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Vier Fragen an Gabriele Hooffacker

Was verstehen Sie unter einem Hoax?

Jegliche Falschinformation, die sich per Gerücht rasant verbreitet, meist über Foren oder Social Media. Dabei ist es unerheblich, ob die Falschmeldung bewusst in die Welt gesetzt und weiterverbreitet wird oder in bestem Glauben.

Warum ist das Thema Hoaxes aktuell?

Immer wieder verbreiten Hoaxes Angst und Schrecken, ob als moderne Wandersage wie in der Geschichte vom bösen Aids-Infizierten mit der Spritze oder als gezielte Propaganda wie bei den zahlreichen Hoaxes, die angebliche Sexualstraftaten von Geflüchteten wiedergeben. Wenn allerdings Wahlergebnisse zeigen, dass solche Propaganda auf fruchtbaren Boden fällt, ist es dringend an der Zeit, darüber aufzuklären.

Sie unterrichten Journalismus an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig. Welche Kriterien geben Sie Ihren Studierenden an die Hand, um Falschmeldungen oder auch gefakte Bilder oder Videos zu identifizieren?

Oft werden ja Ängste oder Hoffnungen angesprochen (Sie haben gewonnen!). Zu allererst wünsche ich mir ein gesundes Misstrauen – auch bei Meldungen, die gut zu den eigenen Ansichten passen. Man sollte einfach nichts glauben, was nicht aus mindestens zwei unabhängigen, vertrauenswürdigen Quellen belegt ist (alte Journalistenregel). Wichtigster Tipp: Prüfen, ob sich die Meldung falsifizieren lässt, also gezielt nach Widersprüchen suchen. „Belegen“ lässt sie sich online vielfach, aber das besagt ja nichts.

Hatten Sie selbst schon mit einem Hoax zu tun oder haben Sie einen aufgedeckt?

Meine Hochschule liegt in Leipzig-Connewitz, und dieser Stadtteil wird manchmal als Hort besonders gewaltbereiter Linksextremer dargestellt. So auch im Januar 2015, als mit einem Foto ein angeblich von linksextremen Autonomen gelegtes Feuer belegt werden sollte. Ich konnte zeigen, dass das Foto komplett aus dem Zusammenhang gerissen und in einen anderen Kontext gestellt worden war (Google Bilder-Reverse-Suche).
 
 Aber auch in harmloseren Fällen passiert so etwas immer wieder. Oft sind es Freunde, Kollegen oder Studierende, die im besten Glauben einen Aufruf weiterleiten, etwa den beliebten Aufruf zur Knochenmarkspende. Das kann ja tatsächlich mal stimmen oder zumindest einen wahren Kern haben. Meist hilft aber ein Blick auf die Seite hoax-info.de der TU Berlin, und dann kommt von mir eine freundliche, aber energische Mail: Bitte nicht weiterverbreiten, das ist ein Hoax.