Evangelisches
Beratungszentrum
München e.V.
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Interview mit Norbert Ellinger, Leitung der Evangelischen Telefonseelsorge München

In der TelefonSeelsorge spiegeln sich gesellschaftliche Probleme, Nöte und Ängste wieder. Welche Themen sind aktuell besonders nachgefragt?
 
 In über der Hälfte der Gespräche geht es um depressive Stimmungslagen, körperliches Befinden, Einsamkeit und Ängste. An das Thema „Flüchtlinge“ lagern sich Ängste aller Art an, vor allem vor dem Fremden, sozialem Abstieg und mangelnder Sicherheit.
 
 Wer kann sich an die TelefonSeelsorge wenden?
 
 Prinzipiell darf sich jeder Mensch an die TelefonSeelsorge wenden, der seelischen Beistand benötigt. Die Religionszugehörigkeit oder andere persönliche Merkmale schließen niemanden aus.
 
 Wenn man von der TelefonSeelsorge hört, denkt man zuerst an die einsame, ältere Dame, die in ihrer Verzweiflung zum Hörer greift. Stimmt dieses Klischee?
 
 Nein, es wenden sich Menschen aller Altersgruppen an uns. Die Hälfte der Anrufenden sind zwischen 30 und 59 Jahren alt. Die meisten Anrufenden leben alleine in einem Haushalt. Viele davon rufen in regelmäßigen Abständen an.
 
 Die TelefonSeelsorge ist an 365 Tagen im Jahr „rund um die Uhr“ unter der Rufnummer 0800 – 111 0 111 gebührenfrei aus dem Fest- und Mobilfunknetz erreichbar. Welche Tipps können Sie Hilfesuchenden im Vorfeld geben?
 
 Geben Sie nicht gleich auf, wenn Sie nicht gleich durch kommen. In der Regel müssen Sie es mehrere Male probieren. Machen Sie sich keine Sorgen: Sie bleiben anonym. Ihre Rufnummer ist nicht zu sehen und das Gespräch taucht nicht auf Ihrer Telefonrechnung auf.
 
 Nicht jeder will sich seine Probleme „von der Seele“ reden oder tut sich schwer damit. Gibt es auch andere Zugangswege, um mit der TelefonSeelsorge in Kontakt zu treten?
 
 Unter www.telefonseelsorge.de sind Seelsorger/innen auch per Chat und Mail erreichbar. Die Statistik zeigt, dass es manchen Menschen per Chat oder per Mail leichter fällt als am Telefon, schwerwiegendere Probleme zu schildern. Auch ist der Anteil an Unter-dreißig-jährigen im Chat signifikant höher als am Telefon.