25 Jahre Umwelt-Akademie e.V.
Grußwort Pressemitteilung Podiumsgäste Interviews Baumpflanzaktion Vorstand Hintergrund und Kontakt Film und Fotos Presse-Echo
Pressekonferenz der Umwelt-Akademie e.V. am 20.Oktober 2015

Interview mit Georg Schweisfurth

Ökologische Ernährung für alle

Was bewegte Sie ganz persönlich, sich bei der Umwelt-Akademie ehrenamtlich einzubringen? Gab es ein Schüsselerlebnis oder einen konkreten Anlass?
 Ich engagiere mich in der Umwelt-Akademie, weil man hier an den drängenden Fragen der Zeit arbeiten kann und Menschen einladen kann, gleiches zu tun.
 
 Was sehen Sie als die größten Erfolge Ihrer Arbeit in der Umwelt-Akademie?
 Erfolge in meiner Arbeit waren die Exkursionen, also z.B. die Veranschaulichung der Themen ‚Gift auf den Äckern‘, ‚Gute und schlechte Beispiele für den Umgang mit Tieren‘ und ‚Das Erleben handwerklicher Verarbeitung‘.
 
 Was stellt Sie in Ihrer Arbeit bei der UA vor neue Herausforderungen?
 Eine große Aufgabe ist es für die Umwelt-Akademie, und mich, auch jüngere Leute anzusprechen. Und der neue Bereich Akademie zur Umweltbildung für Schüler wird uns einen großen Schritt voranbringen. Es darf eben auch Spaß machen und nicht zu verkopft sein!
 
 Wie hat sich Ihr persönlicher Fleischkonsum als Sohn einer Familie in der Fleischverarbeitungsindustrie und gelernter Metzger über die Jahre verändert?
 Klar, ich bin mit den industriell hergestellten „Herta“-Wurstwaren groß geworden, habe allerdings auch schon früh mitbekommen, wie die Tendenz der Fleischindustrie immer mehr in Richtung „Masse statt Klasse“ ging – was bei uns in der Familie heftig diskutiert wurde und schließlich damit endete, dass mein Vater Herta verkaufte und wir die Herrmannsdorfer Landwerkstätten gründeten. Mit dem gemeinsamen Projekt, Tiere artgerecht zu halten, nach allen Regeln der handwerklichen Kunst sorgfältig zu töten und ihr Fleisch handwerklich sauber zu verarbeiten. Es war klar, dass ab sofort weniger Fleisch und Wurst auf den Tisch kommen würden. Der bessere Geschmack – und das bessere Gefühl den Tieren und der Umwelt gegenüber – haben mich dafür entschädigt. Im Laufe der Zeit, als ich immer tiefer in die ganzen Zusammenhänge eingestiegen bin, hatte ich dann noch stärker das Bedürfnis, wirklich nachhaltig zu konsumieren, sodass ich inzwischen nicht nur weniger, dafür aber gutes Fleisch esse, sondern auch darauf achte, möglichst das ganze Tier zu verwerten, anstatt nur ein paar Teile wie Lende, Tafelspitz und Filet und den Rest dann minderwertig zu verarbeiten oder gar wegzuschmeißen. Bei unseren Großeltern war das noch völlig normal, dass man ein Tier komplett verwertet, also beispielsweise auch die Innereien isst. Das Thema liegt mir sehr am Herzen und ich habe dazu auch ein Kochbuch geschrieben, zusammen mit Simon Tress, in dem ich versuche, Lust zu machen auf nachhaltigen und verantwortungsvollen Fleischgenuss. Denn darum geht es doch: Dass wir uns etwas Gutes tun mit dem, was wir essen, dass wir unser Essen genießen – und dabei noch Umwelt und Klima schonen.
 
 Wie ökologisch muss Ihrer Meinung nach unsere Ernährung in Zukunft sein?
 Sie kann nur ökologisch sein – alles andere macht keinen Sinn, denn die industrielle Landwirtschaft zerstört die fruchtbaren Böden, die knappen Wasserressourcen, die Artenvielfalt und damit die Lebensgrundlage unserer Kinder und Enkel. Wenn wir in Zukunft immer mehr Menschen ernähren und gleichzeitig unserer Verantwortung für unsere Mitgeschöpfe und unserer Umwelt gerecht werden wollen, führt kein Weg vorbei an einer Agrarwende hin zu ökologischer Landwirtschaft.