als dreißig Jahre Erfahrung in der Beratung von Flüchtlingen.
 
 Wenn Sie Flüchtlinge beraten: Erleben Sie bei Amnesty International ähnliche Schicksale wie die in den Filmen gezeigten? Können Sie hierzu ein Beispiel nennen?
 
 Schicksale wie in den Filmen gibt es viele. Zum Beispiel die Flucht junger Somalis vor dem Bürgerkrieg, wie sie der Film Yussuf zeigt. Viele junge Menschen sind zu Fuß bis nach Libyen geflohen, mit und ohne bezahlte Schlepper, dann in Booten über das Mittelmeer, meistens nach Italien, wo sie letzten Endes auf der Straße leben mussten.
 
 Wie können Filme gesellschaftlich und politisch zum Schutz der Menschenrechte beitragen?
 
 Filme können viel zum Schutz der Menschenrechte beitragen, weil sie die Schicksale einzelner Menschen zeigen. Das ist sehr viel persönlicher als ein Bericht nur mit Text.
 
 Sind die Fälle, mit denen sich Amnesty International befasst, noch gravierender, noch tragischer als die gezeigten Schicksale?
 
 Die Fälle, mit denen wir zu tun haben, sind sehr unterschiedlich. Besonders tragisch ist es, wenn Flüchtlinge, zum Beispiel aus Syrien, davon berichten, wie sie bei Schießereien oder Bombardierungen den gewaltsamen Tod von Familienangehörigen miterleben mussten.
 Zurzeit ist eine vehemente Diskussion zur Wahrung der Menschenrechte im Gange.
 

Marko Junghänel

Biografie
 
 Marko Junghänel studierte Kommunikations- und Zeitungs¬- wissenschaft sowie Politische Wissenschaften an der LMU München und absolvierte eine Ausbildung zum PR-Berater. Er war als Berater in verschiedenen PR-Agenturen in Düsseldorf und München tätig und Leiter der Kommunikation und Pressesprecher beim Bayerischen Jugendring (Landesju-gendring). Seit 2004 ist er freiberuflicher PR-Berater – spezialisiert auf den Bereich Bildung und Medien. Seit Juli 2012 ist er Gesamtkoordinator des Deutschen Menschenrechts-Filmpreises.
 
 Warum brauchen wir einen Menschenrechts-Filmpreis?
 
 Unrecht braucht Zeugen, Filme legen Zeugnis über Geschehnisse in der Welt ab, sie informieren und bewegen, helfen einzuordnen und zu bewerten.
 
 Welche technischen und inhaltlichen Kriterien sind Ihnen bei der Jury-Bewertung der Filme besonders wichtig?
 
 In technischer Hinsicht sind die Bildgestaltung, der Ton und die Dramaturgie besonders wichtig. Inhaltlich sollen die Filme die gegenwärtige Lage der Menschenrechts¬verletzungen reflektieren oder Visionen und Bestrebungen zeigen, die Leidtragenden zu unterstützen.
 
 Welcher der ausgewählten Filme regt Ihrer Meinung nach ganz besonders zum Nachdenken an?
 
 Der Film „Bahar im Wunderland“ aus der Kategorie Bildung.