Teilhabe als
Menschenrecht

Erich Eisenstecken

Selbsthilfezentrum München

Workshop: Bürgerschaftliches Engagement von Migrantenvereinen

© Selbsthilfezentrum München

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Erich Eisenstecken, geboren 1965 in Bozen/Südtirol, studierte an der LMU München Soziologie und Sozialpsychologie. Als Sozialwissenschaftler hat er viele Jahre an einem freien Forschungs- und Beratungsinstitut gearbeitet, primär in den Bereichen Sozialplanung und Sozialberichterstattung sowie Organisations- und Personalentwicklung. Seit 2008 hat er die Ressortleitung für die Soziale Selbsthilfe im Selbsthilfezentrum München (SHZ) inne. Außerdem ist er als Systemischer Berater, Supervisor und Coach freiberuflich tätig.

Worum geht es in Ihrem Workshop „Bürgerschaftliches Engagement von Migrantenvereinen“?
 Das Selbsthilfezentrum München arbeitet seit 1985 eng mit Migrantenorganisationen zusammen. In dem Workshop wollen wir darauf hinweisen, wie viel bürgerschaftliches Engagement dort stattfindet. Die Organisationen bieten vielfältige Beratungs- und Unterstützungsleistungen an, bemühen sich um die Vermittlung der Kultur ihrer Heimatländer und organisieren Veranstaltungen. Da sie einerseits mit den Strukturen und kulturellen Besonderheiten der Einwanderungsgesellschaft vertraut sind und andererseits die Sprache und die kulturellen Hintergründe der Migrantinnen und Migranten kennen, sind sie eine wichtige Integrationsbrücke für Geflüchtete und Neuankömmlinge.
 
 Nennen Sie uns ein konkretes Beispiel für (einen Mangel an) Teilhabe aus Ihrem Alltag.
 Nach wie vor gibt es für Migrantinnen und Migranten vielfältige Hürden, die zahlreichen Unterstützungs- und Versorgungsangebote des Sozial- und Gesundheitssystems in Anspruch zu nehmen. Auch in der klassischen Selbsthilfe (Gesundheitsselbsthilfegruppen) sind Migrantinnen und Migranten deutlich unterrepräsentiert. Dies versuchen wir im Selbsthilfezentrum gerade mit einem Aktionsforschungsprojekt zu ergründen und zu verändern.
 
 Wenn Sie heute im Landtag ein Gesetz zur Teilhabe verabschieden könnten – wie würde das aussehen?
 Benachteiligungsverbote sind zwar geltendes Recht, aber die Mechanismen der Diskriminierung in der Praxis meist sehr subtil und schwer angreifbar. Was es auf politischer Ebene und auf Ebene der Gesetzgebung braucht, ist die Einsicht, dass Deutschland schon seit vielen Jahrzehnten ein Einwanderungsland ist, das Einwanderung auch braucht. Deshalb ist es höchste Zeit ein differenziertes Einwanderungsgesetz zu schaffen, um den Zuzug vernünftig steuern zu können, denn das Asylrecht regelt nur einen sehr engen Bereich.
 

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Pressefoto Referent

Selbsthilfezentrum München