Dossier Glück

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#EsGibtDingeDieManNichtBraucht

Alte Weisheiten werden neu verpackt – Nützlich sind sie dennoch nicht

Wolfgang Thoma

Wolfgang Thoma

Es gibt so manche Dinge, die man schlichtweg nicht braucht. Das fünfte Paar Geburtstagssocken beispielsweise. Ähnlich verhält es sich mit Ratgebern. Es gibt die „Glücksformel“, „Langenscheidts Handbuch zur Leichtigkeit des Seins“ oder Ideen des Dalai Lama. Klar. Er ist ständig am Grinsen, er muss es am besten wissen. Er bietet seine „Regeln des Glücks“ als Handbuch an. Nun mag es sicherlich sein, dass hie und da ein guter Rat steht, aber das ist angesichts der Allgemeingültigkeit nicht sonderlich verwunderlich. Alle raten zur Veränderung, zur Selbstliebe oder zur Hinwendung an Freunde. Das ist nicht neu. Sokrates, Platon und Aristoteles sind die Glücksdenker der ersten Stunde. Sie haben alles bereits formuliert. Auch ihre Bärte sind heute wieder sehr beliebt. Das hätte alle drei bestimmt beglückt. Weniger glücklich hingegen wären sie über Wunder-Ratgeber, die alte Weisheiten in moderne Hüllen verpacken um Profit daraus zu schlagen. Eine moderne Hülle ist der Hashtag, das Kreuz, das sich auf den Telefontastaturen findet und mit dem man auf Twitter Nachrichten in die Welt versendet. Je mehr Menschen eine Nachricht lesen, desto mehr Geld lässt sich gewinnen. Manche Stars verlangen für eine Werbenachricht einen sechsstelligen Betrag.
 Der neue Star der Lebensweisheiten ist Frau Gabby Bernstein. Auch sie muss es wissen, denn Oprah Winfrey hat sie zur neuen spirituellen Anführerin erklärt. Sie bietet „108 Hilfen für ein wunderbares Leben“ an. Wunder-Botschaften, die nach jedem Kapitel mit #DuBistDeinGuru enden, damit Du über Twitter die Welt an Deinem Glück teilhaben lässt und ganz nebenbei Werbung für das Buch machst – für lau. Die Botschaften selbst bestehen größtenteils aus Trivialitäten: „Teile aufrichtig und großzügig Komplimente aus“. Früher nannte man das Höflichkeit, eine Grundtugend. Interessant ist auch: „Bete, bevor Du bezahlst“. Vielleicht fördert das die Amnesie des Kellners? Apropos Geld. Botschaft Nummer 89, „Ich heiße Reichtum willkommen“, bekommt mit Ratschlag acht einen wunderbaren Touch: Er fordert auf, die eigenen guten Schwingungen mir ihrer Positiven-Vorstellungen-Playlist auf Touren zu bringen. Dazu soll man sich auf ihrer Webseite registrieren, auf der sie auch einen Online-Shop mit Seminaren und Werbeartikeln anbietet. Hier würde ich raten auf Tip 42 zurückzugreifen: „Achte dein Geld und dein Geld wird dich achten“. #EsGibtDingeDieManNichtBraucht.