Dossier Glück

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Filmkritik – Das Glück an meiner Seite

Abbildung: Filmplakat Quelle: http://www.dasglueckanmeinerseite-film.de/

Abbildung: Filmplakat
 Quelle: http://www.dasglueckanmeinerseite-film.de/
 

Das Schicksal meint es gut mit Kate Parker (Hilary Swank) und ihrem Mann Evan Parker (Josh Duhamel): Sie sind gutaussehend, erfolgreich im Job, wohlhabend und sie lieben sich. Als Kate an ihrem 35. Geburtstag bei sich erste Symptome der unheilbaren Nervenerkrankung ALS entdeckt, zerbricht ihre heile Welt. In den folgenden 1 ½ Jahren wird Kate zunehmend zum Pflegefall, ihr Mann kümmert sich seit der Diagnose liebevoll um sie. Da die bisherige Pflegerin sie wie eine „Patientin“ behandelt, kündigt Kate ihr und präsentiert Evan mit der ausgeflippten Studentin Bec (Emmy Rossum) gleich einen Ersatz. Er ist jedoch dagegen, da sie weder ihr Auftreten noch ihre Referenzen als geeignete Pflegerin ausweisen. Obwohl Bec im Umgang mit Kate zunächst alles falsch macht, ist sie begeistert von der jungen Frau. Als Kate eines Tages von der Affäre ihres Mannes erfährt, beendet sie die Beziehung zu Evan und bittet ihn aus dem gemeinsamen Haus auszuziehen. Bec zieht darauf bei Kate ein. Allmählich entsteht eine tiefe Freundschaft zwischen den ungleichen Frauen. Außerdem findet Kate in der Clique von Bec und einem ebenfalls von ALS betroffenen Paar neue Freunde. Ihre „alten Freundinnen“ wenden sich zunehmend von ihr ab. Zwischenzeitlich sprechen sich Kate und Evan aus und schaffen damit die Basis für eine freundschaftliche Beziehung. Der Gesundheitszustand von Kate wird immer schlechter, sie kann sich kaum bewegen, Sprechen fällt ihr zunehmend schwerer. Nach einem Krankenhausbesuch ihrer an ALS erkrankten Freundin wird Kate bewusst, dass sie nicht mehr lange zu leben hat. Daraufhin erklärt sie Bec, dass sie auf keinen Fall im Krankenhaus auf diese Weise sterben möchte. Als Kate zufällig mitbekommt, dass Bec wegen ihr das Studium unterbrochen hat, wirft sie sie aus dem Haus. Kate verbringt Weihnachten darauf im Haus ihrer Mutter, wo sie ein Brief ihrer kürzlich an ALS verstorbenen Freundin erreicht. Darin schildert sie, wie glücklich ihr Leben zuletzt war, da mit zunehmendem Krankheitsfortschritt ihre Freundschaften umso intensiver wurden. Kurz darauf kommt Kate ins Krankenhaus, es muss entschieden werden, ob sie künstlich beatmet werden soll. Zur Überraschung der Angehörigen ist Bec in die Patientenverfügung eingetragen, sie entspricht dem Wunsch von Kate zuhause sterben zu dürfen. Bec und Evan möchten Kate in den letzten Stunden begleiten, doch Evan hält es schließlich nicht mehr aus und muss gehen. Bec hingegen bleibt bis zum letzten Atemzug bei Kate im Bett und dankt ihr für alles, was sie von ihr gelernt hat.
 
 Im Jahr 2014 rückte mit der populären Ice Bucket Challenge die seltene Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) verstärkt in den Blickpunkt der Öffentlichkeit, womit Spenden für die Erforschung und Bekämpfung von ALS gewonnen werden sollten. Der Film „Das Glück an meiner Seite“ thematisiert diese Erkrankung auf gefühlvolle Weise ohne dabei zu sentimental zu werden. Der Zuschauer begleitet die Hauptdarstellerin bei ihrer Krankheit und erlebt dabei ein Wechselbad der Gefühle: man freut sich, wenn es Kate gut geht, bis man in der nächsten Szene wiederum mit ihrem zunehmenden körperlichen Abbau konfrontiert wird. Dieser ständige Kontrast zwischen Glück und Unglück setzt sich bis zum Ende fort: Obwohl man von Anfang an weiß, dass die Nervenerkrankung unheilbar ist, ist man über den grausamen Tod schockiert, freut sich aber gleichzeitig für Kate, dass sie in ihren letzten Monaten durch Freudschaft wieder Glück erfahren hat. Dieses bittersüße Ende hat mich nachdenklich gemacht: „Toll, wie ein Mensch in einer solchen Situation Glück empfinden kann!“ Hilary Swank (Kate) und Emmy Rossum (Bec) harmonieren in Ihren gegensätzlichen Rollen perfekt, man kann die Emotionen zwischen den beiden fast greifen. Oscar-Preisträgerin Hilary Swank verkörpert die anspruchsvolle Rolle der ALS-Patientin authentisch und gefühlvoll, und verleiht der Protagonistin Kate ein würdevolles, selbstbewusstes Gesicht. Gut gefallen haben mir auch die vielseitigen Kameraperspektiven. In einer Szene verfolgt der Zuschauer zum Beispiel von außen durch ein Fenster einen Anfall von Kate, ohne dabei einen Ton zu hören. Dabei entsteht eine gewisse Distanz zum Geschehen, man wird in die Position des externen Beobachters versetzt. Obwohl bei mir die positiven Eindrücke überwiegen, habe ich einige kritische Anmerkungen zu dem Film. Als Pflegefall, erscheint es unglaubwürdig, dass Kate in einer schicken Villa, ganz ohne Anpassungen für behinderte Menschen, wie z.B. Treppenlift, Krankenbett, Rampen oder dergleichen lebt. Außerdem wird für meinen Geschmack in einigen Szenen die Dramatik des Moments etwas zu sehr ausgereizt, das wirkt dann etwas zu stark inszeniert. In der Sterbesequenz von Kate ist zum Beispiel kein Ton mehr zu hören, erst der letzte Atemzug von ihr ist dann wieder hörbar. Mit dieser Art der Inszenierung wird der Sterbeakt in den Fokus gerückt und künstlich dramatisiert. Ich frage mich an dieser Stelle, ob das notwendig ist.
 Fazit: Die berührende Geschichte von Kate, die mit der Diagnose ALS plötzlich in ein tiefes Unglück stürzt und durch intensive Freundschaft schließlich in den letzten Wochen ihres Lebens doch noch Glück erfährt, wurde filmisch gelungen umgesetzt. Hilary Swank hat in ihrer Rolle der ALS-Patientin geglänzt und maßgeblich dazu beigetragen, dass ich von der ersten Minute an von der Handlung gefesselt war. Der Film ist absolut empfehlenswert für Leute, die gerne „großes Gefühlskino“ sehen und erleben möchten, welches Glück man aus Freundschaft schöpfen kann.