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Diana Staehly: Selbstfindungstrip in den Bergen

Ein Interview von Vanessa Schwake

Einfach mal aus dem Alltag ausbrechen und sich neu ordnen - darauf hat wohl jeder schon mal Lust gehabt. Diana Staehly folgte diesem Drang, nachdem sie von 1997 bis 2000 in der RTL-Seifenoper Unter Uns erste TV-Erfahrungen gesammelt hatte. Die Schauspielerin ging nach New York, um sich dort am Lee Strasberg Theatre & Film Institute ausbilden zu lassen. Zurück in Deutschland wurde die Kölnerin einem breiten Fernsehpublikum unter anderem durch die ProSieben-Serie Stromberg bekannt. Mittlerweile ist die 37-Jährige Mutter einer zweijährigen Tochter nicht nur beruflich angekommen, sondern auch privat. Ganz im Gegensatz zu der von ihr verkörperten Hanna Hellmann, die sich seit März 2015 im ZDF in den Tiroler Bergen nach einer Kurzschlussreaktion auf einen Selbstfindungstrip begibt.

Hand aufs Herz, Frau Staehly: Haben Sie sofort zugesagt, als sie die Rolle zu einer Heimatfilm-Reihe angeboten bekamen?
 
 Als ich das Drehbuch erhielt, bekam ich diese Information gar nicht. Das ist rückblickend sehr gut, weil ich so ganz unvoreingenommen an das Format herangegangen bin. Als ich das Buch las, dachte ich sofort: Ja, das passt.
 

Diana Staehly begibt sich als Hanna Hellmann  in der gleichnamigen  ZDF-Serie auf einen  Selbstfindungstrip. Foto: ©ZDF / Erika Hauri

Diana Staehly begibt sich als Hanna Hellmann in der gleichnamigen
 ZDF-Serie auf einen Selbstfindungstrip. Foto: ©ZDF / Erika Hauri
 

Sie sind Kölnerin. War der Umstand, dass Sie während des Drehs ständig ein Dirndl tragen mussten, eher abschreckend oder anziehend?
 
 Ich habe jede Drehminute im Dirndl gehasst. Ich fühlte mich verkleidet und eingeengt. Dadurch konnte ich aber Hannas befremdliches Gefühl gut transportieren. Und jeder spektakuläre Sonnenaufgang in den Bergen entschädigte für das enge Dirndl. (lacht)
 
 Was gefiel Ihnen besonders an der Figur Hanna Hellmann?
 
 Ich kann mich mit ihr identifizieren! Nicht nur mit der Figur oder der Tatsache, dass man verkatert irgendwo aufwacht. (lacht) Sondern auch damit, zu flüchten und sich und sein Leben in Frage zu stellen. Gerade mit Mitte 30 ist das einfach eine Frage, die man sich stellen muss. Das ist ein Alter, von dem man als Teenager gedacht hat: Dann werde ich angekommen und erwachsen sein und wissen, was ich will. Und nun stellt man sich die Frage: Bin ich tatsächlich da, wo ich hinwollte? Bin ich zufrieden mit meinem Leben? Denn falls nicht, sollte ich es jetzt ändern. Dir wird bewusst, dass du nicht mehr unendlich Zeit hast. Deswegen finde ich den Ansatz der Serie toll, der genau diese Frage aufwirft.
 

Haben Sie für sich selbst eine Antwort auf diese Frage gefunden?
 
 Im Gegensatz zu Hanna bin ich sehr glücklich. Ich bin verheiratet, habe eine kleine Tochter und wohne mit meiner Familie in einem kleinen Haus in Potsdam. Spießiger geht es kaum.
 
 Haben Sie sich bewusst für Potsdam als Wohnort entschieden, um nah an Berlin zu sein und doch weit genug weg vom Trubel?
 
 Entschieden habe ich mich nicht dafür. Aber mein Mann ist Potsdamer, und nachdem wir lange in meiner Heimat Köln lebten, hatte er etwas Heimweh. Ich bin inzwischen froh, denn man hat die Nähe zur Großstadt und dem Flughafen, aber trotzdem haben wir den Wald vor der Tür und hören nachts die Wildschweine. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal ein Haus auf dem Land baue, sondern glaubte immer, dass ich mein Leben in einem Stadtapartment verbringe. Aber heute merke ich: Mein eigenes Drehbuch ist genau das richtige für mich, auch wenn ich es anders erwartet hätte.
 
 Glauben Sie an Schicksal und Bestimmung?
 
 Ja. Zum Beispiel die Art und Weise, wie ich meinem Mann kennengelernt habe, lässt mich daran glauben.
 
 Wie kam es dazu?
 
 Mein Drehpartner musste früher von den Dreharbeiten weg, weil er noch eine Theatervorstellung hatte. Also musste jemand anderes die Kameraeinstellungen mit mir drehen. Mein heutiger Ehemann war damals Regieassistent und sprang ein, sodass ich die Szene mit ihm spielte. Es war eine Liebesgeschichte, und als ich ihn anspielte, hat es enorm zwischen uns gefunkt. Wir haben uns total ineinander verliebt – das ist 13 Jahre her. Hätte mein Kollege nicht zum Theater gemusst, wäre es wohl nie zu diesem prickelnden Moment gekommen.
 
 Sie sind also auch so ein emotionaler Bauchmensch wie Hanna?
 
 Ich bin beides: wahnsinnig verkopft, aber auch unheimlich emotional. Das macht es schwierig, Entscheidungen zu treffen. Das fing schon als Kind an, wenn ich mir nur eine Süßigkeit aussuchen durfte, und zieht sich bis heute, wenn ich entscheiden muss: Spiel ich eine Rolle oder nicht. Meist zerdenke ich alles so lange, bis ich am Ende sage: Was fühle ich eigentlich? Und so fällt oft die Entscheidung.
 
 Hatten Sie schon mal eine Kurzschlussreaktion wie Hanna: Koffer packen und weg?
 
 Kurzschlussreaktionen hatte ich noch nie, aber ich kenne das Gefühl, raus zu müssen. Diesem bin ich vor vielen Jahren auch gefolgt und habe noch mal bei Null angefangen. Jeder sollte sich selbst mal die Chance geben, durchzuatmen und zu überlegen, was einen wirklich glücklich macht. Selbst wenn es nur ein Wochenende in den Bergen ist.
 
 Wären für Sie die Berge nach den Dreharbeiten dort eine Urlaubs-Option?
 
 Früher bedeuteten Berge für mich Schnee und Snowboarden. Seit den Dreharbeiten könnte ich mir durchaus vorstellen, dort auch mal im Sommer hinzufahren, sobald meine Tochter älter ist.
 
 Was tun Sie, um abzuschalten, wenn der Alltag Sie übermannt?
 
 Ich habe vor fünf Jahren Yoga für mich entdeckt. Dabei kann ich wunderbar in mich hineinhören. Außerdem tut mir Joggen sehr gut. In der Natur an der frischen Luft kann ich wunderbar den Kopf freikriegen. Ich höre dabei auch keine ablenkende Musik, damit ich die volle Wirkung spüren kann. Und wenn mich meine zweijährige Tochter in Beschlag nimmt, dann blende ich auch alles andere aus und bin zu 100 Prozent Mama.