Teilhabe als
Menschenrecht

Dr. Margret Spohn

Leiterin des Büros für Migration, Interkultur und Vielfalt der Stadt Augsburg

Workshop: Interreligiöser Dialog

© frabauke

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Margret Spohn ist Saarländerin. Die 53-Jährige studierte in Deutschland und Frankreich Interkulturelle Kompetenz und Soziologie, ihre Promotion thematisiert „Familienbezogene männliche Identitäten türkischer Migranten der ersten Generation“. Erste Berufserfahrungen sammelte sie in Genf bei der International Organisation für Migration (IOM), wechselte dann für ein Jahr an das Zentrum für Türkeistudien.
 
 Von 2001 bis 2015 war die Soziologin bei der Landeshauptstadt München bei der Stelle für interkulturelle Arbeit tätig. Seit April 2015 ist Dr. Spohn Leiterin des Büros für Migration, Interkultur und Vielfalt der Stadt Augsburg. Parallel dazu lehrt sie an den Fachhochschulen in Kempten und Würzburg mit Schwerpunkt Migrationsgeschichte und interkulturelle Öffnung/interkulturelle Kompetenz.
 

Um welche Aspekte geht es in Ihrem Input in Ihrem Workshop „Interreligiöser Dialog“?
 Es geht zunächst einmal um den Begriff, von dem ich mich, in der Kommune arbeitend, verabschiedet habe. Interreligiöser Dialog ist etwas für Menschen, die sich theologisch mit verschiedenen Aspekten ihres Glaubens auseinandersetzen. Hier hat die Kommune weder das Wissen noch den Auftrag. Daher habe ich den Begriff „Kommunale Angelegenheiten von Religionsgemeinschaften“ eingeführt. Denn darum geht es. Im Workshop wird es also darum gehen, gemeinsam zu erarbeiten, in welchen kommunalen Feldern welches Wissen über „Religion“ notwendig ist und wo sich eine Kommune engagieren kann und soll.
 
 Nennen Sie uns ein konkretes Beispiel aus Ihrem Alltag.
 Das große Engagement von Muslimen, die in dem Augsburger Projekt MUSA (Muslimische Seelsorge in Augsburg) ausgebildet werden und nun in Krankenhäusern, Gefängnissen (übrigens in Bayern als einzige muslimische Einrichtung) und Unterkünften für Geflüchtete ehrenamtlich arbeiten.
 
 Wenn Sie heute im Landtag ein Gesetz zur Teilhabe verabschieden könnten – wie würde das aussehen?
 Auf alle Fälle anders als das derzeitige „Integrationsgesetz“. Es sollte klare Vorgaben zur interkulturellen Öffnung der Organisationen enthalten und verbindliche Bestimmungen zur Festlegung interkultureller Kompetenz als nicht verhandelbare Voraussetzung für eine Tätigkeit im öffentlichen Dienst. Migrationsgeschichte als integraler Bestandteil deutscher Geschichte muss Allgemeingut werden. Angebote zur Integration sind allen Personen, unabhängig von Aufenthaltsstatus und Bleibeperspektive, zu unterbreiten. Thüringen hat es gerade vorgemacht.