Dossier Glück

Dossier Glück

„Das richtige Gold liegt in der Tiefe“

Goldrausch oder die Suche nach dem Glück

Wie ein neues Hobby erst zum Fieber und dann zum meditativen Ausgleich wurde

Seit zwei Tagen ist Erik Müller zurück von seiner großen Reise zum Yukon in Kanada, am Rande von Alaska. Am Küchentisch schaut er sich mit seiner Frau Nicole und den drei Stiefkindern Fotos an und kommt ins Erzählen. Zusammen mit vielen anderen war er in der Region um Mayo auf der Suche nach Gold. Den Namen des Flusses darf er nicht nennen. Goldwäschergeheimnisse werden nicht preisgegeben. Wer bei den dortigen Claim-Besitzern mit anpacken darf, gehört zu den Profis. Alte Goldfamilien haben dort seit Jahrzehnten die Rechte an Claims, die jeweils etwa 460 Meter langen Abschnitte am Fluss. Man hilft sich zwar gegenseitig, aber was man aus dem Sand wäscht gehört zu hundert Prozent dem Goldnuggethunter. „Bei Gold hört die Freundschaft auf“, sagt der 38-Jährige. Goldnuggets werden die Goldklumpen genannt, die nach einem harten Tag Schaufeln hoffentlich in der Rinne hängenbleiben. Auf einem Bild ist zwischen grauen Kieselsteinen ein brotleibgroßer goldglänzender Stein in einem Bach zu sehen. Nicole stutzt und fragt ihren Mann, warum er den nicht mit nach Hause gebracht hat. Eric schmunzelt und erklärt: „Dieses Bild werde ich gleich auf meinem Blog posten! Wer denkt, dass es so einfach ist, der hat wirklich noch keine Ahnung. Das auf dem Foto ist nur ein goldgelber Quarz.“ Seine Frau ist diejenige, die nur zu gut weiß, dass es mit dem Goldfinden nicht so einfach ist. Goldwaschen allein, wäre für den umtriebigen, drahtigen Mann mit dem Pferdeschwanz zu wenig. Mittlerweile hat er einen eigenen Blog und eine Webseite, auf der er Goldwaschkurse für Klein und Groß anbietet und das benötige Zubehör vertreibt. Er ist zu einer kleinen YouTube-Prominenz geworden, wird beim Goldwaschen schon mal wiedererkannt.

Von Goldflitterchen zum Ehering

Goldwaschpfanne©Leonie Yesiltas: Erik Müllers Goldwaschpfanne mit den Ergebnissen aus fünf Wochen Goldwaschen im Yukon, Kanada.

Goldwaschpfanne©Leonie Yesiltas: Erik Müllers Goldwaschpfanne mit den Ergebnissen aus fünf Wochen Goldwaschen im Yukon, Kanada.

Angefangen hatte alles mit einem Arbeitsunfall. Nach einem Sturz von der Leiter lag der gelernte Schreiner und Fernfahrer mit Schmerzen im Knie zu Hause auf der Couch und schaute die Sendung „Goldrausch in Alaska“ auf DMAX. Bald hatte das Goldfieber auch ihn erfasst und er machte sich mit seiner ersten Goldwaschpfanne in den Bayerischen Wald auf. „Als er mit seinem ersten Goldflitterchen nach Hause kam, hat er gestrahlt wie ein Honigkuchenpferd“, erinnert sich Nicole. Dank Eriks Geschäftssinn dürfen auch andere so einen Glücksmoment erleben. Er ist einer von vier Pay-Dirt-Verkäufern in Deutschland. Die Sandsäckchen, die mit mindestens 75 Milligramm Gold angereichert sind, verkaufen sich gut. Goldwäscher-Anfänger können damit üben, wie das Gold in der Pfanne rausgewaschen wird und haben ein erstes Erfolgserlebnis.
 Nach der Goldwaschpfanne kamen immer mehr Equipment, Fachwissen und Erfahrung hinzu. Von der Naab, über Alpenbäche bis zur Donau hat er schon viel umgeschaufelt und Sand gewaschen. An einem besonders guten Tag an den deutschen Bächen schaufelt er eine knappe Tonne Sand in seine Waschanlage und findet dabei drei Gramm Gold. Das entspricht einem Wert von etwa hundert Euro. An anderen Tagen findet er nichts. Das deutsche Gold ist nur in Flitterchenform zu finden. Dafür hat es einen Reinheitsgrad von bis zu 89 Prozent. Das erste bisschen Gold, dass er zusammen hatte, ließ er einschmelzen und zu einem Ring für Nicole verarbeiten. Auf dem Goldring blitzen fünf Diamanten auf, die für die fünfköpfige Familie stehen. Bald darauf kam der Heiratsantrag.
 

Pragmatiker gegen Träumer

Erik Müller©Leonie Yesiltas: Erik Müller, 38 Jahre, im Goldwaschteich in seinem Garten

Erik Müller©Leonie Yesiltas: Erik Müller, 38 Jahre, im Goldwaschteich in seinem Garten

Doch irgendwann war er der deutschen Goldflitterchen müde und versuchte sein Glück im Ausland. Auf Fernreisen in die Vereinigten Staaten und nach Kanada arbeitete er auf den Claims oder zog auf eigene Faust durch unerschlossenes Gebiet. Dort fand der gebürtige Trierer seine ersten Nuggets. Nicole sagt von sich selbst, dass sie die Dinge immer etwas kritischer oder realistischer sieht als ihr Mann. „Es ist ein bisschen wie am Spielautomaten, wo man erst mal Geld rein wirft und sobald man etwas gewinnt, denkt man sich: Weitermachen!“, merkt die 38-jährige Beamtin an.
 Genau in dem Moment als es zu kritischeren Tönen kommt klingelt es an der Tür. Erik nimmt vom Postboten seinen Koffer entgegen, der erst zwei Tage später seinen Weg von Kanada nach Hohenfels in Bayern fand. Nun fangen seine Augen an zu glänzen. Er unterbricht seine Frau bewusst nicht in ihren Bedenken, sondern will das Gold für sich sprechen lassen. Zufrieden legt er ein kleines schwarzes Mäppchen auf den Tisch, in dem kleine Gläschen bruchsicher verpackt sind. Darin befindet sich das Ergebnis von fünf Wochen Arbeit: 55 Gramm hat er mit nach Hause gebracht. 37,5 Gramm hat er im Yucon einschmelzen lassen, um seine Lebenshaltungskosten zu decken. Gegeben hat er dafür harte, körperliche Arbeit unter den widrigsten klimatischen Bedingungen. Teilweise von sieben Uhr morgens bis zehn Uhr abends. Auch wenn das Goldfieber ihn gelegentlich noch packt, ermahnt der Experte in ihm zur Pragmatik. In seinem Garten, den er zu einem Goldwasch-Lehrpfad mit Bächlein umgegraben hat, zeigt er stolz auf sein ‚Claim-Schild’. Besitzer: Erik Müller. Auch wenn es in Deutschland keine Claims gibt. Vielleicht war es der Moment im Yukon als ein Grizzly Bär sich vor ihm aufstellte, der Erik völlig vom Goldrausch ernüchterte. „Mir wurden die Augen in Kanada geöffnet“. Denn das Gold liegt tief unter der Erde. Wer es mit viel Glück finden will, braucht hunderttausende Euro schwere Maschinen. Mit diesem Hobby reich zu werden sei nur ein Traum. Diese harte Erkenntnis ließ ihn seine auf drei Monate ausgelegte Reise nach fünf Wochen abbrechen. Stattdessen hat er sich gleich nach seiner Heimkehr wieder als Fernfahrer beworben. Vom Goldwaschen im großen Stil hat er erst mal genug. Er wisse jetzt erst warum er dieses Hobby betreibe. Nämlich nicht wegen des Goldes an sich, sondern um in der Natur während dem meditativen Schaufeln zur Ruhe zu kommen. Nach der Suche nach dem großen Gold in der fernen Wildnis ist er wieder da angekommen, wo er sein will: am Küchentisch mit seiner Familie. Er hat sich vorgenommen wieder genug Geld zu verdienen, um mit der Familie in den Urlaub zu fahren. „Ich hab eine Frau, drei Stiefkinder, einen Hund und ein wunderbares Hobby. Ich bin glücklich!“
 

Weiter Infos zum Goldwaschen und zu Erik Müller finden sie unter:
 GoldNuggethunter Erik
 
 ©DerGoldwaescher:
 

Goldwaescher Erik in Kanada