Evangelisches
Beratungszentrum
München e.V.
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Interview mit Sabine Simon, Leitung der Schwangerschaftsberatung

Mit welchen Fragen kann man in die Schwangerschaftsberatung kommen?
 
 Mit allen Fragen, die im Zusammenhang mit einer Schwangerschaft, einem Kinderwunsch, in der Sexualität oder in der ersten Zeit mit einem Baby und Kleinkind entstehen. Wir helfen auch konkret bei Antragsstellungen, bei der Geltendmachung von gesetzlichen Ansprüchen, vermitteln finanzielle Hilfen für die Babyerstausstattung und sonstige Bedarfe für einkommensschwache Familien.
 
 Was sind Ihrer Erfahrung nach die dringendsten Probleme?
 
 Jeder Fall ist unterschiedlich und die Problemlagen unterscheiden sich, je nachdem ob die Frau oder der Mann während einer gewünschten Schwangerschaft zu uns kommt oder zum Beispiel einen Abbruch wünschen. Häufige Probleme sind immer wieder räumliche Enge und gesundheitsgefährdende Zustände in den Wohnungen. Aber auch finanzielle Abhängigkeit von staatlichen Sozialleistungen, Paarprobleme und Unsicherheiten in Bezug auf die zahlreichen Leistungen und Regelungen. Insbesondere im Bereich Elternzeit, Elterngeld und was alles wann zu erledigen ist, wenn man ein Kind bekommt.
 
 Sie bieten auch eine Beratung für Frauen ohne Deutschkenntnisse an. Tun sich hier durch den anderen Kulturkreis spezielle Fragen auf?
 
 Es sind oft ähnliche Fragen und Probleme. Hinzu kommen Themen wie Isolierung, Diskriminierung, Traumatisierung nach Flucht, eine generelle Unsicherheit und Überforderung mit der deutschen Bürokratie, dem deutschen Sozial- und Gesundheitssytem und den zahlreichen Hilfsangeboten in München. Unsere Aufgabe sehen wir darin, Frauen und Männer einen Einblick zu verschaffen und ihnen bei Anträgen zu helfen sowie sie an andere Hilfs- und Vernetzungsangebote zu vermitteln. Da wir kostenlose Dolmetscher hinzuziehen können, sind mangelnde Deutschkenntnisse kein Hinderungsgrund für eine Beratung bei uns.
 
 Können jugendliche Schwangere auch ohne Mitwissen ihrer Eltern zu Ihnen in die Beratung kommen?
 
 Ja, wir sind sogar eine der wenigen Einrichtungen in München, wo dies möglich ist.
 
 Was raten Sie Schwangeren, die sich nicht sicher sind, ob sie ihr Kind bekommen wollen?
 
 Unsere Empfehlung: Nehmen Sie sich die Zeit, die Sie für die Entscheidung brauchen. Ansonsten ist es nicht unsere Aufgabe und auch nicht ratsam, bei dieser doch sehr elementaren Lebensfrage Ratschläge zu erteilen. Unsere Aufgabe ist es, die Gründe für einen etwaigen Abbruch mit der Frau oder dem Paar genauer zu beleuchten, Fragen zu beantworten, in der Krise zu begleiten, Informationen zu geben und mögliche Hilfen aufzuzeigen. Das Ziel der Beratung ist der Frau dabei geholfen zu haben, dass sie gut informiert eine eigenverantwortliche Entscheidung treffen kann.