Dossier Vielfalt

Meinungs-Vielfalt Lebens-Vielfalt Sinnes-Vielfalt Arten-Vielfalt

Von wegen Hopfen und Malz verloren

Vielfalt in der Braukunst ist angesagt - Hopfenrevolution auf dem Vormarsch

Ein Bericht von Eva S.

In Amerika ist „Craft Beer“ viel mehr als eine Bewegung gegen das Einheitsbier aus den Großbrauereien. Mit ihren individuellen Gerstensäften aus eigener Herstellung und mit teilweise ausgefallenen Geschmacksnoten haben die kleinen Brauer es geschafft, „Craft Beer“ zu einem Lifestyle zu machen – ein Trend, der sich mittlerweile auch in der Biernation Deutschland erfolgreich durchsetzt. Neben den Mikro-Brauereien erproben sich hierzulande unzählige Bierenthusiasten im Selberbrauen.

Zwischen Klassik und Craft: Auch deutsche Biertrinker schätzen mittlerweile die Vielfalt. Foto: fotolia.com

Zwischen Klassik und Craft: Auch deutsche Biertrinker schätzen
 mittlerweile die Vielfalt. Foto: fotolia.com
 

Auf dem deutschen Biermarkt schaut es momentan nicht gut aus. Der Konsum geht seit 1993 stetig zurück – mit Ausnahme von 2014. Da gab es einen kleinen Anstieg, begründet durch den heißen Sommer und die Fußballweltmeisterschaft. Ansonsten trinken die Deutschen immer weniger Bier. Seit 2004 sank der Absatz von 106 auf rund 96 Millionen Hektoliter. Pro Kopf beträgt der durchschnittliche Bierkonsum demnach nur noch ungefähr zehn Kästen pro Jahr. Die Bedeutung des edlen Hopfengetränks hat sich in den letzten Jahren gewandelt. Zählte Bier früher als Nahrungsmittel, so gilt es heute als hochwertiges Genussmittel. Das erklärt, warum bei sinkendem Bierkonsum gleichzeitig die Nachfrage nach neuen und außergewöhnlichen Bieren steigt. Deshalb schießen immer mehr kleine Brauereien aus dem Boden. Diese Mikrobrauerei-Bewegung hat ihren Ursprung in den USA. Die Produkte heißen Craft-Biere und eroberten schon vor Jahren den US-Markt. Craft bedeutet übersetzt Handwerk und als ein solches wird das Bierbrauen zunehmend wieder angesehen.
 
 In Deutschland dominieren noch große Brauereien den Markt. Laut dem Deutschen Brauer-Bund gibt es hierzulande rund 1.350 registrierte Braustätten. Spitzenreiter ist das Bundesland Bayern mit mehr als 600 Brauereien, gefolgt von Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Von allen in der Bundesrepublik ansässigen Brauereien stellen allerdings zwei Drittel weniger als 3000 Hektoliter Bier pro Jahr her und zählen bereits zu den Mikro-Brauereien. Eine Mikro-Brauerei ist, wie der Name sagt, eine kleine Privatbrauerei, die deutlich geringere Mengen an Bier produziert, als die großen Braukonzerne. Diese kleinen Brauereien brauen besonders feine Bierspezialitäten und orientieren sich nicht an dem Massengeschmack. Experimentiert wird mit unterschiedlichen Malzen, aber auch mit ganz neuen Geschmacksrichtungen. Neben Klassikern wie Pils, Weißbier oder Lagerbieren, stehen bei den kleinen Brauereien Spezialitäten wie Kölsch mit Walnussaroma, Rauchbier mit Schinkengeschmack oder Kürbis-Ingwer-Bier auf dem Programm und ständig kommen neue Kreationen dazu.
 

Der Trend geht zum Selbermachen

In der Mikro-Brauerei oder im heimischen Keller: Eigenbräu ist angesagt und schmeckt besser. (Foto: fotolia.com)

In der Mikro-Brauerei oder im heimischen Keller: Eigenbräu ist angesagt
 und schmeckt besser. (Foto: fotolia.com)
 

Das Bierbrauen hat sich längst als Freizeitbeschäftigung etabliert und hält Einzug in die eigenen vier Wände, wo Privatleute ihre Hausbiermarke kreieren. Dazu bieten Gasthausbrauereien und Mikro-Brauereien Kurse an, bei denen man die Kunst des Bierbrauens erlernen kann. Die Hobbybrauer tummeln sich munter im Web und bei Facebook und tauschen auf unzähligen Foren ihre Erfahrungen aus.
 Eigenbräu ist unter anderem so beliebt, weil man praktisch ohne Vorkenntnisse und für wenig Geld sofort loslegen kann. Brau-Portale liefern ausführliche Anleitungen und Online-Shops bieten neben kompletten Bierbrau-Sets allerhand Zubehör zum Kaufen an. Das reicht vom Weizenmalz für dunkle Weißbiere über die Edelstahl-Maischkelle, bis hin zu Dichtungsringen für Bierflaschen. Das komplette „Bierkit“ für Anfänger ist bereits ab 100 Euro erhältlich. Für fortgeschrittene Privatbrauer gibt es den Brauvollautomaten ab 2.300 Euro.
 

Was man beim Bierbrauen beachten sollte

Im Gegensatz zum heimischen Schnapsbrennen wird für das Bierbrauen im Waschkeller oder im Gartenhäuschen keine Lizenz benötigt. Mehr als 200 Liter im Jahr sollte der Hobbybrauer aber nicht brauen, sonst sind Steuern fällig. Das Selbstgebraute ist nur zum Genuss für Familie und Freunde gedacht und darf nicht verkauft werden. Wer größer einsteigen und sein Bier vermarkten will, muss dies beim zuständigen Hauptzollamt anmelden und Buch über seine Bierproduktion führen. Daneben unterliegen Craft-Biere, die in den Verkauf kommen, genauso dem Reinheitsgebot wie alle anderen Biere. Mischt man dem Gerstensaft zum Beispiel spezielle Aromen oder exotische Zusätze bei, darf dieser nur als „Biermischgetränk“ verkauft werden. Beim Privatbrauen für den Eigenbedarf dagegen ist alles erlaubt. Hier sind der Geschmacksvielfalt und Phantasie keine Grenzen gesetzt.