Dossier Glück

Dossier Glück

Ein hüpfendes Zwerchfell erzeugt Glücksgefühle

Lachyoga, Sanskrit: Hasya-Yoga, in Indien entwickelt, erfreut sich in der westlichen Welt zunehmender Beliebtheit. Schon lange wollte ich wissen, was es damit auf sich hat. Ein Selbstversuch

Schmunzelsteine     Foto: C.Leisch

Schmunzelsteine     Foto: C.Leisch

Gerade stimme ich ein in das rhythmisch-kraftvolle Ho-Ho, Ha-Ha-Ha, begleitet von Händeklatschen. Der Mann neben mir lächelt. Zur Selbsterfahrung bin ich hier, in der offenen Gruppe, im hell erleuchteten Sozialzentrum Germering am Ende eines langen Tages. Wie funktioniert Lachyoga? Gibt es ein Lachen auf Zuruf? Nach einigen Wiederholungen gluckert spontan ein herzliches freies Lachen aus mir heraus. Es ist kinderleicht. Es ist echt. Es steckt an. Wir lachen minutenlang. Die Nase kribbelt.

Cornelia Leisch, Lachyoga-Trainerin, zeigt uns jetzt entspannende Atemübungen: Mit erhobenen Armen atme ich tief ein und aus, lasse mich vornüber fallen, Finger am Boden. Frische Luft strömt ein beim nächsten Atemzug, bis in die tiefsten Lungenbereiche. Das beruhigt und erfrischt.

Lachyoga     Foto: Christine Wawra

Lachyoga Foto: Christine Wawra

Frauen und Männer aller Altersgruppen kommen hier einmal im Monat für eine Stunde zusammen, um gemeinsam zu lachen. Nur wenige kennen sich. Heute sind wir 13. Einige bringen Vorerfahrung mit, andere, wie ich, sind neu.
 
 Cornelia Leisch, Jahrgang 1960, ist zertifizierte Lachtrainerin. Vor etwa zehn Jahren entdeckte sie das Lachyoga: „Mein Körper war nach einer Stunde Lachen in der Gruppe durchströmt von Glücksgefühlen“, sagt sie, „das war wie eine Offenbarung“. Diese Freude möchte sie teilen. Ihr Slogan lautet: Das Leben lachend meistern.
 

Lachen ist die beste Medizin

Lachen ist die beste Medizin, sagt der Volksmund. Lachen hat messbare positive Auswirkungen auf Körper und Seele, sagen heute sogar Ärzte. Lachyoga ist eine Art Zwerchfellgymnastik, verbunden mit Atemübungen aus dem Yoga – mit Anspannung und Entspannung. Die Druckverhältnisse im Bauch, in der Lunge, im Gehirn ändern sich beim Lachen, der Blutdruck steigt kurzzeitig an, wie beim Sport. Alle Zellen erhalten mehr Sauerstoff, Kopf und Hals werden stärker durchblutet, manchmal läuft die Nase, fließen Tränen.

„Man kann sich beim Lachen mehr anstrengen als man erwartet“, sagt Cornelia, „der Körper baut Stresshormone ab, das Immunsystem wird gestärkt, ich vergesse vorübergehend meine Sorgen, oder gewinne Abstand, Schmerzen können nachlassen.“

Cornelia nennt uns zur Einstimmung folgende Grundsätze:
 
 - Wir fühlen uns wohl
 - Wir handeln eigenverantwortlich
 - Wir schauen uns in die Augen
 - Wir reden nicht
 - Wir öffnen uns für Veränderung
 

Die Luft im Raum schwirrt. Ich spüre hinein in das zarte Lachen, das beide Hände in Kopfhöhe begleiten, Hi-Hi-Hi-Hi-Hi, es klingt ein bisschen wie Kichern. Die Hemmschwelle loszulachen sinkt spürbar. Fast schneidend tönt das gehässige He-He-He-He-He in Halshöhe. Mit kindlichem Vergnügen und rollenden Augen spiele ich mit dem Hu-Hu-Hu-Hu-Hu-Lachen. Lustig ist auch das Ho-Ho-Ho-Ho-Ho aus dem Bauch heraus und der Versuch, die Übung „ich erschrecke mich selbst“ umzusetzen.

Die folgende Entspannungs- und Atemübung führt uns mit tiefer Einatmung direkt hin zum Herzenslachen Ha-Ha-Ha, der Raum füllt sich mit intensivem, echtem Lachen. Meine Nachbarin Ida*) hat Tränen in den Augen, die Venen an ihrer Stirn treten hervor, immer wieder lacht sie in Salven los. Auch Lachen, das künstlich beginnt, ist ansteckend. Ansteckend, wohltuend, beglückend.

Künstliches Lachen wirkt

Das bestätigt die 73-jährige Edeltraud*), die mit Hilfe des Lachyogas nach dem Tod ihres Mannes und einem körperlichen Zusammenbruch wieder zurück ins Leben fand. „Wissen Sie“, sagt sie zu mir, „das Schwere lässt sich mit Lachyoga leichter ertragen.“ Sie sei „von innen heraus froher geworden“.

Neugierig probiere ich weitere Elemente aus, mit pantomimischen, teils clownesken Gesten, wie etwa den „Lachnotruf', „das Lachmudra der sinnlosen Heiterkeit“ oder das „Sich Schieflachen“.

Lachyoga     Foto: Christine Wawra

Lachyoga Foto: Christine Wawra

Mit Atemübungen und intensivem minutenlangem Summen neigt sich die Stunde dem Ende zu, ich fühle mich wie in einem Bienenkorb. Vorher beschenken wir uns gegenseitig mit einer Lachdusche. Jeweils fünf Teilnehmer stellen sich mit geschlossenen Augen in die Mitte des Kreises. Die übrigen Menschen umkreisen sie und „beregnen“ sie behutsam mit leichtem, klingendem, hellem Lachen. „Das tut gut“, murmelt die junge Frau neben mir und ich nicke zustimmend. Der Weg zu einem Glücksmoment kann kinderleicht sein. Und ja, er funktioniert auf Zuruf.
 
 *) Namen geändert
 


 
 
 
 
 
 Weiterführende Informationen sind hier zu finden:
 Laughteryoga
 LOU
 Lachyogatrainerin
  Lachtreff Westpark